Metastudie Mobilfunkstrahlung könnte ein Grund für Insektensterben sein

Elektromagnetische Strahlung ist möglicherweise einer der Gründe für das Insektensterben. Das ergab eine Auswertung diverser Studien aus der ganzen Welt. Die Strahlung störe die Orientierung der Tiere und schädige ihr Erbgut.

Funkmast
Ein Mobilfunk-Mast mit Sendetechnik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mobilfunk- und Handystrahlung könnten einer Untersuchung zufolge ein Grund für das Insektensterben in Europa sein. Das belegt nach Auffassung des Naturschutzbundes Deutschland die Auswertung von 83* wissenschaftlichen Studien aus aller Welt.

Die Metastudie kommt zu dem Ergebnis, dass neben Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen auch die zunehmende elektromagnetische Strahlung "vermutlich einen negativen Einfluss auf die Insektenwelt" hat.

Orientierung gestört und Erbgut geschädigt

Demnach wiesen mehrere Studien in Labor- und Feldversuchen negative Auswirkungen auf Bienen, Wespen und Fliegen nach. Als Beispiele werden der Verlust der Orientierungsfähigkeit durch die Magnetfelder und die Schädigung des Erbguts und der Larven genannt.

Ein Grund dafür sei, dass insbesondere Mobilfunk- und WLAN-Strahlung die Calciumkanäle der Zellen von Insekten öffnen würden, so dass Calciumionen vermehrt einfließen. Calcium ist ein wichtiger Botenstoff, der eine biochemische Kettenreaktion bei Insekten auslöst.

Auswirkungen der 5G-Technik unklar

Der baden-württembergische Nabu-Landeschef Johannes Enssle mahnte, die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt werde häufig unterschätzt. Auch die Initiative Diagnose Funk forderte die Beachtung möglicher negativer Effekte auf Tiere und Menschen beim Ausbau des digitalen Netzes. Eine weitere Erforschung der Wirkungen sei von staatlicher Seite notwendig, insbesondere mit Blick auf die 5G-Technik.

Kritik an Interpretation

Nach Veröffentlichung der Studie und der Presseinformationen des Nabu und der Initiative Diagnose Funk wurde auch Kritik an den Darstellungen laut. Fachleute wiesen darauf hin, dass keine neuen Erkenntnisse erbracht wurden und frühere Daten auch nicht nochmals kritisch überprüft worden seien. Für den SWR hat Wissenschaftsjournalist Uwe Gradwohl eine Kritik geschrieben.

Wie der Nabu selbst einräumte, sind noch weitere Foschungen notwendig, um gesicherte Erkenntnisse zu erlangen. Das Bundesamt für Strahlenschutz kommt auf seiner Internetseite jedenfalls unverändert zu folgender Einschätzung: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte."

* Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, dass 190 Studien ausgewertet worden seien. Diese Zahl wurde vom Nabu und der Initiative Diagnose Funk falsch angegeben. Wir haben das korrigiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 13:15 Uhr

10 Kommentare

HUK vor 5 Wochen

Sehr gut, dass der MdR dieses Thema aufgreift, eben wie so manches, was im Lande unrund läuft und doch rund sein soll. Die Ursachen des Insektenschwunds sind vielschichtig, Funk, Hochbauten, Verkehr, Monokulturen an Energiepflanzen, Verwirbelung und Flügelschlag gehören dazu. Studien dazu gibt es sicher, doch wer wagt sich zu erst aus der Deckung?

Rush vor 5 Wochen

Ich bin irritiert, dass der MDR den Artikel ausgerechnet mitweinen Bild eines Funkmastes aufmacht, denn in der Metastudie steht Folgendes (Zitat):
„Dies deutet darauf hin, dass die aktuell typischen Feldstärken von Mobilfunktürmen relativ gesehen weitaus weniger schädlich als GSM-Handys, DECT und WLAN sind.“
Seite 10, Absatz eins.

Also Handys, WLAN und Funktelefone aus, die Funkmasten sind gar nicht so schlimm.

Ob etwas davon richtig ist, sei mal dahin gestellt. Aber ich erwarte schon, dass der Originaltext in einem Artikel darüber schon bekannt sein sollte.

Lepomis gibbosus vor 5 Wochen

Es handelt sich nicht um eine seriöse Studie, die in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift erschienen ist, sondern um einen Artikel im Blatt "Umwelt Medizin Gesellschaft", das einen eigenen Psiram (Esowatch) Eintrag besitzt. Es findet sich mit Sicherheit nicht auf der Positivliste der DFG für empfehlenswerte Fachzeitschriften, es wird keinen peer review kennen und es ist mit Sicherheit nicht bei ISI Web of Knowledge, Pubmed oder anderen Wissenschaftsdatenbanken aufgelistet. Es unterscheidet sich in nichts von eine Werbungsbeilage, ausser dass für Werbung auch Regel existieren.

Sollte man dazu sagen.

Weil Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland den Hang haben auf seriöse Recherchen zugunsten von sensationalistischem Unsinn zu verzichten empfehle ich interessierten Lesern die britische Initiative "Sense about Science" und das britische "Science Media Center", die es sich zum Ziel gesetzt haben, vernünftig aufzuklären.