Ein Mobilfunk-Mast mit Sendetechnik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Metastudie

Mobilfunkstrahlung könnte ein Grund für Insektensterben sein

Stand: 17. September 2020, 15:14 Uhr

Elektromagnetische Strahlung ist möglicherweise einer der Gründe für das Insektensterben. Das ergab eine Auswertung diverser Studien aus der ganzen Welt. Die Strahlung störe die Orientierung der Tiere und schädige ihr Erbgut.

Mobilfunk- und Handystrahlung könnten einer Untersuchung zufolge ein Grund für das Insektensterben in Europa sein. Das belegt nach Auffassung des Naturschutzbundes Deutschland die Auswertung von 83* wissenschaftlichen Studien aus aller Welt.

Die Metastudie kommt zu dem Ergebnis, dass neben Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen auch die zunehmende elektromagnetische Strahlung "vermutlich einen negativen Einfluss auf die Insektenwelt" hat.

Orientierung gestört und Erbgut geschädigt

Demnach wiesen mehrere Studien in Labor- und Feldversuchen negative Auswirkungen auf Bienen, Wespen und Fliegen nach. Als Beispiele werden der Verlust der Orientierungsfähigkeit durch die Magnetfelder und die Schädigung des Erbguts und der Larven genannt.

Ein Grund dafür sei, dass insbesondere Mobilfunk- und WLAN-Strahlung die Calciumkanäle der Zellen von Insekten öffnen würden, so dass Calciumionen vermehrt einfließen. Calcium ist ein wichtiger Botenstoff, der eine biochemische Kettenreaktion bei Insekten auslöst.

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Wie schlimm ist das Insektensterben wirklich?

Auswirkungen der 5G-Technik unklar

Der baden-württembergische Nabu-Landeschef Johannes Enssle mahnte, die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt werde häufig unterschätzt. Auch die Initiative Diagnose Funk forderte die Beachtung möglicher negativer Effekte auf Tiere und Menschen beim Ausbau des digitalen Netzes. Eine weitere Erforschung der Wirkungen sei von staatlicher Seite notwendig, insbesondere mit Blick auf die 5G-Technik.

Kritik an Interpretation

Nach Veröffentlichung der Studie und der Presseinformationen des Nabu und der Initiative Diagnose Funk wurde auch Kritik an den Darstellungen laut. Fachleute wiesen darauf hin, dass keine neuen Erkenntnisse erbracht wurden und frühere Daten auch nicht nochmals kritisch überprüft worden seien. Für den SWR hat Wissenschaftsjournalist Uwe Gradwohl eine Kritik geschrieben.

Wie der Nabu selbst einräumte, sind noch weitere Foschungen notwendig, um gesicherte Erkenntnisse zu erlangen. Das Bundesamt für Strahlenschutz kommt auf seiner Internetseite jedenfalls unverändert zu folgender Einschätzung: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte."

* Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, dass 190 Studien ausgewertet worden seien. Diese Zahl wurde vom Nabu und der Initiative Diagnose Funk falsch angegeben. Wir haben das korrigiert.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 13:15 Uhr

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