Ein Smartphone liegt vor einem Mann auf dem Tisch.
Wer unvorsichtig Nacktbilder verschickt, kommt schnell in unangenehme Situationen. Bildrechte: dpa

Kinder- und Jugendpornografie Schülerrat fordert mehr Aufklärung über Sexting

Eigentlich machen sich Jugendliche strafbar, wenn sie Nacktbilder verschicken. Eine Psychologin mahnt jedoch an, Kinder nicht zu kriminalisieren - schließlich würden sich viele sexuell ausprobieren. Der Landesschülerrat Sachsen-Anhalt bemängelt jedoch die wenige Aufklärung über Sexting an den Schulen. Der Lehrerverband sieht hingegen die Eltern in der Verantwortung über Sexualität und digitale Medien aufzuklären. Die Schule könne hierbei lediglich unterstützen.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Ein Smartphone liegt vor einem Mann auf dem Tisch.
Wer unvorsichtig Nacktbilder verschickt, kommt schnell in unangenehme Situationen. Bildrechte: dpa

Angenommen, Sie haben einen 14-jährigen Sohn. Der bekommt von seiner 13-jährigen Freundin ein Nacktbild bei WhatsApp geschickt. Einfach so, weil sie den Jungen gern hat und ihm vertraut. Dieses Bild wäre juristisch gesehen eine Straftat. Im Strafgesetzbuch steht: Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer ein kinderpornografisches Produkt herstellt, das ein "tatsächliches Geschehen wiedergibt."

Psychologin mahnt altes Strafrecht an

Das Gesetz ist natürlich deutlich älter, als es die Smartphones sind. Und genau darin besteht das Problem, meint die Psychologin Julia von Weiler vom Kinderschutzverein "Innocence in Danger":

Julia von Weiler
Psychologin Julia von Weiler Bildrechte: imago/Future Image

Ich komme jetzt in Kontakt mit 12, 13, 14-Jährigen, die mir sagen: 'Oh mein Gott, ich verschicke Kinderpornografie, ich mache mich strafbar.' Da müssen wir wahnsinnig aufpassen, weil wir die Kinder verbal in eine Ecke stellen, in die sie nicht gehören.

Julia von Weiler Kinderschutzverein "Innocence in Danger"

In gewissem Maße sei es ganz normal, dass sich Kinder ausprobieren und zwar auch digital, so die Psychologin. Die Selbstdarstellung der Kinder funktioniere eben auch digital: Das gelte auch in Beziehungen und sexuellen Beziehungen, erklärt Julia von Weiler. Kinder und Jugendliche würden sich sexuell ausprobieren: "Das bedeutet, die schicken sich flirtive Sprachnachrichten hin und her, die schicken sich intime Bilder oder Filme hin und her."

Weiterverbreitung von Nacktbildern strafbar

Gefährlich werde es, wenn diese Bilder gegen den eigenen Willen noch an andere Personen geschickt werden, sagt Julia von Weiler.

Zum einen ist es für das Kind eine furchtbare Situation, wenn intime Aufnahmen für alle einsehbar im Internet kursieren. Zum anderen ist das Verbreiten dieser Aufnahmen ebenfalls eine Straftat.

Schülerrat fordert mehr Aufklärung in der Schule

Das alles müssen Heranwachsende lernen. Aber wo? Und von wem? Ist die Schule der richtige Ort dafür? Eigentlich schon, sagt Tom Seil, Vorstandsvorsitzender im Landesschülerrat Sachsen-Anhalt. Allerdings passiere in der Schule viel zu wenig, sagt er:

Es gibt vereinzelt ein paar Projekte, manchmal wird es in Theateraufführungen thematisiert, aber wenn man die Leute darauf anspricht, was sie von sexting halten, dann müssen sie selber nachdenken, was das überhaupt ist.

Tom Seil Landesschülerrat Sachsen

Lehrerverband sieht Eltern in der Verantwortung

Das Icon von Snapchat ist auf einem Smartphone-Display zu sehen.
Bei Snapchat werden öfter Nacktbilder geteilt. Bildrechte: dpa

Ilka Hoffmann vom Bundesvorstand der Lehrergewerkschaft GEW sieht wiederum auch die Eltern in der Verantwortung. Die Schule sei damit überfordert, das Thema in ganzer Breite zu behandeln. Deswegen sehe sie die Eltern in der Verantwortung, mit ihren Kindern über Sexualität zu reden und auch darüber, wie man Medien nutzt. "Die Schule kann da unterstützen, indem sie das auch im Unterricht zum Thema macht und da ein Auge drauf hat."

Entscheidend ist, dass Schüler, Lehrer und Eltern eng zusammenarbeiten. Und wahrscheinlich muss auch das Strafrecht überarbeitet werden, wenn es auf diese digitalen Herausforderungen durch das Internet und die Smartphones reagieren zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. August 2019 | 06:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 05:00 Uhr

4 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 3 Wochen

Wir hatten in der Schule im Alter von 13 Jahren auch "Briefe" verschickt mit dem Inhalt "Büstenhalter für Dich" und als Antwort erhalten "Sackhalter für Dich".

Schaden hat niemand genommen.

Wir sind auch an FKK Stränden gewesen. Wer uns nackt sehen wollte, konnte es.
Es war völlig unkompliziert. Zu sexuellen Übergriffen ist es nie gekommen.
Sollten irgendwelche Spammer Fotos gemacht haben, wissen wir nichts davon. Es dürfte auch eher das Problem dieser Leute gewesen sein.

Sexuelle Gewalttaten waren in der DDR sehr selten. Sie hatten Ihre Ursache in persönlichen Problemen der Täter und nicht im gelassenen Umgang mit Nacktheit.

Wenn nun Gesetze gegen Kinderpornografie, die ich übrigens grundsätzlich für richtig halte, nun zur Bestrafung der normalen Kommunikation geschlechtsreifer und damit faktisch jugendlicher Kinder untereinander eingesetzt werden, dann läuft hier was ganz gewaltig schief.

Wieder einmal blamieren sich Ältere vor den Heranwachsenden.

Querdenker vor 3 Wochen

Zitat: „Die Schule sei damit überfordert, das Thema in ganzer Breite zu behandeln.“ - - - Was für eine lächerliche Ausrede für das eigene Versagen! Rechtliche Aspekte sollten ja nun hohe Priorität haben im Sexualkundeunterricht! - - - Es stellt sich irgendwie die Frage, was die Schulen im Sexualkundeunterricht gemacht haben? Einen zu großen Teil der Zeit sich mit Genderideologie beschäftigt? - - - siehe „welt Sexualkunde: Kinder sollen Analsex auf der Bühne spielen“

der_Silvio vor 3 Wochen

Es gibt schon Möglichkeiten der Aufklärung, was erlaubt ist und was nicht.
Die Polizei bietet solche Informationsveranstaltungen für Schulen an, nur müssen diese sich auch mal kümmern und davon Gebrauch machen.
An der Schule meiner Tochter gab und gibt es das jedes Jahr, was ich sehr gut finde.
Die Eltern sollten, sofern angeboten, diese Infoabende besuchen und auch ihre Kinder darüber informieren und ggf. über strafrechtliche Konsequenzen aufklären.
Was m.E. bedenklich ist, ist die immer kleiner werdende moralische Hemmschwelle von den Kids, Nacktbilder von sich zu verschicken, wie im Artikel erwähnt.
Meine Kinder wissen, was einmal im Netz ist, bekommt man nicht mehr raus.
Und die Kinder müssen wissen, daß beispielsweise Nacktbilder ein zu tiefer Eingriff in die Intimität und Privatsphäre ist.

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