Verschärfung Österreich: Regierung plant vollständigen Lockdown

Bisher galt in Österreich – ähnlich wie in Deutschland – ein Lockdown light. Doch nun verschärft die Regierung die Maßnahmen deutlich. Ab Dienstag gelten demnach Kontaktverbote, Schulen und die meisten Geschäfte werden geschlossen.

Besucher stehen in einem Einkaufszentrum, in dem ein Schild zur Einhaltung der Hygieneregeln hängt.
Bisher hatten Einkaufszentren in Österreich offen, doch ab Dienstag müssen die meisten Läden schließen. Bildrechte: dpa

In Österreich wird das öffentliche Leben wieder massiv heruntergefahren. Das teilte die Regierung um Kanzler Sebastian Kurz am Samstag in einer Pressekonferenz mit. Zuvor hatten mehrere Nachrichtenagenturen bereits über einen entsprechenden Regierungsentwurf berichtet. Demnach gilt ab Dienstag wieder ein vollständiger Lockdown – vergleichbar mit den Schließungen im Frühling während der ersten Corona-Welle.

Diese Maßnahmen gelten ab Dienstag in Österreich:

  • Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr. Das Verlassen des privaten Wohnraums ist nur bei konkreten Gründen wie etwa der Erfüllung von Grundbedürfnissen, Arbeit und Ausbildung, der Betreuung Hilfsbedürftiger sowie zur Erholung im Freien erlaubt.
  • Kontaktverbote: Private Treffen sind nur mit einem Partner, mit einzelnen engsten Angehörigen oder mit einzelnen Bezugspersonen erlaubt.
  • Schulschließungen: Schulen stellen auf Fernunterricht um und bieten bei Bedarf Betreuungsmöglichkeiten.
  • Schließungen von Geschäften: Offen bleiben nur Geschäfte für die Deckung des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Kioske.
  • Unternehmen sollen überall dort, wo es möglich ist, auf Homeoffice umstellen.

Kurz: Treffen sie niemanden!

Die neuen Regelungen gelten bis zum 6. Dezember. Bisher galt in Österreich – ähnlich wie in Deutschland – ein Lockdown light. Schon seit dem 3. November sind Gastronomie, Tourismus, Kulturbetrieb und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Außerdem gelten Ausgangsbeschränkungen von 20 bis 6 Uhr, die das Verlassen des "privaten Wohnraums" nur aus mehreren konkreten Gründen – wie etwa die Erfüllung von Grundbedürfnissen, Arbeit und Ausbildung, die Betreuung Hilfsbedürftiger sowie zur Erholung – im Freien zulassen.

"Auch wenn sich niemand einen zweiten Lockdown wünscht, so ist der zweite Lockdown das einzige Mittel, von dem wir verlässlich wissen, dass es funktioniert", sagte Kanzler Kurz. Er appellierte an die Bevölkerung: "Meine eindringliche Bitte für die nächsten Wochen ist: Treffen Sie niemanden! Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel." Das Ziel sei, am 7. Dezember Schulen und Handel wieder öffnen zu können. Die ab Dienstag geltenden Ausgangsregeln müssen alle zehn Tage vom Hauptausschuss des Parlaments neu genehmigt werden.

Weiter viele Neuinfektionen

Die Infektionszahlen waren trotz des Teil-Lockdowns seit Anfang November in Österreich weiter gestiegen. Mediziner befürchten einen Zusammenbruch der Intensivversorgung. Der Durchschnittswert der Neuansteckungen binnen sieben Tagen lag am Freitag österreichweit bei 554,2 Fällen pro 100.000 Einwohner, regional aber bei bis zu 850. In Deutschland lag die 7-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut zuletzt bei 140,4 pro 100.000 Einwohner.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. November 2020 | 09:15 Uhr