Bleibt Ostseeurlaub bezahlbar? Wie weiter mit dem Tourismus an der Küste

Wird der Urlaub an der Ostsee in diesem Jahr teurer? Nur moderat meinen der Landestourismusverband und der Branchenverband DEHOGA, der in der ersten Woche nach den Lockerungen massive Umsatzeinbußen registriert hat. Doch noch explodieren die Preise im günstigen Segment offenbar nicht, wie eine Auswertung des Portals Home to go für den MDR ergeben hat.

Ein Werbeschild für eine freie Ferien-Wohnung
Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit 11 Prozent höheren Preisen. Bildrechte: dpa

Wegen der weltweiten Corona-Krise wollen in diesem Jahr viele im Land bleiben. Wird dadurch der Ostseeurlaub unbezahlbar? Teurer jedenfalls könnte er werden, denn das Angebot an Hotelbetten wegen Corona wurde künstlich verknappt, es gilt eine Auslastungsobergrenze bei Beherbergungen von 60 Prozent. Bei den freien Betten gilt das Prinzip: Weniger Angebot am Markt, mehr Nachfrage – höhere Preise meint der Präsident vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz. Er appelliert an die Häuser in bester Lage, Preiserhöhungen mit Fingerspitzengefühl anzugehen. Sie müssten darstellbar bleiben.

Den anderen Häusern empfiehlt er, Preiserhöhungen mutig anzugehen. "Wir haben deutlich gestiegene Kosten. Es geht um die pure Existenzangst und um das nackte Überleben." Dennoch trauten sich nicht alle, Mecklenburg-Vorpommern sei ein großes Flächenland, dort gebe es viele Wirte mit Gastronomen- statt Buchhalterherz.

DEHOGA: Es geht um die Existenz

Schwarz wirbt bei den Touristen um Verständnis, verweist auf eingebrochene Umsätze, unverändert hohe Fixkosten wie Miete, Versicherungen, Kredite oder Gema und steigende Lebensmittelpreise. Hinzu kommt: "Wir haben durch die Abstände halb so viel Gäste und dann am Abend nur halb so viel in der Kasse."

Seit dem 18. Mai dürfen Hotels und Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern wieder für Einheimische öffnen. Von rund 800 Häusern wagten diesen Schritt 49 Prozent, ergab eine Umfrage des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Der DEHOGA wollte wissen, wie das funktioniert hat. Eine Umfrage dazu endete am Mittwoch dieser Woche, 215 Unternehmen beteiligten sich, das Ergebnis ist düster: In einer Kurzauswertung, die dem MDR vorliegt, heißt es, 90 Prozent der Unternehmen sei das Führen des Betriebes unter den gegenwärtigen Auflagen wirtschaftlich unmöglich. Bei fast 87 Prozent hätten sich die Umsatzerwartungen nicht erfüllt. "80,9 Prozent der Befragten gaben an, dass der Umsatz im Vergleich zur Vorjahresmaiwoche mindestens 50 Prozent niedriger ausfiel, davon lagen 28,3 Prozent bei 25 bis 50 Prozent zum Vorjahresvergleichszeitraum, 37,7 Prozent bei 10 bis 25 Prozent zum Vorjahresvergleichszeitraum und 17,9 Prozent der Befragten verzeichneten weniger als 10 Prozent der vergleichbaren Umsätze", heißt es in dem Papier.

Tourismusverband erwartet elf Prozent mehr

Düstere Zahlen, die hohe Teuerungsraten bei Übernachtungen erwarten lassen. Dennoch geht Schwarz von der DEHOGA von einer "moderaten" Steierung aus, ohne Zahlen zu nennen. Der Landestourismusverband ist da konkreter. Er wagte Mitte Mai eine Prognose: Um etwa elf Prozent könnten die Übernachtungskosten im Schnitt steigen. Die Gründe: die höhere Nachfrage nach Urlaub in Deutschland, die Kosten für den Infektionsschutz und eine Verknappung des Angebotes durch die geltende 60-Prozent-Regelung zum Schutz vor Corona-Ansteckung.

Median-Übernachtungskosten unter dem Vorjahreswert

Doch aktuell scheinen die Übernachtungskosten in einem bestimmten Segment in Mecklenburg-Vorpommern sogar zu sinken – zumindest nach Datenlage der Suchmaschine "Home To Go" – in dem Segment für Ferienwohnungen und Ferienhäuser. "Home to go" hat MDR Aktuell Vergleichsdaten zu Urlaubsbuchungen an der Ostseeküste bereitgestellt. Rund 50.000 Angebote wurden dafür analysiert. Das Ergebnis: Wer jetzt eine Unterkunft für die erste Woche der Sommerferien sucht, zahlt laut "Home-to-Go" im Median in Mecklenburg-Vorpommern rund 77,86 Euro pro Nacht und damit 18,94 Euro weniger als im vergangenen Jahr für die erste Ferienwoche.

Dennoch beschreibt das Wort "Sinken" die Lage nicht präzise. Offenbar hat sich lediglich die Nachfrage bei Ferienwohnungen und Ferienhäusern verschoben: Weg von den kleineren günstigen Angeboten hin zu den teureren, die mehr Raum bieten. Deshalb sind in der Datenbank des Portals mehr günstigere Angebote zu finden. Der Median blendet also extrem hohe und extrem niedrige Werte aus und zeigt somit exakt den mittleren Wert einer längeren Zahlenreihe. In Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Wert gesunken, in Schleswig-Holstein gestiegen.

"Home To Go" zufolge könnte die Veränderung auf zwei Gründe zurückzuführen sein: Zum einen waren in der Vergleichswoche viele Angebote schon ausgebucht und tauchten damit nicht mehr in den Analysedaten auf. Für Mecklenburg-Vorpommern hält das Portal eine weitere Interpretation der Daten für möglich: "Dass Urlauber dieses Jahr eher größere Unterkünfte, welche teurer sind, gebucht haben, um mehr Platz zu haben. Dies kann dazu führen, dass es noch viele kleinere Unterkünfte gibt", erläutert ein Sprecher. Damit steigt im Angebot des Portals die Zahl der kleineren, günstigeren Unterkünfte und der Median rutscht auf die besagten 77,86 Euro.

77,86 Euro ist natürlich für viele See- und Sonnenhungrige immer noch viel Geld – aber dennoch birgt die Zahl einen Funken Hoffnung: Sie bildet lediglich den Median ab, die Mitte. Noch sollte es also relativ preiswerte Ferienunterkünfte an Küste geben. Aber, die erste Ferienwoche rückt näher und die Lage kann sich im Prinzip täglich ändern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2020 | 17:30 Uhr

2 Kommentare

Lucas vor 21 Wochen

Das ist doch nix Neues mit den Preissteigerungen - alle Jahre wieder... und derartige Extreme werden immer ausgenutzt. Warum - so lange jedes Jahr die Gehälter und Löhne steigen, steigen auch die Preise überall. ...

wer auch immer vor 21 Wochen

Für die Einen geht es um die Existenz, für Andere darum weiter Geld zu scheffeln.
So ist halt das Leben. Jeder muss selber entscheiden wann und wofür das erarbeitete Geld verwendet wird.
Der Mensch ist einzig - aber nicht immer artig.