Studie "Das Ungleichheitsvirus" Oxfam: Pandemie verschärft soziale Ungleichheit

Trotz Pandemie haben die Superreichen der Welt ihr Vermögen vermehrt, zugleich verloren Hunderttausende ihr Einkommen. Das geht aus einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam hervor, die im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht wurde. Oxfam fordert, dass sich Unternehmen und Wohlhabende mehr am Gemeinwohl beteiligen sollen.

Schülerinnen und Schüler der Vorschule "Makkasan" tragen Essens-Pakete.
Schulkinder in Bangkok (Thailand) haben in der Corona-Pandemie Essenspakete von ihren Lehrerinnen bekommen. Bildrechte: dpa

Die soziale Ungleichheit wird einer Studie zufolge durch die Corona-Pandemie weltweit verschlimmert. Wie aus der am Montag veröffentlichten Untersuchung der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hervorgeht, ist das Vermögen der zehn reichsten Männer der Welt seit Februar 2019 trotz Pandemie um fast eine halbe Billion auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen.

Dieser Gewinn wäre mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarmt.

Aus dem jüngsten Bericht von Oxfam

In Deutschland verfügten dem Bericht zufolge die zehn reichsten Menschen Ende 2020 über ein Gesamtvermögen von rund 242 Milliarden Dollar. Das sei trotz Corona-Pandemie eine Steigerung von rund 35 Prozent gewesen. Zugleich hätten hierzulande rund 40 Prozent der Erwerbspersonen durch die Pandemie Einkommen verloren.

Weltweite Jobkrise trifft Frauen am stärksten

Dem Bericht zufolge erlebt die Welt die schlimmste Jobkrise seit mehr als 90 Jahren, in der Hunderte Millionen Menschen Einkommen oder Arbeit verloren hätten. Frauen seien davon am stärksten betroffen: Sie arbeiteten häufig in besonders betroffenen Branchen wie etwa im Gastgewerbe. Zudem stellten sie weltweit etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen - und seien so auch einem höheren Risiko ausgesetzt seien, an Covid-19 zu erkranken.

Gerechtere Steuerpolitik gefordert

Die Entwicklungsorganisation fordert kurzfristig eine veränderte Steuerpolitik, die Unternehmen und Superreiche angemessen an der Finanzierung des Gemeinwohls beteilige.

Konzerne und Superreiche müssen jetzt ihren fairen Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen.

Tobias Hauschild von Oxfam Deutschland

Für die Studie wurden fast 300 Ökonomen aus 79 Ländern befragt, darunter führende Ungleichheitsforscher. Oxfam veröffentlichte den Bericht anlässlich des Weltwirtschaftsforums. Es findet erstmals nicht in Davos, sondern komplett digital statt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2021 | 06:00 Uhr