Nach 14 Jahren Bauzeit Pannenflughafen BER öffnet ohne Party

Viele Jahre haben die Deutschen über den BER gelacht und geflucht. Ab sofort sollen sie den Pannenflughafen benutzen. Am Samstag sollen die ersten Maschinen landen. Eine Feier hätte es auch ohne Pandemie nicht gegeben.

Menschen gehen durch das Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER).
Im neuen Terminal 1 des Hauptstadtflughafens soll bald reger Betrieb herrschen. Bildrechte: dpa

Dieses Mal stimmt es tatsächlich: Der Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt", kurz BER, im Volksmund schlicht Pannenflughafen, darf am Samstag offiziell eröffnet werden. Eine große Feier gibt es nicht, hätte es auch ohne Corona-Pandemie nicht gegeben. "Wir werden einfach aufmachen", sagt Engelbert Lütke Daldrup, der seit 2017 Chef des Flughafens ist. Denn das Baudrama am Rand der deutschen Hauptstadt habe das Land zur Lachnummer gemacht.

Wir deutschen Ingenieure haben uns geschämt.

Engelbert Lütke Daldrup Flughafenchef
Engelbert Lütke Daldrup
Brachte den Job zu Ende: Engelbert Lütke Daldrup Bildrechte: dpa

Auf ein bisschen Symbolik wollen die Verantwortlichen dennoch nicht verzichten: Gegen 14 Uhr sollen erstmals zwei Maschinen auf dem Flughafen landen.

Ihre Flugnummern bilden zusammengefügt das Datum, das in die Geschichte eingehen soll: 31. Oktober 2020. Die Passagiere sind geladene Gäste. Mehr Gloria ist nicht vorgesehen.

Baubeginn 2006

Mit der Eröffnung endet zumindest vorläufig eine lange Serie von Pannen, Kostensteigerungen und geplatzten Startterminen. Ursprünglich sollte der BER vor neun Jahren öffnen, am 10. Oktober 2011. Zur historischen Einordnung: Zu diesem Zeitpunkt hatte der heutige Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig noch zwei Jahre Regionalliga vor sich. Die Kosten für den Flughafen verdreifachten sich seit Baubeginn im Jahr 2006 auf nunmehr sechs Milliarden Euro.

Während des Baus amüsierte und ärgerte sich Deutschland über eine scheinbar endlose Reihe von Fehlplanungen, Defekten und Pannen. Fast legendär sind die Probleme um den Brandschutz und bei der Inbetriebnahme der Entrauchungsanlage, später nur als "Monster" bezeichnet. Daneben konnte man den Kopf schütteln über zu kurz geratene Rolltreppen, unauffindbare Räume oder Licht, das sich nicht ausschalten ließ.

Die peinlichsten Pannen am BER

Mit neun Jahren Verspätung und dreimal so teuer wie geplant eröffnet der Flughafen Berlin Brandenburg. Die kuriosesten Pannen im Überblick.

Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
Das Licht geht nicht aus Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, Umplanungen wurden danach immer wieder angepasst, aber nie grundsätzlich neu geplant. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Rolltreppe im Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt BER.
Rolltreppen zu kurz Zwei feste Treppen folgten am Bahnhofsausgang auf die Rolltreppen. Grund: Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden. Über den Austausch wurden sich Flughafen und Bahn lange nicht einig. Bildrechte: imago/Bernd Friedel
Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
Das Licht geht nicht aus Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, Umplanungen wurden danach immer wieder angepasst, aber nie grundsätzlich neu geplant. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Ein Elektriker arbeitet am 19.05.2017 in Schönefeld im Flughafen Berlin Brandenburg (BER) an der Heizungsanlage.
Dauerbrenner Brandschutz Bei Feuer geht ein Teil des Rauchs durch den Keller nach außen. Das sorgte für Spott, ist wegen des Unterdrucks aber möglich. Die Rauchanlage war über die Jahre aber so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Bildrechte: dpa
Check-in-Schalter auf der Baustelle des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt BER.
Falsch nummerierte Türen Jeder dritte der 4.000 Räume im Terminal trug nach Umplanungen eine falsche Nummer – und war zum Beispiel für Rettungsdienste nicht zu finden. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an. Bildrechte: imago images/snapshot
Kabel liegen am 23.06.2014 in der Baustelle im Terminalgebäude des künftigen Großflughafens Berlin-Brandenburg BER, während ein Arbeiter in einer Sicherheitsweste mit «Imtech»-Aufdruck vorübergeht.
Kabelsalat Mit den Erweiterungen in der Bauphase kamen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen, was wegen Hitzebildung riskant sein kann. Kabel führten auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser. Teilweise fehlten Pläne. Bildrechte: dpa
Ein Buchfahrpaln mit Haltezeiten auf dem Bahnhof des Flughafens Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg) aufgenommen am 06.03.2013.
Vertrauliche Dokumente im Müll Ordnerweise Baupläne lagen 2014 in einem Abfallcontainer auf offener Straße in Berlin. Bildrechte: dpa
Fiktive Flüge zeigen Anzeigetafeln im Terminal des Hauptstadtflughafen Willy Brandt (BER) in Schönefeld bei einem Test an.
Bildschirme bereits Schrott 750 Bildschirme im BER waren jahrelang in Betrieb, zeigten Flugziele und Schalternummern – bis die Monitore schrottreif waren und entsorgt werden mussten. Bildrechte: dpa
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Pfusch und Murks

Die Ursachen für Pfusch und Murks liegen in der Rückschau zum Teil auf der Hand: Die politisch Verantwortlichen legten im Übermut ohne Generalunternehmer los, gaben zwischendurch gigantische Umplanungen in Auftrag und kalkulierten Termine zu knapp. 2012 wurde auch noch das Flughafenarchitekturbüro gekündigt. Weitere Personalwechsel folgten stetig. Schon 2013 führte der damalige Technikchef Horst Amann eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln auf. Noch heute wird diskutiert, ob es nicht effektiver gewesen wäre, wenn man den Flughafen damals noch einmal entkernt hätte.

Es spricht wenig dafür, dass die Debatten um den Flughafen bald enden. Denn bereits zum Start steht der Airport vor Problemen. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie ist der Flugverkehr eingebrochen. Die Luftfahrtbranche steckt in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie soll der Flughafen unter diesen Bedingungen die Einnahmen erzielen, um die fälligen Kredite abzubezahlen?

Erst zu klein, jetzt zu groß

Die anfallenden Verluste muss erneut der Steuerzahler ausgleichen. Die Betreibergesellschaft des Flughafens gehört zu je 37 Prozent den Bundesländern Berlin und Brandenburg sowie zu 26 Prozent dem Bund. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte dazu jüngst: "Realistisch beschränken wir uns mal auf das, was plausibel ist. Nämlich dass der Flughafen jetzt seinen Betrieb aufnimmt, dass er Erträge erzielen wird und trotz der angespannten Lage die Sache gut ausgehen wird."

Aktuell wird der Flughafen nicht gebraucht, langfristig könnte er hingegen zu klein sein. Der Airport kann zwar 27 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen, doch vor der Corona-Krise nutzten 35 Millionen Menschen Berlins Flughäfen. Laut Betreibergesellschaft könnte die Kapazität zwar auf zu 45 Millionen Passagiere erweitert werden. Allerdings wären dazu erneut Investitionen nötig.

Momentan sind die politisch Verantwortlichen froh, dass das Bauen auf dem Gelände ein Ende hat. Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hofft auf einen Schlussstrich: "Wenn die Leute den Flughafen erleben, wie er funktioniert, dann wird auch sehr schnell die Leidensgeschichte in der Bauphase vergessen sein."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Oktober 2020 | 14:00 Uhr

25 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 4 Wochen

"hier findet sich ein Hinweis auf "Raumplanung" mit etwas Finesse findet man sogar die Dissertation. Strengt aber an, so ein Faktencheck!"

Das ist es mir aber dann auch nicht wert!

Dietmar vor 4 Wochen

Um etwas Licht auf die Sonnenseite des Lebens zu bringen:
Wikipedia -> hier findet sich ein Hinweis auf "Raumplanung" mit etwas Finesse findet man sogar die Dissertation. Strengt aber an, so ein Faktencheck!

Wessi vor 4 Wochen

@ Sonnenseite ...ach wie lustig! Die Betreibergesellschaften entscheiden also, welches Flugzeug als erstes landen darf? Was für in Unsinn!Und wen interessiert was Sie denken?Die Betreibergesellschaft gehört hauptsächlich den Ländern+dem Bund, also den dort gewählten Mehrheiten, nicht etwa der SPD wie Sie es fälschlicher Weise unterstellen oder heranlügen.WAs wissen Sie eigentlich?