Ein Parkplatz voller Autos
In Deutschlands Städten fehlt es an Parkplätzen. Bildrechte: colourbox

Wenig Platz in Städten Problem für mobile Pflegedienste: Fehlende Parkplätze

Deutsche Städte ziehen viele Menschen an und wohin viele Menschen kommen, kommen auch viele Autos. In vielen Städten, so auch in Mitteldeutschland, herrscht deshalb Parkplatz-Knappheit. Was für viele ärgerlich ist, ist für mobile Pflegedienste ein schwerwiegendes Problem.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Ein Parkplatz voller Autos
In Deutschlands Städten fehlt es an Parkplätzen. Bildrechte: colourbox

Jana Höhn ist im Dauerstress. Sie arbeitet in der ambulanten Pflege der Diakonie Leipzig und versorgt 15-20 Patienten an einem Arbeitstag von sechs Stunden. Jeder Hausbesuch ist zeitlich getaktet. Jedes Mal muss sie dabei einen neuen Parkplatz suchen.

Teils schwierige Parkplatzsituation in Leipzig

In manchen Leipziger Stadtteilen gibt es für Nicht-Anwohner hauptsächlich kostenpflichtige Parkplätze. Das gestalte sich für die ambulante Pflege schwierig, sagt Jana Höhn. "Weil wir eben auch nicht die Zeit haben, weiter weg zu parken, weil das alles in unserer Zeit inbegriffen ist. Und auch die Kosten für die Parkscheine - wer soll die übernehmen? Wenn es danach ginge, können wir auch nicht sagen, 'Sie wohnen in der Innenstadt, wir können Sie jetzt nicht versorgen', denn die Menschen sind hilfsbedürftig und wir müssen ja zu den Patienten fahren."

Die Stadt begründet ihre Entscheidung, in einigen Stadtteilen nur noch Anwohner parken zu lassen, damit, dass dies die Parksituation entlaste. Schwester Jana und ihre Kollegen sehen darin aber eher ein großes Problem und oft nur eine Möglichkeit, damit umzugehen: "Wir stellen uns dann trotzdem einfach hin und versuchen dann so schnell wie möglich rein zu rennen und die Patienten zu versorgen und dann so schnell wie möglich wieder runter zu rennen und zu schauen, ob man einen Strafzettel dran hat."

Man vermittelt dem Patienten gegenüber auch den Stress und geht dann nicht so auf alles ein, und das ist schon auch traurig.

Jana Höhn, ambulante Pflegerin

Es bleibe ja sowieso schon wenig Zeit für die Pflege, die Medikamentengabe oder das Waschen des Patienten.

Sonderregelung könnte Abhilfe schaffen

Auch die Bereichsleiterin der Altenpflege der Diakonie Leipzig, Maria Dösinger-von Wolffersdorff, sagt: "Ich denke, für dieses Zeitfenster, fünf Minuten bis eine halbe Stunde, wäre es schon angemessen, wenn dort eine Sonderparkgenehmigung erteilt werden könnte. Die Autos sind ja auch sichtbar, es sind ja keine Privatautos, man erkennt das auch."

Dösinger-von Wolffersdorff hat in der Woche im Schnitt fünf bis sechs Strafzettel im Briefkasten – bei gerade einmal 20 Mitarbeitern. Die Strafzettel müssen die Pflegekräfte aus eigener Tasche bezahlen. Die Stadt Leipzig teilte MDR AKTUELL auf Anfrage schriftlich mit: Ausnahmegenehmigungen zum gebührenfreien Parken könnten vom Ordnungsamt nicht erteilt werden.

Keine Besserung in Sicht

Und weiter: "Die Interessen der ambulanten Pflegedienste und der Gewerbetreibenden unterscheiden sich allgemein nicht von denen der anderen privaten Wirtschaft oder den sonstigen Interessen privater Antragsteller (…). Der allgemeine Wunsch, Zeit und Wege zu sparen, rechtfertigt keine Ausnahme von der StVO."

Eine Ausnahme dürfe nur in besonderen Einzelfällen erteilt werden. Auch das Sächsische Wirtschaftsministerium sähe eine Bevorzugung einzelner Nutzergruppen kritisch.

Für Pflegekräfte wie Schwester Jana bleibt daher erst einmal nur die Kulanz von Ordnungsamtsmitarbeitern. Manche zeigten sich durchaus verständnisvoll, sagt sie, aber eben auch nicht alle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

14.08.2019 07:42 Lausbub 3

Ich denke, die ambulanten Pflegedienste übertreiben das Problem mit den fehlenden Parkplätzen. Zitat der Pflegerin Jahn: "Wir müssen ja zu den Patienten fahren." Ach, und das geht nur mit dem Pkw? Sind Fahrrad oder Roller keine Alternative? Leipzig leidet zudem nicht gerade unter einem schlecht ausgebauten ÖPNV. Nicht fehlende Parkplätze sind das Problem sondern vielmehr Bequemlichkeit und schlechte Arbeitsorganisation. Die Pflegebedürftigen wohnen schließlich nicht so weit auseinander, dass nur das Auto für die Wegstrecken bleibt. Pflegedienste müssen mehr Pfleger einstellen, damit mehr Zeit für den einzelnen Pflegebedürftigen bleibt, einschl. An- und Abfahrt. Das bedeutet weniger Gewinn für den Pflegedienst. Dahinter tritt ein ethisches Problem zu Tage: Mit der Gesundheitsversorgung der Bürger sollte kein Gewinn erwirtschaftet werden. Das gilt für das gesamte Gesundheitssystem.

13.08.2019 10:54 filou 2

Also ich denke mal, die Patienten, die versorgt werden müssen, liegen auch dicht beieinander, so das man auch mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad fahren könnte. Sehe das hier bei unseren Pflegediensten, die hier alle paar Meter mit dem Auto fahren und keine Materialien mitnehmen, da alles meist beim Patienten vor Ort liegt. Zum zweiten, würde ich den Strafzettel nie selbst zahlen, sondern mein Dienstherr, der mich dort hinschickt. Und ich muss hier mal Nr.1 Recht geben, es wird dauernt nur gemeckert . Sucht selbst mal nach Lösungen und seit kreativ.

13.08.2019 08:05 Probleme nicht selber machen! 1

Man kann Probleme aber auch selbst machen.
Es gibt zum Beispiel kostenfreie Parkscheine, die nur für das Fahrzeug gelten, in welchem der Parkschein plaziert ist. Der Schein gilt für ein halbes Jahr und wird dann verlängert, sofern das Fahrzeug noch auf den Pflegedienst zugelassen ist. Somit können Pflegedienst kostenfrei parken.
So einfach kann das sein.
Damit dies umgesetzt wird, gibt es übergeordnete Dienststellen, die dies mit der Kommune aushandeln können. Man muss aber auch mal die Kirche im Dorf lassen.
Ich glaube, es ist modern geworden, an der Pflege Bedürftiger herumzumeckern. Gibt es endlich mal mehr Geld, wird ein neues Problem gesucht.
Schämt Euch!