Feiern unter freiem Himmel Immer mehr Partys, aber wenige Krawalle in Mitteldeutschland

Partys unter freiem Himmel sind in den vergangenen Wochen in Stuttgart und Frankfurt am Main aus dem Ruder gelaufen. Der Ablauf ist oft derselbe: Erst feiern die Menschen friedlich, dann randalieren Gruppen und greifen die Polizei an. Szenen wie in Stuttgart und Frankfurt gab es in Mitteldeutschland zwar nicht - doch die Polizei kennt das Problem in kleinerem Umfang.

Ein Wasserwerfer der Polizei ist gegen Randalierer im Einsatz.
Am Magdeburger Hasselbachplatz kam es zuletzt vor zwei Jahren zu einer Party mit Krawallen. Bildrechte: dpa

Das sogenannte "Assi-Eck" in der Dresdner Neustadt am vergangenen Sonntagmorgen: Die Kreuzung ist mit Müll übersät, überall liegen ganze und zerbrochene Bierflaschen, auch Stühle, angegessene Döner und Pizzakartons. In der Nacht zuvor habe es eine Party gegeben, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner.

Insbesondere habe man dort mehrere Hundert Personen, die sich dort aufhielten und in der Tat ziemlich laut seien, zum Teil laute Musik hörten, Müll hinterließen, zum Teil auch in die Hauseingänge gingen. Und das sorge natürlich bei den Anwohnern für unzufriedene Zustände.

Appelle an die Vernunft funktionieren bedingt

An einem Wohnhaus hängt ein Lichtschlauch. Wohnhaus ist  Unter dem Motto "Inseln im Hecht" wurde auf Hinterhöfen, Seitenstraßen und Hausfluren auf mehreren Bühnen ein Programm mit Tanz, Spiel und Spaß geboten.
Entstehen beim Feiern auf der Straße Lärm oder Müll wie in der Dresdner Neustadt, sind das Ordnungswidrigkeiten. Bildrechte: dpa

Bis zu 800 Menschen versammeln sich zurzeit regelmäßig am "Assi-Eck". In den vergangenen Wochen seien die Partys immer größer und die Beschwerden von Anwohnern immer mehr geworden, so Thomas Geithner. Oft werde bis nachts um vier Uhr gefeiert, manchmal sogar mit Bands.

Dabei seien Lärm und Müll eigentlich Ordnungsstörungen, erklärt der Polizeisprecher: "Wir zeigen, dass wir da sind, wir erhöhen unsere Präsenz und versuchen durch Kommunikation Schrägstrich zu nerven sozusagen, die Leute zu bequatschen, von der Kreuzung runterzugehen, dass zumindest die Straßenbahn fahren kann und deeskalierend an die Vernunft zu appellieren. Das gelingt nur bedingt, sag ich mal vorsichtig."

In Mitteldeutschland bisher kaum Aggressionen durch feiernde Gruppen

Auch in anderen Großstädten in Mitteldeutschland versammeln sich zurzeit immer häufiger Menschenmassen nachts unter freiem Himmel, um zu feiern. In Leipzig zum Beispiel in der Könneritzstraße oder an der Sachsenbrücke, in Halle auf der Peißnitzinsel, ergab eine Umfrage vom MDR AKTUELL in Polizeirevieren und Ordnungsämtern. Zu Aggressionen, ähnlich wie in Stuttgart oder Frankfurt am Main, sei es bisher nirgendwo gekommen, heißt es.

Doch die Polizei sei gewarnt, so ihr Dresdner Sprecher Thomas Geithner: "Klar ist auch, wenn wir von 700, 800 Personen reden, die doch auf einem engen Raum sind und Alkohol trinken, dann ist immer die Gefahr, dass ein Funken reicht und dass es dort eskaliert."

Und dann sei eben die Frage, wie reagiere man als Polizei und da seien eben viele Glasflaschen und das könne man auch schnell als Waffe einsetzen, so Thomas Geithner.

Partys mit Krawallen gab es in Mitteldeutschland zuletzt nur wenige. Die FC Magdeburg-Aufstiegsfeier vor zwei Jahren am Magdeburger Hasselbachplatz war eines der seltenen Beispiele. 

Treffen nur unter freiem Himmel möglich

In den meisten Städten treffen sich meist nur ein paar Dutzend Jugendliche. Und das friedlich, wie in Erfurt an der Krämerbrücke. Auch die Partys dort nervten Anwohner, sagt der Erfurter Stadtsprecher Daniel Baumbach - der dennoch etwas Verständnis für die Feiernden zeigt: "Wo sollen sie denn hin? Die Clubs sind zu, es gibt keine Festivals. Die wollen sich ja auch irgendwo treffen und das müssen sie im Moment draußen tun. Man muss damit umgehen, ich würde sagen, wir sollten das nicht zu hart handhaben, einfach drauf hinweisen, trefft euch draußen, versucht die Lautstärke nach unten zu schrauben und versucht euch nicht zu nahe zu kommen, dass wir die Corona-Regeln einhalten."

Wenn es doch zu laut wird, gelingt es der Polizei meist, die Feiern gewaltlos aufzulösen. So wie in den letzten Wochen häufig am August-Bebel-Platz in Halle, wo sich regelmäßig 30, 40 junge Menschen nachts trafen. Dort sprayten einige der Weggejagten danach den Spruch "Cops runter vom Bebel" an Häuserwände.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juli 2020 | 08:11 Uhr

9 Kommentare

Agnostiker vor 2 Wochen

"Wir zeigen, dass wir da sind, wir erhöhen unsere Präsenz und versuchen .... die Leute zu bequatschen, von der Kreuzung runterzugehen, dass zumindest die Straßenbahn fahren kann"
Das ist doch eine Bankroterklärung der Dresdner Polizei. Was sollen denn die Anwohner machen, wenn hier Rechtsstaat nicht mehr funktioniert? Das Gesetz selbst in die Hand nehmen?

ralf meier vor 2 Wochen

Gegenüber solchen Partys unter freiem Himmel hilft nur eine klare Kante, wie sie im MDR Artikel 'Polizei löst Camp der rechten Szene auf' vorbildlich beschrieben wurde.


Zitat: 'Am Samstag hat die Polizei auf einer Wiese in Stützerbach ein wildes Camp aufgelöst. Die 20 Teilnehmer gehören laut Polizei der rechten Szene an und mussten die Heimreise antreten.'

Im Vergleich zu diesem entschlossenen Handeln wirken die Aussagen des Polizeisprechers Thomas Geithner : '"Wir zeigen, dass wir da sind, wir erhöhen unsere Präsenz und versuchen .... die Leute zu bequatschen, von der Kreuzung runterzugehen, dass zumindest die Straßenbahn fahren kann' erschreckend hilflos , ja sogar peinlich

Brigitte Schmidt vor 2 Wochen

Menschen, Gruppen, Personen, Dutzend Jugendliche, junge Menschen, Weggejagte sprayen "Cops runter vom Bebel"
wenige Krawalle in Mitteldeutschland

noch...

Wahrscheinlich eine Nebenwirkung von Corona und Lockdown...