Covid-19 Patientenverfügung gilt auch für Corona-Behandlung

Circa 14 Prozent der Corona-Infizierten entwickeln schwere Symptome wie Atemnot. Bei knapp fünf Prozent hat das Virus lebensbedrohliche Auswirkungen wie Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen. Betroffene landen auf der Intensivstation, müssen oft beatmet werden. Nun hat der ein oder andere aber eine Patientenverfügung, die entstand, bevor Corona kam. Was ist, wenn darin steht, dass man nicht beatmet werden möchte? Dürften dann die Angehörigen entscheiden?

Stempel mit der Aufschrift Patientenverfügung
Was sollte man bei der Patientenverfügung beachten? Bildrechte: imago/blickwinkel

"Wie ist das im Fall einer schweren Covid-19-Erkrankung, wo man auch beatmet werden muss", fragt eine MDR AKTUELL Nutzerin, die lieber anonym bleiben möchte. "Meistens steht ja in den Patientenverfügungen, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen will, also dass man nicht beamtet werden möchte. Aber bei Corona ist das ja eine Folge der Erkrankung und oft übersteht man dann ja die Krankheit. Kann man dann eventuell als Angehöriger auch entscheiden?"

Sollte der Fall eintreten, dass man in einer Klinik behandelt werden muss, dann ist die Patientenverfügung eine Art Leitfaden für die Ärzte, wie man behandelt werden möchte. Die Verfügung drückt sozusagen den Willen des Patienten aus. Das ist auch in Corona-Zeiten so.

Tipps: Patientenverfügung mit dem Hausarzt besprechen

Dr. Uwe Stolz, Vorstands-Mitglied im Sächsischen Hausärzteverband rät, die Verfügung mit dem Hausarzt zu besprechen. "Für die Coronavirus-Erkrankungen Covid-19 sollte man bedenken, dass gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen notwendig sein können. Deshalb sollte die Patientenverfügung Angaben enthalten – zum Beispiel zur Sauerstoff-Therapie, zur künstlichen Beatmung, zur Dialyse und zur Wiederbelebung."

Der sächsische Hausärzte-Verband warnt davor, einfach nur vorgedruckte Formulare auszufüllen, sondern rät dazu, ganz konkret die gewünschten Behandlungsmethoden schriftlich festzuhalten. In der Regel sollte die Patientenverfügung einmal im Jahr überprüft werden.

Patientenverfügung allein reicht nicht

Kristjan Diehl von der Stiftung Patientenschutz weist darauf hin, dass eine Patientenverfügung möglicherweise allein nicht reiche. Neben einer Patientenverfügung seien Vollmachten und Betreuungsverfügungen unverzichtbar. "Hier gilt auch zu beachten, dass Familienangehörige, Partner oder Kinder nicht automatisch rechtliche Vertreter sind. Ohne entsprechende Vorsorgedokumente mit Schweigepflichtentbindung haben diese noch nicht einmal Anspruch auf Auskunft über den Gesundheitszustand eines Patienten. Über eine Behandlung entscheiden übrigens nicht Ärzte oder Angehörige. Ausschließlich der Patient kann dies tun und somit sein Selbstbestimmungsrecht ausüben."

Also: Auch in Corona-Zeiten darf bzw. sollte jeder in seiner individuellen  Patientenverfügung seine Behandlung im Voraus selbst festlegen. Die Stiftung Patientenschutz empfiehlt zudem, dass jede Person über 18 Jahre Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung haben sollte. Unabhängig davon, ob man kerngesund ist oder Vorerkrankungen hat. Die Corona-Krise sei ein Anlass, sich diesem Thema zu stellen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2021 | 06:24 Uhr

5 Kommentare

spade vor 7 Tagen

Wer sich infiziert, verliert nicht plötzlich die Kommunikationsfähigkeit. Es bleibt noch Zeit den aktuellen Willen zu kommunizieren. Dafür ist es hilfreich sich zuvor zu informieren, um z. B. zu erfahren, dass künstliche Beatmung mit Druckluft erfolgt, die die Lunge schädigen kann und dass ein Luftröhrenschnitt dafür notwendig sein kann. Sich davon wieder zu erholen kann lange dauern und ist oft nicht erfolgreich. Dagegen kann es hilfreich sein zu wissen, dass Palliativmedizin eine sehr qualifizierte Alternative mit höherer Erfolgsaussicht sein kann.
Grundsätzlich ist es wichtig eine Vertrauensperson mit einer Vollmacht ausgestattet zu haben und mit ihr über den eigenen Willen ausgiebig gesprochen zu haben. Diese braucht dann eine Patientenverfügung (PV), die klar und detailliert zum Ausdruck bringt, wann ich lieber an einer Erkrankung natürlich versterben möchte. Der Bevollmächtigte sollte sich ärztlich aufklären lassen und wenn die Situation aussichtslos erscheint, die PV vorlegen.

mattotaupa vor 1 Wochen

im regelfall hinterlegt man die verfügung bei vertrauenswürdigen menschen, denen man zutraut sich an den schriftlich fixierten willen zu halten. wenn ihrer meinung nach trotzdem willkür und ignoranz gegenüber diesem willen in ordnung sind, so ist es wahrscheinlich ratsam sich andere personen als vertrauensperson auszusuchen.

pepe79 vor 1 Wochen

In der Schweiz besteht seit 2013 fie gesetzliche Pflicht jeden Patienten bei Krankenhausaufnahme zu fragen ob er im Falle eines Notfalls lebensverlängernde Maßnahmen möchte. Viele waren erstmal etwas überrascht bei der Frage, haben es aber immer als sehr positiv empfunden danach gefragt zu werden.
Ich habe mir dies bewahrt und notiere bei Aufnahme on die Klinik diese Angaben. Dann hat man aktuelle Angaben unabhängig davon ob eine Verfügung vorliegt oder nicht. In deutschen Kliniken herscht die Meinung vor das immer alles an Maßnahmen unternommen werden müsse wenn keine Verfügung vor liegt. Dem ist nicht si! Der mutmaßliche Wille des Patienten zähltund um den zu bewerten darf man Angegörige ind engste Bekannte befragen. In dem Zusammenhang kann auch auch ein rechtfertigender Notstand geltend gemacht werden um über den Zustand des Patienten zu informieren um an diese Informationen zu gelangen. Das erfordert jedoch Zeit, Feingefühl und Ärzte die willig sind diesen Aufwand zu betreiben.

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