Ein Ventilator steht in einem Büro.
Ab 26 Grad im Büro sollte der Arbeitgeber aktiv werden. Bildrechte: dpa

Rechte und Pflichten Was der Arbeitgeber bei großer Hitze tun muss

Arbeit und Hitze – das passt nicht gut zusammen. Wir haben nachgefragt, was Arbeitgeber dazu beitragen müssen, um uns die Arbeit zu halbwegs erträglichen Temperaturen zu ermöglichen.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

Ein Ventilator steht in einem Büro.
Ab 26 Grad im Büro sollte der Arbeitgeber aktiv werden. Bildrechte: dpa

Natürlich gibt es in Deutschland Regeln zum Thema Hitze am Arbeitsplatz. Sie sind in der Arbeitsstättenverordnung festgeschrieben: Steigt die Raumtemperatur am Arbeitsplatz über 26 Grad, sollte der Arbeitgeber aktiv werden. Steigt sie über 30 Grad, ist er sogar dazu verpflichtet.

Zum Beispiel, indem er die Bekleidungsvorschriften lockert, so wie die Leipziger Verkehrsbetriebe. LVB-Sprecher Marc Backhaus sagt: "Wir haben für unsere Kollegen in Uniform ein neues Polohemd organisiert, das etwas luftiger als die bisherigen Hemden und Sakkos ist." Außerdem habe man in den Bussen und Bahnen Klimaanlagen installiert, "um auch während des Dienstes für kühle Luft zu sorgen."

Abkühlung durch Ventilatoren

Ähnlich geht man bei der Arbeitsagentur der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt und Thüringen vor. Sprecher Kristian Veil erklärt, sie hätten im vergangenen Hitzesommer, Ventilatoren für die Büros beschafft. "Die fahren die Temperaturen in den Büros etwas runter und machen das Arbeiten angenehmer."

Wasser an der Endhaltestelle

Laut Verordnung soll der Arbeitgeber auch für regelmäßige Lüftung - beispielsweise in den kühleren Morgenstunden - sorgen, daneben für Sonnenschutz und ausreichend Getränke. Sprecher Backhaus von den Leipziger Verkehrsbetrieben sagt, sie würden Wasser an den Endhaltestellen bereitstellen. So könnten sich Mitarbeiter während des Dienstes schnell Getränkenachschub besorgen.

Bei der Arbeitsagentur hat man sich etwas anderes überlegt. Kristian Veil sagt, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement Sonder-Newsletter zum gesunden Trinkverhalten versandt habe. Denn "manch einer vergisst das möglicherweise". Um das zu verhindern, gebe es außerdem am Computer eine Uhr, die regelmäßig ans Trinken erinnere.

Zu Hause bleiben nur mit Krankschreibung

Doch was passiert, wenn der Arbeitgeber sich gar nicht um Linderung der Hitze-Bedingungen für seine Arbeitnehmer kümmert? Könnte der oder die Angestellte dann theoretisch zu Hause bleiben?

Heike Böhm von der Gewerkschaft Verdi rät ab: "Das Problem ist, dass der Angestellte dann immer auch das Beweisrisiko trägt." Der Arbeitnehmer müsse in einem solchen Fall beweisen können, dass sein Arbeitgeber nichts gegen die hohen Temperaturen gemacht habe.

Arbeitszeit früher starten lassen

Wer allerdings die Hitze überhaupt nicht verträgt und seine Gesundheit am Arbeitsplatz ernsthaft gefährdet sieht, müsste sich krankschreiben lassen. Das ist wohl auch vielen Arbeitgebern klar, weswegen sie ihren Leuten bei den Arbeitszeiten entgegenkommen. Das gilt ganz besonders auf dem Bau, sagt Sprecherin Ilona Klein vom Zentralverband des Baugewerbes: "In dieser extremen Hitzeperiode wird dort in aller Regel sehr, sehr früh angefangen."

Eine Einschränkung dabei seien Lärmschutzverordnungen und die Nachbarn der Baustelle, so Klein weiter. "Grundsätzlich wird eine Stunde oder zwei früher angefangen, damit man auch entsprechend früher aufhören kann." Früher aufhören können, vielleicht sogar vor der Zeit. Womöglich drückt der eine oder andere Chef heute ja ein Auge zu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

28.06.2019 09:02 Hossa 8

Die Arbeit muss ja trotzdem erledigt werden.
Wenn ich in der Firma Chemie abtanke ,muss ich die Schutzkleidung anziehen auch bei 35 Grad im Schatten.
Da kann der Arbeitgeber nichts dafür.
Mit kurzen Hosen und Sandalen ist da nichts zu machen.
Krank werden meistens nur die Angestellten im Büro,wenn sie Klimaanlage zu kalt einstellen.

27.06.2019 16:28 Rentner H. 7

Außerdem Paketzustellern Flasche Mineralwasser aus Kühlschrank in die Hand drücken.....so macht dies meine Frau bei diesen Wetter.....

27.06.2019 14:38 Matthias Jahn 6

Also ein Betrieb fällt und steht durch seine Mitarbeiter. Ich denke es ist als selbstverständlich zu sehen das man sich bei solchen Temperaturen um seine Arbeitnehmer kümmert. Wohlfühlfaktor gleich Leistungsfaktor. Ein paar Eis und Getränke die fallen immer ab zumal man sie auch von der Steuer absetzen kann. Von Klimaanlagen halte ich überhaupt nichts die Dinger machen krank .Dann, wenn es machbar ist verlagerte Arbeitszeiten und Herz zeigen auch als böser Kapitalist

26.06.2019 14:16 Mediator an frank d(1) 5

Dass ist jetzt nicht ihr ernst, dass sie die Ansichten gegenüber Arbeitgebern in das politische rechts/links Schema pressen wollen und dann gleich noch ihren unqualifizierten Senf dazu abgeben wer wohl fleißig und wer nur ein schmarotzender Mitesser ist.

Näher an der Wahrheit ist man wohl, wenn man feststellt, dass es empathische Arbeitgeber gibt die ihren Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen und deshalb mehr um ihr Wohlergehen besorgt sind, wie Arbeitgeber die diese nur als Kostenfaktor sehen, der gedrückt werden muss. Gleiches gilt für die Arbeitnehmer. Die einen haben vernünftige Ansprüche an ihren Arbeitsplatz und anderen kann man es auch mit Klimaanlage, extra Pausen und einem Eis vom Chef nicht recht machen.

Also träumen sie ruhig weiter von ihren Rechten, die keinerlei stereotype pflegen. Wer gegen Ausländer aus prinzip mault, dem wird der Chef wohl auch nicht alles recht machen können.

26.06.2019 11:23 part 4

Die Arbeitsstättenverordnung, ein recht schwammiges Teil-Gesetz das mit dem ehemaligen Arbeitsgesetzbuch der DDR nicht viel gemein hat. Für manchen AG ist es demnach ausreichend auch bei Temperaturen von über
60 °C in bestimmten Arbeitsbereichen lediglich einen Lüfter aufzustellen und für Getränke zu sorgen. Gesenkt wird die Temperatur dadurch aber nicht, entsprechende Einsatzzahlen von medizinischen Notdiensten belegen dies. Er hat also seine Pflicht erfüllt und kann weiter ehemalige Bundeswehrangehörige als Führungskräfte anwerben.

26.06.2019 08:38 optinator 3

Jedes Jahr der selbe Schmarrn, den Arbeitgeber machen in der Zeit wo es möglich ist, wie im Winter, nichts.
Mal die Arbeitsräume mit Klimaanlagen oder anderen erfrischenden Dingen nachrüsten, Fehlanzeige.
An den Arbeitsplätzen stehen jetzt für die Mitarbeiter Ventilatoren.
Wenn die Maschinen wegen Fehlermeldung "Hydrauliktemperatur zu hoch" stehen bleiben, werden diese Ventilatoren eben an die Maschine gestellt.

26.06.2019 07:35 Frank 2

Arbeitgeber haben laut Bürgerlichem Gesetzbuch auch eine Führsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten, müssen also dafür Sorge tragen, dass diese nicht zu Schaden kommen. In den technischen Regeln für Arbeitsstätten sind sowohl Mindestwerte als auch Maximalwerte bezüglich der Raumtemperatur am Arbeitsplatz aufgeführt. Die technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5), z.B. Büroräume, sehen u.a. vor:

26 - 30 Grad - Arbeitgeber sollte Maßnahmen einleiten
30 - 35 Grad - Arbeitgeber muss Maßnahmen einleiten

Nachweislich gesundheitlich Angeschlagene und Schwangere genießen aus Sicht des Gesetzgebers einen besonderen Schutzstatus. Für sie gilt, dass sie gesundheitsgefährdende Temperaturen am Arbeitsplatz keinesfalls hinnehmen müssen. Bei Raumtemperaturen höher 26 Grad besteht für diese Mitarbeiter, bei vorliegendem ärztl. Attest, das Recht auf Freistellung, wenn der Arbeitgeber nicht dafür Sorge tragen kann, die Raumtemperaturen im Normalbereich (20 bis 26 Grad Celsius) zu halten.

26.06.2019 07:02 frank d 1

Meine Mitarbeiter haben Gestern alkoholfreien Mojito vom Chef gemixt bekommen. Als Anerkennung ihrer Leistung. Interessant die Tipps welche die Moralapostel hier so verbreiten. Das stereotyp von den bösen Arbeitgebern ist ganz offensichtlich ein Vorurteil welches die Linken hegen und pflegen obwohl Vorurteile Falsch sind und die Moralapostel ohne die fleißigen die erst jene Früchte durch Arbeit erschaffen welche die Moralisten dann für ihre eigenen "Guten" Taten brauchen denn selber schaffen sie außer vieler Worte nicht so sehr viel.