Verhütung Die Pille wird bei jungen Frauen immer unbeliebter

Stand die Pille in den 60er-Jahre für die sexuelle Befreiung der Frau, ist sie heute ein selbstverständliches Verhütungsmittel. Doch immer weniger junge Frauen nutzen die Pille. Zumindest werden weniger Rezepte dafür verschrieben, wie eine Analyse der AOK zeigt. Ein möglicher Grund sind die sozialen Medien.

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Anti-Baby-Pille 3 min
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Vorweg ist festzuhalten, dass die Pille immer noch das beliebteste Verhütungsmittel der Deutschen ist. Dicht gefolgt vom Kondom. Aber die Dominanz der Pille bröckelt. Skepsis hat sich breit gemacht. Besonders bei jungen Frauen.

Das zeigt sich auch bei einer kleinen Umfrage in Leipzig. Die Befragten geben an, die Pille aufgrund der Nebenwirkungen nicht mehr zu nehmen. Oder zu planen, sie zugunsten einer Spirale abzusetzen. Andere nehmen die Chemie in Kauf, weil die Pille an sich funktioniert, wie sie sagen.

Pille birgt gesundheitliche Risiken

Eike Eymers, Ärztin des AOK Bundesverbands, beobachtet seit Jahren, dass die Pille immer seltener verschrieben wird. Eine positive Entwicklung, wie sie findet. Weil die Pille eben auch gesundheitliche Gefahren berge, etwa das Thrombose-Risiko. Besonders hoch sei das Risiko, wenn die Pille das synthetisch hergestellte Schwangerschaftshormon Dienogest enthalte. Thrombosen sind Eymers zufolge absolut nicht zu unterschätzen. Eine Thrombose sei ein Blutgerinnsel, das in einem Gefäß entstehen könne und dort die Durchblutung verhindere. "Wenn so ein Gerinnsel in die Lunge, ins Herz oder Gehirn wandert, kann das lebensgefährlich sein", warnt Eymers.

Verhütung ist selbstverständlich 

Das ist für Anke Erath vom Institut für Sexualpädagogik aber nicht der einzige Grund dafür, dass die Pille unbeliebter geworden ist. Junge Frauen würden in Sachen Verhütung heute insgesamt sehr selbstbestimmte und informierte Entscheidungen treffen, sagt sie. Die Sexualpädagogin führt das auf die sozialen Medien zurück: "Es startete meines Erachtens damit, dass Influencerinnen geäußert haben, dass sie die Pille abgesetzt haben. Sich sehr kritisch dazu geäußert haben, was dazu führte, dass viele junge Menschen angefangen haben, darüber zu diskutieren."

Erfreulich ist, dass die Abkehr von der Pille nicht zu mehr ungewollten Schwangerschaften geführt hat. Teenagerschwangerschaften etwa sind seit Jahren rückläufig. "Was passiert ist, ist dass die Kondomnutzung zugenommen hat. Insbesondere bei den jungen Menschen", sagt Anke Erath dazu. Die Pille sei heute sicher kein Symbol mehr für sexuelle Selbstbestimmung. Für die Frauen heute sei es eine Selbstverständlichkeit, verhüten zu können.

Trotzdem habe die Pille immer noch einen hohen Stellenwert. Und sie werde auch geschätzt. Denn wenn sie richtig angewendet werde, sei sie ein sehr sicheres Verhütungsmittel, betont die Sexualpädagogin Erath.

Auch Ärztin Eike Eymers rät nicht grundsätzlich von der Pille ab. Frauen, die sich dafür entschieden, empfehle sie aber eine Pille der ersten und zweiten Generation. Die hätten ein geringeres Thrombose-Risiko.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2020 | 05:00 Uhr