Kohleausstieg Gerettetes Dorf Pödelwitz sucht eine Zukunft

Pödelwitz, direkt neben dem Tagebau Schleenhain im Süden Leipzigs, sollte für den Kohleabbau abgerissen werden. Durch den Kohleausstieg scheint das Dorf gerettet. Nun planen Anwohner und Anwohnerinnen, wie es mit dem Dorf weitergeht.

Das sächsische Dorf Pödelwitz
Das Dorf Pödelwitz sollte einem Tagebau weichen. Nun scheint es durch den Kohleausstieg gerettet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Tagebau Schleenhain endet direkt an der Dorfgrenze von Pödelwitz. An dem riesigen Krater muss jeder vorbei, der über die Bundesstraße ins Dorf fährt. "Mein Haus ist das mit dem großen Transparent. Können sie nicht verfehlen", sagt Jens Hausner am Telefon. Und wirklich: "Zukunft statt Braunkohle" prangt an der Hauswand. In dem 40-Häuser-Ort nicht zu übersehen.

Jens Hausner ist 54 Jahre alt, Landwirt und wohnt seit Jahrzehnten in dem kleinen sächsischen Dorf. Hier wollte er auch nicht weg. Als die mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft MIBRAG plante, das Dorf abzubaggern, entschieden sich 80 Prozent des Dorfes, freiwillig umzusiedeln. Dafür bekamen sie Entschädigungen von der MIBRAG.

Jens Hausner blieb und gründete die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz", um sich gegen die drohende Abbaggerung zu wehren. Jetzt, durch den vorzeitigen Kohleausstieg, scheint das Dorf plötzlich gerettet. Und auch die schwarz-grün-rote Landesregierung hat sich inzwischen zu Pödelwitz bekannt.

Leerstehende Häuser gehören MIBRAG

Doch für Pödelwitz stellen sich damit neue Fragen: Wie kann das Dorf nach dem langen Kampf eine Zukunft haben? Die MIBRAG besitzt den Großteil der Häuser im Ort. Sie stehen leer, drohen zu verfallen. Bei einem Rundgang durch das Dorf fallen überall die Schilder ins Auge mit der Aufschrift: "Privatgelände. Unbefugten ist das Betreten und Befahren verboten." Dazu das Logo der MIBRAG.

Bislang gibt es kein Zeichen, was mit den Häusern passieren soll. Auch auf Nachfrage will sich das Unternehmen nicht äußern. Jens Hausner wünscht sich, dass die Landesregierung die Häuser kaufe, zum Beispiel über eine Stiftung, und dann an Menschen verkaufe, die den Ort mit Leben füllen: "Wir sind hier 20 Kilometer südlich von Leipzig. Wir wissen, dass in Leipzig Wohnraum dringend benötigt wird. Und hier stehen Grundstücke leer. Und das darf politisch nicht gewollt sein."

Auch seine Stieftochter Franzi würde gerne nach Pödelwitz zurückkehren. Vor sechs Jahren ist sie nach Leipzig gezogen, arbeitet dort. Doch so langsam sehnt sich die 27-Jährige nach dem Dorfleben. Hier kenne jeder jeden, sagt sie: "In der Stadt ist es total anonym." Sie würde sich gerne im Elternhaus eine alte Scheune ausbauen. Noch aber fehle ihr die klare Perspektive für Pödelwitz.

Klimaaktivisten wollen Dorf aufbauen

Helfen wollen beim Dorfaufbau die einzigen neuen Bewohner, die neu nach Pödelwitz gezogen sind. Die Gruppe "AAA – Aufstand am Abgrund" hat von der Kirchgemeinde ein kleines Grundstück gepachtet. Dort leben etwa 10 Aktivistinnen und Aktivisten aus der Klima-Bewegung in Bauwagen und Zelten. Sie bewirtschaften einen Garten, haben sich eine kleine Infrastruktur aufgebaut. "Der Router hängt im Walnussbaum", sagt eine Aktivistin.

Ein Banner mit der Aufschrift "Bewahren statt Zerstören" im sächsischen Dorf Pödelwitz
Etwa 10 Aktivisten und Aktivistinnen der Gruppe "Aufstand am Abgrund" leben in Pödelwitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ursprünglich war die Gruppe hierhergezogen, um Pödelwitz zu unterstützen und zu retten. Nun würden sie gerne bleiben und helfen, das Dorf neu aufzubauen. Zu ihnen gehört ein junger Mann mit rotem Vollbart, der sich Mambo nennt. Er ist vor eineinhalb Jahren aus Trier hierher gezogen: "Wir haben viele Ideen. Hier könnte ein Bildungsort entstehen, Werkstätten, ein Dorfladen."

Doch auch die Gruppe will eine Perspektive. Es wäre einfacher, Energie in den Ort zu stecken, wenn man wüsste, dass man in zehn Jahren noch da sein kann, meint Mambo.

Maßnahmen für klimafreundlichere Zukunft

Die Aktivisten und die Ur-Pödelwitzer wollen nun gemeinsam versuchen, das Dorf wiederzubeleben. Dafür haben sie ein Maßnahmenpapier geschrieben. Klimafreundlich soll die Zukunft sein, die Verkehrsanbindung sollen sich verbessern und neue Gemeinschaftsangebote entstehen. Und sie wollen keine Großinvestoren im Ort. Jens Hausner sagt dazu: "Wenn wir das schaffen, dann können wir ein Musterdorf für den Strukturwandel werden."

Ohne die Hilfe der Politik und einem Einlenken der MIBRAG wird es allerdings schwierig für Pödelwitz. Doch die Menschen bringen etwas ein, das überall im Ort zu sehen ist. An vielen Häusern sind rote Herzen an die Wände gesprüht. Herzblut haben die Pödelwitzer. Das Dorf will nicht einfach nur bleiben, es will sich neu erfinden.

MDR AKTUELL RADIO

1 Kommentar

vollklar vor 5 Wochen

hallo ,zufall oder schicksal ,egal ,zukunft braucht perspektive ,mut ,kraft,idee , ausdauer und zuversicht & den richtigen ort zu starten . with a little help of my friends . es sieht doch vielversprechend aus und bietet viele möglichkeiten in plödelwitz ,auch wenn der name schon fast etwas zum schmunzeln ist ,die geschichte wird umso besser , je plöder es angefangen hat . also mit etwas mehr hilfe der landesregierung ,etwas inovations geist und ohne angst vor unkonventionellen lösungen wird das eine keimzelle für nachhaltig schlaue und zukunftsträchtige entwicklung .renaturierung und wirtschaftliche unabhängikeit inclusive .
ich mach mit ,sag ich jetzt mal einfach so . es macht doch auch spass und sinn ,den ewig gestrigen ,jammerlappen die sich über das sterben des braunkohle bergbaus aufgregen ,mal zu zeigen wie es besser geht und die heiße stinkende schwefel russ luft aus dem blablaballon zu lassen . gruss v