Der Umschau-Test Kommt die Post durch den Schnee?

Briefe kämen nicht an oder nur stark verspätet - in den letzten Jahren haben die Beschwerden über die Post zugenommen. Aber wie zuverlässig ist sie wirklich, gerade im Wintereinbruch? Die Umschau wagt den Test.

Ein Postbote der Deutschen Post fährt bei Schnee mit dem Fahrrad über die Bölschestraße Friedrichshagen.
Kommt die Post durch Schnee und Eis? Bildrechte: dpa

100 Briefe gehen aus Leipzig an zehn Adressen in ganz Deutschland. 50 davon einen Tag vor dem Wintereinbruch, 50 mittendrin. Wie schnell werden sie ihre Ziele erreichen?

Testphase 1: Vor dem Wintereinbruch

DHL Zentrum Leipzig Radefeld bei Nacht
Im DHL Zentrum Leipzig Radefeld werden unsere Briefe nach Zielpostleitzahl sortiert. Bildrechte: MDR

Es ist der 05. Februar 2021, ein Freitag. Noch ist nichts vom Wintereinbruch zu sehen. Wir werfen unsere ersten 50 Briefe ein. Noch am späten Nachmittag werden sie nach Leipzig Radefeld gebracht. Dort steht eines von 82 Briefzentren in Deutschland. Durch diese laufen täglich 55 Millionen Postsendungen. Hier werden unsere Briefe nach Zielpostleitzahl sortiert und in Lkw weggebracht. Werden sie es schon am nächsten Tag im Ziel-Briefkasten liegen? Vorgesehen ist das zumindest so.

Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) Die aktuelle Post-Universaldienstleistungsverordnung besagt, mindestens 80 Prozent des täglichen Postaufkommens müssen am nächsten Werktag und mindesten 95 Prozent am zweiten Werktag nach Zustellung ankommen.

2020 hat die Post diese Quote laut Bundesnetzagentur zum Beispiel eingehalten. Und unser erster Testlauf läuft sogar besser als vorgegeben: 43 der 50 Briefe erreichen ihre Empfänger pünktlich am Samstag, dem Tag nach dem Einwurf. Das entspricht einer Quote von 86 Prozent. Also 6 Prozent über dem Soll. Allerdings ist bisher auch erst vereinzelt Schnee gefallen.

Briefe werden in einen Breifkasten geworfen 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn die Post zu spät kommt

Trotz unseres Ergebnnisses: In den vergangenen Jahren haben die Beschwerden über die Post zugenommen. Hauptgrund: Verspätete oder verschollene Briefe.

Klaus Gettwart vom Deutscher Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) im Interview
Klaus Gettwart vom Deutscher Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) Bildrechte: MDR

"Das Hauptproblem ist immer die letzte Meile", erklärt Klaus Gettwart vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation e. V. (DVPT). "Es geht hier um die letzte Zustellung auf den letzten Metern. Die sonstigen Prozesse sind sehr optimal und auch automatisiert. Und auf der letzten Meile passieren unserer Erfahrung nach eben die größten Fehler und Probleme."

Mehr Sendungen, mehr Haushalte

Und auf dieser sind vor allem die rund 114.000 Zusteller der Deutschen Post unterwegs. Deren Arbeitsbelastung hat sich in den vergangenen Jahren erhöht, so Christina Dahlhaus von der Postgewerkschaft.

Christina Dahlhaus von der Postgewerkschaft DPVKOM im Interview
Christina Dahlhaus von der Postgewerkschaft DPVKOM Bildrechte: MDR

"Wir haben mittlerweile mehr Warensendungen in der Zustellung, wir haben kleinformatige Pakete in der Zustellung. Die Arbeitsmengen haben zugenommen. Es müssen mehr Haushalte zugestellt werden". Vor allem die körperliche Belastung sei so gestiegen, erklärt die Gewerkschafterin. Der Wintereinbruch dürfte es mit vereisten und zugeschneiten Straßen den Zustellern noch weiter erschweren.

Testphase 2: Im Schneetreiben

Briefkasten im Schnee
Bildrechte: MDR

Wir wollen wissen, wie groß der EInfluss des Schneetreibens ist. Am 06. Februar werfen wir deshalb noch einmal 50 Briefe ein, in dem Wissen, dass es bis zum darauffolgenden Morgen zum Teil 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee geben wird. Vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands geht bald nichts mehr. Autos bleiben liegen und kilometerlange Staus bilden sich. Und die Deutsche Post?

Von 86 auf 20 Prozent

Tatsächlich erreichen nur 10 von 50 Briefen ihre Empfänger am ersten Werktag nach dem Einwurf. Das ergibt eine Zustellquote von gerade einmal 20 Prozent statt der verlangten 80 Prozent.   

Einen Tag darauf kommen immerhin noch einige Briefe an. Insgesamt sind es dann 30. Das entspricht einer Quote von 60 Prozent. Das liegt weit unter den geforderten 95 Prozent.

Wir wollen noch einen Vergleich ziehen und schicken ein drittes Mal Briefe los, gut eine Woche nach Beginn des Wintereinbruchs. Am 13. Februar ist die Wetterlage ruhiger, der Schnee fällt längst nicht mehr durchgängig, viele Straßen bleiben dank Winterdienst befahrbar. DHL schreibt uns, durch die entspanntere Situation auf den Straßen sei auch die Arbeit der Postboten wieder einfacher geworden und "die Zustellung funktioniert weitestgehend normal". Und tatsächlich sind von unserem dritten Versuch zwei Werktage später alle Briefe angekommen. Die Zustellquote ist nach dem Wintereinbruch also wieder mehr als erfüllt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UMSCHAU | 16. Februar 2021 | 20:15 Uhr