Private Samenspende Warum eine Mutter keinen Vater für ihr Kind will

"Gründe die Familie, die zu dir passt." Das ist der Werbespruch eines von vielen Internetportalen, die sich mit dem Thema Kinderwunsch beschäftigen. Auf diesen sogenannten "Co-Parenting-Portalen" können lesbische oder schwule Paare ihren Traum vom Kind verwirklichen und Co-Eltern finden. Aber auch immer mehr Single-Frauen nutzen diese Portale, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Nicht ganz ohne Risiko.

Mutter und Tochter mit ausgestreckten Armen gehen auf einer Brücke. Im Hintergrund Bäume im Wald.
Private Samenspenden sind eine Möglichkeit, bringen jedoch rechtliche Unsicherheiten mit sich (Symbolbild). Bildrechte: imago images / Westend61

Sie heißen "Familyship.de", "co-eltern.de" oder "modamily.com" – Portale, die potentielle Väter und Mütter zusammenbringen. Dabei verbindet die Eltern keine Liebesbeziehung, sondern im besten Fall eine Freundschaft. Immer häufiger nutzen Single-Mütter diese Möglichkeit, einen privaten Samenspender zu suchen um ein Kind zu bekommen ohne Beziehung und Verpflichtungen.  

Eine von ihnen ist Luisa aus Berlin. Sie habe sich nie vorstellen können, "so fest gebunden zu sein" und "das Leben so komplett gemeinsam" zu bestreiten, sagt die 36-Jährige. Eine Samenbank kam für sie nicht infrage, sie wollte den Vater ihres Kindes von Anfang an einbeziehen. Und so fand sie im Netz nach einigen Treffen ihren privaten Samenspender. Schwanger wurde sie dann durch die sogenannte Bechermethode:

Er ist gekommen, im Bad mit einem Becher verschwunden, und ich hab mit der Spritze den anderen Teil übernommen. Da war er aber nicht dabei.

Luisa aus Berlin

Luisas Tochter ist jetzt drei Jahre alt, der gewünschte Kontakt zum Vater besteht, allerdings durch einen Umzug nur sehr sporadisch. Vor der Spende hat sich der Vater von Luisas Tochter auf Infektionskrankheiten untersuchen lassen – freiwillig. Bei Co-Parenting-Portalen ist das kein Muss, wie Christine Wagner, Gründerin von Familyship.de erklärt: "Wenn man sich vertraut und sich kennengelernt hat, ist das etwas, das man zusammen entscheiden kann."

Die Unterschiede zu einer Samenbank

Eine Samenbank dagegen unterliegt dem Arzneimittelgesetz, deshalb ist ein medizinischer Check für den Spender Grundvoraussetzung, sagt Ann-Kathrin Klym, Laborleiterin der Samenbank Berlin. Anwärter müssten einen Fragebogen ausfüllen und sich untersuchen lassen. "Vor allem muss die Ejakulat-Qualität geeignet sein", so Klym. Nur etwa vier Prozent kommen nach diesem Auswahlverfahren überhaupt als Spender infrage.

Vertrauen ist bei einer privaten Samenspende auch die Grundlage für gegenseitige rechtliche Ansprüche. Während bei einer medizinischen Samenspende über eine Kinderwunschklinik diese Ansprüche ausgeschlossen sind, bleiben sie bei einer privaten Samenspende bestehen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um das Sorgerecht, das der Vater einfordern kann oder das Recht auf Unterhaltszahlungen.

Das heißt, wir können vertraglich oder notariell vereinbaren, was wir wollen, letztendlich hat es keinen Bestand.

Single-Mama Luisa aus Berlin

Union: Auch private Spender registrieren

Seit zwei Jahren haben Spender-Kinder durch das Samenspenderregistergesetz einen Anspruch darauf, zu erfahren, wer ihr Vater ist. Dies gilt aber nicht für Kinder, die durch eine private Samenspende gezeugt wurden.

Nach Ansicht des familienpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, ist das eine rechtliche Lücke. Aufgrund der steigenden Anzahl privater Samenspenden sieht er Handlungsbedarf, dafür einen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Ein guter Anfang wäre, den aktiven und ehemaligen privaten Samenspendern zu ermöglichen, in das bestehende Samenspenderregister aufgenommen zu werden.

Trotz vieler offener rechtlicher Fragen bereut Single-Mama Luisa den Schritt, über ein Co-Parenting-Portal einen privaten Samenspender gefunden zu haben, keine Sekunde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2020 | 06:25 Uhr