Unfallforschung Zahl der Fahrradunfälle steigt

Für Radfahrer wird es im Straßenverkehr immer gefährlicher: Von Januar bis August dieses Jahr sind 326 Radfahrer ums Leben gekommen. Im selben Zeitraum ein Jahr vorher waren es noch 309. Die Unfallforschung der Allianz hat sich mit dem Thema genauer beschäftigt und die Zahlen ausgewertet.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

 Eine Fahrradfahrerin fährt auf einem Radweg neben wartenden Autos entlang.
Die Zahl der Fahrradunfälle steigt. Die Statistiken zeigen aber auch, dass immer öfter die Radfahrer die Unfälle verursachen. Bildrechte: dpa

Es ist voll, hektisch und laut auf den Straßen in Deutschlands Städten. Es fahren nicht nur Autos, Lieferwagen und Straßenbahnen, sondern auch Radfahrer. Und die nehmen es mit den Regeln im Straßenverkehr nicht immer ganz genau.

Wenn es mal schnell gehen müsse, werde nicht ganz so auf die Regeln geachtet, gibt ein Radfahrer bei einer Straßenumfrage freimütig zu. Oder es werde mal auf dem Fußweg gefahren beziehungsweise auf der falschen Straßenseite.

Radfahrer verursachen mehr Unfälle

Was die Befragten hier etwas kleinlaut zugeben, lässt sich zum Teil durch Zahlen belegen. Unfallforscher der Allianz haben Unfalldaten des Statistischen Bundesamts von 2001 bis 2018 ausgewertet.

Ein Ergebnis: Die Zahl der von Radfahrern verursachten Unfälle ist in diesem Zeitraum um zehn Prozent gestiegen, von gut 19.100 auf 21.100 Unfälle. Gleichzeitig sei aber die Zahl der Unfälle, die insgesamt verursacht wurden, um 13 Prozent gesunken, sagt Allianz-Unfallforscher Jörg Kubitzki. Radfahrer würden eher mal eine Regel brechen, um rascher vorwärtszukommen.

Zu wenig Platz auf deutschen Straßen

Man könne die Schuld für Unfälle aber nicht allein bei den Radfahrern suchen, sagt Kubitzki. Ein großes Problem bestehe darin, dass Radfahrer zu wenig Platz hätten. Radwege seien zu schmal, die Fahrspur für Autos deutlich breiter.

Es wäre wünschenswert, dass ein Radfahrer sicher auf der Fahrbahn fahren kann, betont Kubitzki. "Das ist nur eingeschränkt möglich und dieser Raum wird auch dichter." Es steige nicht nur der Fahrradverkehr, sondern der Verkehr insgesamt an.

Der Platz auf Straße und Radweg wird also immer enger: Rafahrer kollidieren einerseits mit Fußgängern auf dem Bürgersteig und andererseits auch mit Autos. Und weniger Platz könnte auch ein Grund dafür sein, warum auch die Unfälle mit Radfahrern untereinander deutlich gestiegen sind – nämlich um fast 50 Prozent auf 5.648 Unfälle im Jahr 2018.

Eigener Bordstein für Fahrradfahrer

Zu wenig Platz bemängelt auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Deren Pressesprecher in Thüringen, André Beyer, schlägt zur Verbesserung eine Art Bordstein für Radfahrer vor: "Vielleicht nicht in Form eines zweiten Bordsteins, aber mit nicht nur einer optischen, sondern auch einer klar abgegrenzten physischen kleinen Schwelle zum Beispiel."

Beyer sieht allerdings auch ein, dass es unter den Radfahrern schwarze Schafe gebe und macht noch einmal deutlich, dass der ADFC ausdrücklich das Fahren nach Straßenverkehrsordnung empfehle und befürworte. Denn wenn es Unfälle mit Radfahrern gibt, dokumentiert die Polizei auch bei Radfahrern Fehlverhalten.

Mehr Rücksicht im Straßenverkehr

2018 gab es mehr als 96.000 Radfahrer, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren. In knapp 60.000 Fällen registrierte die Polizei Fehler bei Radfahrern. Aber, sagt Jörg Kubitzki von der Allianz Unfallforschung, ein polizeilich registrierter Fehler heiße nicht, dass der Betreffende auch der Hauptverursacher des Unfalls sei.

Häufigster Fehler von Radfahrern sei es, die Straße falsch nutzen: Sie fahren auf dem Fußweg, auf der falschen Straßenseite oder von der falschen Seite in die Einbahnstraße.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2019, 05:00 Uhr

3 Kommentare

Kurzkommentator vor 9 Wochen

Jeder darf mit dem Fahrrad fahren, jeder.
Ohne nachweisen zu müssen, dazu physisch und psychisch in der Lage zu sein,
ohne Regelkenntnisse der Straßenverkehrsordnung, einfach so.
Dazu kommt dann vielfach die gutmenschlich-ideologische Selbstüberhöhung, auf der "richtigen" Seite der Verkehrsteilnehmer zu stehen.
Schließlich fährt man ja ökologisch, emissionsfrei etc ...
Da darf mann dann alles und der böse Autofahrer hat sowieso immer Schuld, man selbst immer Vorfahrt und alle anderen müssen eben warten.
Aber viele Radfahrer sind die reinsten Verkehrsanarchisten und so mancher Unfall einfach nur die logische Konsequenz.
Wenn ich allein daran denke, wie viele Fahrradfahrer meinen am Fußgängerüberweg nicht anhalten und absteigen zu müssen ...

Maschinist vor 9 Wochen

Fahradfahrer müssen ordentlich diszipliniert werden, dann halten sie sich auch an die Regeln.
Solange man aber noch im Dunkeln ohne Licht herumeiern kann, ohne Strafe zu fürchten wird das nichts.

ElBuffo vor 9 Wochen

Der häufigste Fehler von Radfahrern ist zweifellos, dass sie nicht selber auch mit dem Auto fahren, so die Straßen zusätzlich verstopfen und den Verkehr zum Erliegen bringen. Denn von stehenden Kraftfahrzeugen können sie dann kaum noch überfahren werden. Ganz egal, ob sie sich dabei an die Regeln halten oder nicht.