Illegale Arbeitsmigration Elf Festnahmen bei Großrazzia

Gefälschte Identitätskarten, illegale Beschäftigung und nicht gezahlte Löhne – mit einem Großeinsatz ging die Bundespolizei am Morgen in Leipzig und Bad Dürrenberg gegen Schleuser vor. Elf Menschen wurden vorläufig festgenommen.

Einsatzkräfte von Polizei und Zoll gehen mit einem Großeinsatz auf einer Baustelle gegen Schleuser vor.
Polizisten bei der Razzia in Leipzig. Bildrechte: dpa

In Leipzig und Bad Dürrenberg ist die Bundespolizei am Morgen gegen Schleuser vorgegangen. Nach Angaben der Bundespolizeiinspektion Halle hat es dabei elf vorläufige Festnahmen gegeben. Bei allen soll es sich um zuvor illegal eingereiste Menschen gehandelt haben. Sie sollen morgen einem Amtsrichter vorgeführt werden. Insgesamt seien mehr als 300 Beamte der Bundespolizei, des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt und des Zolls im Einsatz gewesen. Schwerpunkt der Durchsuchungen waren laut Bundespolizei eine Baustelle im Leipziger Norden und eine Arbeiter-Unterkunft in Bad Dürrenberg. Die Maßnahmen seien von der Staatsanwaltschaft Halle veranlasst worden.

Die Beamten fanden bei den Durchsuchungen nach eigenen Angaben Smartphones, Speichermedien, Geschäftsunterlagen, etwa 20.000 Euro Bargeld und gefälschte Dokumente. Bei den Hauptbeschuldigten soll es sich um zwei serbische Staatsbürger handeln. Sie sollen vor allem Osteuropäer nach Deutschland eingeschleust und hier als Arbeitskräfte eingesetzt haben. Zudem sollen Löhne von den beiden nicht an die Arbeiter ausgezahlt worden sein.

Haus in Bad Dürrenberg im Zentrum der Ermittlungen

Nach MDR-Informationen sollen die Hauptverdächtigen von einem Haus in Bad Dürrenberg aus operiert haben, das als Anlaufpunkt für osteuropäische Arbeiter bekannt ist.

Im gleichen Haus hatte der mutmaßliche Waffenhändler Adis A. verkehrt. A. wird zur Last gelegt, Waffen für das Bataclan-Attentat in Paris beschafft und verkauft zu haben. A. war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden und im Sommer vergangenen Jahres in der Wohnung seiner Lebensgefährtin festgenommen worden. Anschließend war er nach Belgien ausgeliefert worden. Im Zuge der Recherchen rund um die Festnahme von A. hatten MDR-Reporter auch mit mehreren Menschen in dem heute von Bundespolizisten durchsuchten Haus sprechen können. Sie hatten die Unterkunft als Anlaufpunkt für Osteuropäer beschrieben. Von der Straße aus ließen sich die Unterkünfte mit Doppelstockbetten für die Arbeiter erkennen. Ein Polizeisprecher bestätigte auf Anfrage, dass dieses Haus ein Schwerpunkt der Ermittlungen gewesen sei.

Die Polizei bestätigte außerdem, dass es bei den elf Festnahmen einen kleineren Zwischenfall in Leipzig gegeben habe. So habe einer der Verdächtigen versucht zu fliehen. Da aber ein Polizei-Hubschrauber im Einsatz gewesen sei, habe man den Flüchtigen lokalisieren und festnehmen können.

Erste Hinweise im Mai 2019

Die Beamten waren den Beschuldigten nach eigenen Angaben auf die Fährte gekommen, als sie im Mai 2019 einen Bus stoppten. Polizisten fanden im Gepäck eines Reisenden mehrere gefälschte kroatische Identitätskarten. Diese sollten demnach zu einer Baufirma nach Bad Dürrenberg transportiert werden. "Es ergab sich der Verdacht, dass Personen mittels gefälschter Dokumente zur Ausübung einer illegalen Erwerbstätigkeit nach Deutschland eingeschleust werden", so ein Sprecher der Bundespolizei.

Die Bundespolizei stellte in den vergangenen Jahren vermehrt illegale Arbeitsmigration aus Osteuropa fest. Im vergangenen Jahr hatte ein Beamter dem MDR gesagt, Durchsuchungsmaßnahmen seien "häufig nur die Spitze des Eisbergs". Der leergefegte Arbeitsmarkt in den Bereichen schwerer körperlicher Arbeit führe zu einem erhöhten Bedarf an Arbeitskräften in diesem Bereich.

Durchsuchungen auch in Thüringen

Auch in anderen Bundesländern ist die Bundespolizei mit einem Großeinsatz gegen mutmaßliche Schleuser und Urkundenfälscher vorgegangen. Die Behörde erklärte, es habe Durchsuchungen in mehreren Bundesländern, darunter in Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegeben. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juli 2020 | 11:00 Uhr