Vorbei an einem Wolkenfeld landet eine Passagiermaschine auf dem Flughafen.
Bei Buchungen von Flügen wird angeboten, dass man einen Aufpreis zahlen kann, um den CO2-Ausstoß auszugleichen. Bildrechte: dpa

"Klimakompensation" Wohin der CO2-Aufpreis bei Fernreisen geht

Viele Anbieter von Flügen oder Busfahrten stellen gleich bei der Buchung die Frage nach einer freiwilligen Klimaspende. Es wird damit geworben, dass so die Klimafolgen der Reise ausgeglichen werden können. Aber wie funktioniert das?

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Vorbei an einem Wolkenfeld landet eine Passagiermaschine auf dem Flughafen.
Bei Buchungen von Flügen wird angeboten, dass man einen Aufpreis zahlen kann, um den CO2-Ausstoß auszugleichen. Bildrechte: dpa

Bei einem Flug oder auch einer Busreise entsteht klimaschädliches CO2. Das kann ausgeglichen werden, indem man dafür bezahlt. Beim Bus reichen da schon ein paar Cent – bei einem Flug nach Australien können das auch rund 250 Euro sein.

Geld geht an Organisationen

Das Geld bekommt nicht der Reiseveranstalter, sondern die Beträge gehen an Organisationen wie Atmosfair oder Primaklima. Dahinter stecken zum Teil Kirchen oder andere Umweltorganisationen. Es gibt aber auch gewinnorientierte Unternehmen. Aber was machen die, um den CO2-Ausstoß zu kompensieren?

Stefan Fischer hat sich für die Zeitschrift Finanztest mit dem Thema befasst. Und er erklärt, dass das Geld für Projekte verwendet werden würde, die in Entwicklungsländern Energie einsparen sollen. "Es werden zum Beispiel Kerosinlampen durch Solarlampen ausgetauscht oder kleine Biogasanlagen finanziert."

Investition in klimafreundliche Projekte

Und weil durch Solarlampen oder Biogasanlagen CO2 eingespart wird, ist das ein Ausgleich für klimaschädliche Flüge. Anstatt Solarlampen zu verteilen, pflanzen manche Anbieter auch Bäume, die CO2 binden. Aber das ist umstritten, weil das Holz irgendwann eben wieder verrottet oder verbrannt wird.

Stefan Fischer sieht das allerdings nicht so kritisch, denn der Wald habe auch andere Effekte. "Er schützt vor Erosion, er gibt vielen Lebewesen Lebensraum und er hat doch auch einen Einfluss auf das Klima – auch wenn die Bäume irgendwann wieder absterben."

Aufpreis abhängig vom Anbieter

Der Preis für den Klimaausgleich ist unterschiedlich. Bei der gleichen Flugstrecke kann er um das Fünffache variieren, je nach Anbieter. Ein wichtiger Punkt dabei ist, wie die Klimafolgen ermittelt werden. Flugreisen sind besonders kritisch, weil die Treibhausgase in der Höhe stärker wirken.

Klimaausgleich nicht immer gleich gut

Dafür gibt es keine amtlich festgelegte Formel und deshalb wird der Aufpreis unterschiedlich berechnet. Das bedeutet wiederum auch, dass der Klimaausgleich auch nicht immer gleich gut ist.

Finanztest hat vor gut einem Jahr verschiedene Anbieter verglichen: "Testsieger und gleichzeitig der größte Anbieter in Deutschland ist Atmosfair. Aber auch Myclimate oder Primaklima oder auch den kirchlichen Anbieter Klima-Kollekte können wir empfehlen."

Betrag selbst errechnen

Oft wird man allerdings kaum darauf achten, wer denn nun den CO2-Ausgleich besorgt. Bei vielen Reiseveranstaltern muss man ja nur ein Häkchen setzen und dann wird der Betrag mit den Reisekosten eingezogen und weitergeleitet.

Aber man kann das auch selbst in die Hand nehmen, denn die Anbieter würden auch immer einen Rechner anbieten, der den Ausgleichsbetrag errechne, erklärt Stefan Fischer. Anhand von Daten über Strecke und Verkehrsmittel werde die Menge an CO2 ausgerechnet, die man kompensieren könne.

Nur Kompensation keine Verminderung

Bleibt noch die Frage: Bringt dieser CO2-Ausgleich wirklich was? Kritiker sagen immer wieder: es sei nur eine Art Ablasshandel. Heißt: Man zahlt nur, um sein Gewissen zu beruhigen.

Stefan Fischer von Finanztest würde es nicht als Ablasshandel bezeichnen. "Aber es ist natürlich immer besser, gar nicht zu fliegen. Es ist eben nur eine Kompensation und kein Verzicht oder Verminderung des Ausstoßes." Und er sieht auch, dass man mit Projekten in Entwicklungsländern bei Weitem nicht alles ausgleichen kann, was die Industrieländer an CO2 produzieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

10.08.2019 07:54 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 10

@ Eulenspiegel 8
Sehr schön erklärt.
Also ich sage dazu Steuern heißen Steuern weil man damit steuern kann wenn man will.
##
Bis vor die nächste Wand wie uns die Geschichte
der letzten Jahr eindrucksvoll zeige.
Der deutsche Staat völlig pleite da
die Steurung nicht funktioniert hat.

09.08.2019 20:10 Eulenspiegel 9

Hallo Dorfmensch
Da haben sie sicher nicht ganz unrecht. Freikauf bringt gar nichts. Wir brauchen einen Strukturwandel auf vielen Ebenen.

09.08.2019 20:05 Eulenspiegel 8

Hallo Ekkehard Kohfeld
Sehr schön erklärt.
Also ich sage dazu Steuern heißen Steuern weil man damit steuern kann wenn man will. Und zwar kann man damit steuern das klimaschädliche Aktivitäten teurer werde und im Gegenzug klimafreundliche Aktivitäten billiger. So das die klimaschädliche Aktivitäten weniger werden und die klimafreundliche Aktivitäten dafür mehr werden. Oder an ein Beispiel Inlandsflüge müssen teurer werden damit Inlandsbahnreisen billiger werden können.

09.08.2019 19:27 Dorfmensch 7

Klimaspende für das Fliegen ohne Besteuerung von Kerosin (Mineralölsteuer, Öko-Steuer, Mehrwertsteuer,...) hört sich an wie .., wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Historisch Interessierte wissen, wie Ablasshändler Tetzel sein Leben beenden musste und zu welchen Auseinandersetzung es in Deutschland kam.
Freikaufen können sich heute nur wohlhabende Teile der Spassgesellschaft. Ein Beitrag zum Klimaschutz ist das aber nicht!!! Deutschland ist auch ein schönes Urlaubsland!

09.08.2019 16:58 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 6

@ Eulenspiegel 5
Also ich sage dazu Steuern heißen Steuern weil man damit steuern kann wenn man will.
##

Steuer (Begriffsklärung) wikipedia.org

Steuer, eine Geldleistung an den Staat ohne Anspruch auf individuelle Gegenleistung

08.08.2019 19:33 Eulenspiegel 5

Ich denke die Frage ist doch muss das Fliegen so zellzerstörend sein oder liegt das nur daran das der verwendete Treibstoff einfach so billig ist. Das somit durch eine deutlich Besteuerung speziell dieses Treibstoffes plötzlich ganz andere, wesentlich Umweltfreundlicher, Treibstoffe interessant werden. Also ich sage dazu Steuern heißen Steuern weil man damit steuern kann wenn man will.

08.08.2019 11:10 optinator 4

Das Geld bekommt nicht der Reiseveranstalter, sondern die Beträge gehen an Organisationen wie Atmosfair oder Primaklima.

Ja und was machen Diejenigen dann mit dem Geld?
Automaten bauen die das CO2 "auffressen" oder in was auch immer umwandeln?
Oder bereichert sich wieder eine Klientel an diesem Hype des Klimawandels?

08.08.2019 09:50 Theophanu 3

"Klimaausgleich" - die Klimahysterie errreicht jeden Tag ein neues Hoch. Während weltweit über 1000 neue Kohlekraftwerke entstehen (auch im Nachbarland Polen) lassen sich die Deutschen einlullen. Warum bringt der MDR nicht mal Artikel von Kritikern der Klimareligion oder Wissenschaftler (nicht vom Potsdamer Institut)?

08.08.2019 08:28 bernd 2

fuer diejenigen die das sich erdacht haben sollte es den Johann Tetzel Preis geben.

08.08.2019 07:31 H.E. 1

Ich war immer großzügig, wenn es ums Spenden ging, weil ich auch nicht jeden Cent zweimal umdrehen muß, bevor ich ihn ausgebe.
Für mich habe ich aber beschlossen, daß ich nichts spenden werde für Klimaausgleich, nichts für Ärzte ohne Grenzen, weil diese sich auch in der Seenotrettung engagieren, obwohl dies nicht ihre Aufgabe ist ebenso in der Kirche, wo Kardinal Marx inzwischen zweimal 50.000 Euro ebenfalls einer Seenotrettungsorganisation überweisen ließ und ansonsten häufig für Länder, die ich ablehne und die uns eigentlich überhaupt nichts angehen etc..
Und beim Klimaausgleich sollte zuallerst einmal das Umweltministerium den Anfang machen, weil diese zu den 5 Ministerien unserer Regierung gehören mit den höchsten jährlichen Flugmeilen. Beim Außenministerium kann man es verstehen, daß diese mehr fliegen müssen. Aber nicht das Umweltministerium! Für das Umweltministerium wäre doch der wohlmeinende Vorschlag mit gutem Beispiel voran gehen und Flixbus oder die Bahn zu nehmen