Eine Frau von hinten mit einem Glas Rotwein
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Reisetrends Warum der Balkan ein absoluter Geheimtipp ist

Ob Kroatien, Albanien oder Bosnien und Herzegowina – Urlaub auf dem Balkan ist ein Geheimtipp. Neben traumhafter Natur trifft man hier auf unglaublich gastfreundliche Menschen, köstliches Essen und einen in Europa einzigartigen Mix verschiedener Kulturen. Was man beachten und nicht verpassen sollte, weiß Expertin Gesine Jüttner.

Eine Frau von hinten mit einem Glas Rotwein
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Kroatien hat den touristischen Durchbruch bereits geschafft, doch auch die anderen Balkan-Länder haben wundervolle Landschaften, fesselnde Geschichte und kuriose Feste zu bieten. An folgenden Orten ist die Magie des Balkans noch zu finden:

Faszinierende Gegensätze im bosnischen Mostar

Hier findet man das ganz andere Europa. Mostar in Bosnien und Herzegowina ist der perfekte Ort, um die faszinierenden Einflüsse und Gegensätze der Religionen aus erster Hand zu erfahren. Die Gebetsrufe der Muezzins schallen frühmorgens durch die osmanische Altstadt. Hier wird jedem Besucher bewusst, wie weit die Osmanen nach Europa vorgedrungen waren und wie stark die Kultur im Balkan davon bis heute geprägt ist – von der Architektur bis zur Kochkunst und Kaffee-Kultur.

Mostar in Bosnien
Mostar Bildrechte: Colourbox.de

Die Stadt Mostar ist aber auch ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die umliegende Region Herzegowina im Süden von Bosnien. Besonders sehenswert: die Festung Počitelj, die Wasserfälle von Kravica, das muslimische Derwisch-Kloster in Blagaj und die Buna-Quelle. Übrigens: Die Ausflüge kann man in Mostar als fertige Touren buchen.

Schmelztiegel der Kulturen: Novi Sad in Serbien

Novi Sad ist mit etwa 280.000 Einwohnern die zweitgrößte serbische Stadt. Sie liegt an der Donau, befindet sich auf halbem Weg zwischen Budapest und Belgrad und gilt als Schmelztiegel der Kulturen und Religionen: Serbisch-orthodoxe und katholische Kirchen, Moscheen und Synagogen zeugen von einem friedlichen Miteinander durch Jahrhunderte.

Novi Sad in Serbien
Novi Sad Bildrechte: imago/robertharding

Zu den Gründungsvätern gehörten Serben und Ungarn, aber auch Sachsen, Franken und Schwaben, die hier, in der pannonischen Ebene, eine neue Heimat fanden. Das restaurierte Zentrum, die brodelnde Fußgängerzone, ein Mix aus Geschäften, Cafés und Galerien, der "Štrand", ein Badestrand an der Donau, all das macht Novi Sad zu einem unentdeckten Juwel. 2021 wird sie Europas Kulturhauptstadt.

Sarajevo, die unterschätzte Hauptstadt

Immer noch ein Geheimtipp unter den Balkan-Hauptstädten ist Sarajevo. Nur anderthalb Stunden beträgt die Flugzeit zwischen Deutschland und Sarajevo. Noch in der Luft sieht man die 2000-meterhohen bosnischen Berge, bevor man im Sarajevo-Tal landet. Und dann erlebt man die volle Schönheit der in den Balkankriegen geschundenen Stadt. Baščaršija, das Herzstück der Stadt, versetzt jeden Besucher in längst vergangene Zeiten eines osmanischen Basars.

Sarajevo- heute eine friedliche Stadt
Sarajevo Bildrechte: OPEN house media

Enge Gassen, Kupfer- und Silberschmieden, die vor Augen der Passanten ihre filigranen Werke herstellen, Kaffeehäuser, in denen man aus winzigen Tassen türkischen Kaffee trinkt. Und wer durch Sarajevo wandert, kommt zur Lateinerbrücke, einer osmanischen Steinbogenbrücke in deren unmittelbarer Nähe 1914 der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ermordet wurde, was den Ersten Weltkrieg auslöste.

Die grüne Tara in Bosnien und Herzegowina

Wasserfälle und Stromschnellen, Kaskaden und Schluchten – Tara ist der wahrgewordene Traum aller Raftingbesessenen. Die Raftingtouren auf der Tara sind einzigartig. Ob im Schlauchboot, Kajak oder auf dem Floß: wer sich in die reißenden Fluten der Tara stürzt, muss Mut beweisen. Unberechenbare Stromschnellen und Wasserfälle müssen überwunden werden.

Zwar liegt die Quelle des 140-kilometerlangen Flusses in den montenegrinischen Bergen, jedoch haben die letzten 30 Kilometer der Tara, die in Bosnien liegen, die höchsten Wasserfälle, die meisten Stromschnellen und die tiefste Schlucht. Nach dem Colorado Canyon, die zweitlängste Schlucht der Welt. Im bosnischen Ort Šćepan Polje sitzt mit dem Rafting Center Drina-Tara der größte Touren-Anbieter. Auf die Gäste warten 80 Bungalows direkt am Flussufer, Bio-Food vom Feinsten, erfahrene Skipper und eine Menge Abenteuer.

Balkan-Highlight: Der Durmitor Nationalpark in Montenegro

Der Durmitor Nationalpark ist ein absolutes Balkan-Highlight! Vor allem der türkisblaue "Crno Jezero" See dessen Name kurioserweise "Schwarzer See" bedeutet, funkelt überwältigend. Über gut ausgeschilderte Wanderwege, auf denen man auch allein und ohne Karte gut laufen kann, lassen sich viele weitere Seen und Hochalmen erschließen.

Traum-Strände bei Ulcinj in Montenegro

Während sich Sonnenanbeter aus ganz Europa an den Stränden in Nord-Montenegro fast stapeln, trifft man im ruhigen Süden Montenegros praktisch nur auf Einheimische. Im Dorf Kruće findet man auch zur Hochsaison immer noch ein süßes kleines Gästehaus mit Meerblick zu kleinen Preisen.

Die "Albanische Riviera"

Unglaublich, wie rasant sich die albanische Adriaküste verändert, die die Einwohner liebevoll "Albanische Riviera" nennen. Sie liegt gegenüber von Korfu und zieht sich von der Hafenstadt Saranda bis nach Viora. Vor allem das glasklare Wasser, die jungfräulichen Stränden und die unglaublich günstigen Preise machen Albanien zu einem interessanten Reiseziel für die ganze Familie.

So kommen Sie nach Albanien

Wer Zeit hat, fährt mit dem Auto über Kroatien und Montenegro nach Albanien, wer in Eile ist – der fliegt nach Tirana und braucht allerdings für 170 Kilometer bis zur Küste gute vier Stunden. Vorteil mit dem Auto ist die Mobilität vor Ort. Nachteil sind evtl. zusätzliche Kosten, wie Maut und Zwischenübernachtungen. Aber man kann die An- und Abreise durchaus schon in den Urlaub einplanen.

Wie touristisch erschlossen ist Albanien?

Seit einigen Jahren werden Rundreisen angeboten. Man muss sich aber darauf einstellen, dass Albanien mit der touristischen Erschließung in den Kinderschuhen steckt, das hat einerseits einen Reiz, für andere ist es ein Kritikpunkt, wenn sie es mit dem Standard in Italien oder Spanien vergleichen.

Albanien gehört zu den West-Balkan-Staaten, die schon bald gerne in der EU wären und so wird viel in Tourismus investiert, vor allem in den Ausbau von Hotels an der Riviera. Besonders in Badeorten wie Ksamil und Himara gibt es kleine gemütliche Hotels. In den ehemaligen Fischerdörfern wiederum warten viele, gut ausgestattete Privatunterkünfte.

Alt und schön: Der Ohrid-See in Nordmazedonien

Boot auf dem Ohrid-See
Ohrid-See Bildrechte: imago/imagebroker

Einer der beliebtesten Ferienorte im südlichen Balkan ist der riesige Ohrid-See. Der größte nordmazedonische See ist gleichzeitig einer der ältesten dieser Welt. Sein Alter wird auf zwei bis fünf Millionen Jahre geschätzt. Alte Fischarten wie die Ohrider Tupfforelle sind heute noch zu haben und schmecken wie Saibling.

Zwei Städte gibt es am Ufer: Ohrid und Struga. Ohrids frühchristliche orthodoxe Kirchen und Klöster kürte die UNESCO zum Weltkulturerbe. In den Gassen der gut erhaltenen Altstadt tobt das Leben noch immer. Es gibt dort alte osmanische Häuser, Silberschmieden, die "Ohrider Perlen" zu kunstvollem Schmuck verarbeiten, Läden und Lädchen zu sehen. Die schönsten Privatunterkünfte und Appartements liegen am Seeufer. Vor der Haustür springt man einfach ins blaugrüne Wasser.

Die große Unbekannte: Skopje

An Skopje scheiden sich die Geister. Die einen können der eigenartigen nordmazedonischen Hauptstadt gar nichts abgewinnen, die anderen sind fasziniert vom ungewöhnlichen Architektur-Mix aus größenwahnsinnigen Denkmälern und der entzückenden osmanischen Altstadt. Ein Grund, der aber auf jeden Fall für einen Aufenthalt in Skopje spricht, ist die nahe Matka-Schlucht, die einfach per Bus als Tagestour erreichbar ist.

So schön ist der Balkan!

Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien
Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien Bildrechte: Colourbox.de
Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien
Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien Bildrechte: Colourbox.de
Die hübsche Hafenstadt Dubrovnik
Die Hafenstadt Dubrovnik Bildrechte: Colourbox.de
Boote liegen im Hafen von Budva, eine Stadt an der Adria in Montenegro.
Boote liegen im Hafen von Budva, einer Stadt an der Adria in Montenegro. Bildrechte: Colourbox.de
Balkan
Krushuna-Wasserfälle in Bulgarien Bildrechte: Colourbox.de
Krushuna Wasserfälle, nahe der Stadt Lovech, Bulgarien
Die Krushuna Wasserfälle befinden sich nahe der Stadt Lovech in Bulgarien. Bildrechte: Colourbox.de
Ein idyllischer Ort dirket an einem kleinen Wasserfall
Der Fluss Neretva fließt durch Mostar. Mosatr ist eine Stadt im Süden von Bosnien und Herzegowina. Bildrechte: Colourbox.de
Liegestühle am Ohridsee
Der Ohridsee ist st ein echter Geheimtipp. Er ist der zweitgrößte See der Balkanhalbinsel - mit schönen Stränden, die zum Relaxen einladen. Bildrechte: Colourbox.de
Ein kleines Boot vor einer Altstadt
Die Bucht von Kotor - mit traumhaften Ausblicken. Bildrechte: Colourbox.de
Ein Pelikan am Strand
Der Rosapelikan brütet auch auf dem Balkan. (Archivbild) Bildrechte: Colourbox.de
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Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien
Alte Häuser in der Hafenstadt Rovinj in Kroatien Bildrechte: Colourbox.de

Zagreb, eine Stadt mit Flair

Zagreb, die Hauptstadt Kroatiens liegt am Fuße des 1.000 Meter hohen Berges Medvednica. Die Save, ein mächtiger Fluss, der 400 Kilometer weiter in Serbiens Hauptstadt Belgrad in die Donau mündet, trennt Alt-Zagreb vom Neu-Zagreb.

Im Zentrum von Alt-Zagreb findet man lauschige Plätze zum Verweilen, Gründerzeitarchitektur, Fußgängerzonen, Bars und Bistros. Und sogar eine Zahnradbahn, die Ober- und Unterstadt verbindet. Der Blick auf Kaptol, das Herzstück von Zagreb, ist wunderschön. Rote Dächer und filigrane Türme der imposanten Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert ragen in den Himmel. Ein Rausch der Farben und Gerüche ist der Dolac-Markt in der Oberstadt, es ist ein Bauernmarkt wie aus dem Bilderbuch.

Einmalig ist das "Museum der zerbrochenen Beziehungen", gegründet von einem Künstlerpaar, das eine Heimat für Objekte ihrer verflossenen Liebe suchte. Das Museum lebt von Spenden der Verlassenen und so sind Brautkleider, Plüschtiere und sogar eine Axt hier zu sehen. Zu jedem Exponat wird die Geschichte der Trennung erzählt: von witzig über skurril bis traurig.

Ljubljana im Herzen Sloweniens

Liebevoll nennen die Einwohner von Ljubljana ihre Stadt "Die Geliebte", denn die Hauptstadt Sloweniens ist ein unglaublich liebenswertes Fleckchen Erde. Und so grün, dass sie 2016 zur grünen Hauptstadt Europas (European Green Capital) gekürt wurde. Aber nicht nur grün, sondern auch kuschelig ist Ljubljana wahrlich.

Ljubljana
Ljubljana Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Enge Gassen, Burgen, Patrizierhäuser und Jugendstil begegnet einem auf Schritt und Tritt – die denkmalgeschützte Altstadt ist fast autofrei. Der Fluss Ljubljanica schlängelt sich durch die Altstadt, an mehr als Dutzend Brücken kann er überquert werden. Es gibt unzählige Bars und Bistros. Die slowenische Küche ist ein gelungener Mix österreichischer und italienischer Speisen, von Wurst und Griebenschmalz, bis Pasta und Gnocchi. Wer am Freitag zum Markt geht, erlebt das wahre Slowfood-Paradies: Bio-Landwirtschaft ist in Slowenien weit verbreitet, kein Wunder, da Wald und Wiese 60 Prozent des Landes ausmachen.

Was kosten Unterkünfte in Slowenien?

In Slowenien, Podčetrtek kann man zu zweit in einem Vier-Sterne Thermal Hotel für 560 Euro eine Woche mit Frühstück Urlaub machen. In Istrien, Martinski auf einen ehemaligen Adelssitz für das gleiche Geld. Ohne Verpflegung bekommt man eine Ferienwohnung mit zwei Zimmern ab 217 Euro pro Woche.

Die kulturelle Perle: Prizren im Kosovo

Prizren wird auch "Stadt der Lilien" genannt. Ungeniert wachsen sie in den Gassen, auf den Brücken und in den Basaren, überall dort, wo es ein Stückchen Erde gibt. Das "Jerusalem vom Kosovo" nannte man Prizren früher, als hier, jahrhundertelang, Menschen aller Religionen friedlich zusammenlebten.

Moscheen, Synagogen, orthodoxe Kirchen und katholische Kathedrale sind Zeugen dieser Vergangenheit. Das gute Zusammenleben ging bis zum Kosovokrieg. Heute sind die Kriegswirren vergessen. Prizren ist wieder eine offene Stadt, die mit ihren engen Gassen, dem Kulturerbe und dem orientalischen Flair die schönste Stadt im Kosovo ist.

Alle Ziele im Überblick

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 30. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 19:24 Uhr