Reisen in Corona-Hotspots Risiko-Reisen: Wann können Kunden stornieren?

Trotz der Corona-Pandemie bieten einige Reiseveranstalter Pauschalreisen in Risikogebiete an. Auch Individualreisen sind möglich. Wenn die Buchung vor der Reisewarnung erfolgte, werden die Kosten für Pauschalreisen zurückerstattet. Für Individualreisen gilt das nicht.

Passagierflugzeug fliegt in die Sonne
Für eine Buchung nach Aussprache der Reisewarnung gibt es keine Kostenerstattung, Bildrechte: imago/Action Pictures

Das Auswärtige Amt warnt offiziell vor nicht notwendigen touristischen Reisen in viele Länder der Welt. Überschreitet ein Land oder eine Region die Zahl der Corona-Neuinfektionen von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner, können jederzeit neue Warnungen hinzu kommen. Aage Dünhaupt vom Reisekonzern TUI erklärt, dass, wer in ein Gebiet mit Reisewarnung reise, kostenlos stornieren könne. "Dem Gast entstehen dabei keine Kosten", betont Dünhaupt.

Auch Umbuchungen in eine andere Region seien möglich, ohne dass der Gast auf seinen Kosten sitzen bleibe. Und wenn der Gast eine Anzahlung geleistet habe, bekomme er das Geld zurück oder könne es in einen Gutschein umwandeln. Dünhaupt vom Reisekonzern TUI zufolge bekommt man dann noch einen Bonus obendrauf, um das Geld für die nächste Reise zur Seite zu legen.

Keine Erstattung bei Buchung nach Reisewarnung

Wer jedoch eine Reise buche, nachdem für das Land eine Reisewarnung bekannt gegeben worden sei, bleibe auf seinen Kosten sitzen, wie TUI-Sprecher Dünhaupt erklärt: "Wer in ein Gebiet reist, in dem ad hoc schon eine Reisewarnung besteht, der kann dann natürlich nicht mehr kostenfrei stornieren", sagt Dünhaupt. Denn man gehe dann davon aus, dass sich die Reisenden schon einmal damit auseinandergesetzt hätten, in welche Region sie reisten.

Am Beispiel der Kanarischen Inseln bedeutet das, dass kostenfrei stornieren kann, wer etwa vor vier Monaten eine Reise dorthin gebucht hat. Für diejenigen, die erst gestern oder heute gebucht haben, gilt das nicht.

Stornierungsrecht nur für Pauschalreisen

Generell stehen Pauschalreisende bei Reisewarnungen besser da als Urlauber, die individuell reisen. Bei der Pauschalreise gebe es das kostenfreie Stornierungsrecht, sagt der Reiseexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg, Robert Bartel. Dieses Recht gehe auf eine gesetzliche Regelung zurück die besage, dass man kostenfrei stornieren könne wenn eine Reise aufgrund unvermeidbarer außergewöhnlicher Umstände erheblich beeinträchtigt sei, erklärt Bartel.

Dagegen griffen diese Regelungen des Pauschalreiserechts bei einem reinen Flug, den man als Individualreisender gebucht habe, nicht. "Da habe ich tatsächlich Probleme und da hilft mir die Reisewarnung im ersten Schritt nicht weiter", erklärt Bartel.

In diesem Fall bleibe dem Individualurlauber meistens nur der Weg einer juristischen Auseinandersetzung wenn der Anbieter nicht freiwillig zurückzahle. Pauschalreisende seien zwar im Vorteil, doch viele Veranstalter zahlten nur schleppend das Geld zurück, stellt Bartel fest.

Nachträgliche Änderung sind rechtswidrig

Außerdem häuften sich Beschwerden, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nach der Buchung geändert worden seien. Das sei rechtswidrig, betont der Reiseexperte Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Änderungen im Nachhinein seien nicht möglich. Es gelten immer die Geschäftsbedingungen des Zeitpunkts, zu dem ein Vertrag abgeschlossen worden sei. "Das heißt, dass solche Regelungen überhaupt nicht wirksam sind, wenn denn hier deutsches Recht greift, das ist manchmal auch ein Problem", erklärt Bartel.

Die Rechtslage für Urlauber in Pandemie-Zeiten ist also nicht ohne Fallstricke. Deshalb hat Reiseexperte Bartel vor allem einen Tipp: "Also meine Empfehlung ist ganz klar für die nächsten Ferien: Bleiben Sie hier, bleiben Sie in Deutschland, alles andere ist wirklich ein Glücksspiel."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2020 | 05:55 Uhr

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