Urlaub auf hoher See Tipps für die Kreuzfahrt

Mit einem Cocktail in der Hand auf dem Oberdeck liegen, während man in den Hafen einer südländischen Stadt einfährt – für viele gilt die Kreuzfahrt als der Traumurlaub schlechthin. Damit die Reise tatsächlich traumhaft wird, sind einige Dinge zu beachten: Das beginnt bei der Wahl der Route und endet beim Versenden von Urlaubserinnerungen.

Die Wahl der Route und Ausflüge

Bevor Sie eine Route wählen, sollten Sie sich fragen, was Sie von dieser Reise erwarten. Wollen Sie Städte erkunden, großartige Naturlandschaften erleben oder sich an schönen Stränden sonnen? Je nachdem sollten Sie die Reisebeschreibungen studieren und eine erste Auswahl treffen. Kreuzfahrten ab Deutschland führen meist in die Ostsee, den Norden, entlang der Westküste Europas oder ins Mittelmeer. Wer weiter weg möchte, zum Beispiel in die Karibik, sollte beachten, dass noch ein Flug zum Ausgangsort einkalkuliert werden muss.

Werden viele Länder in wenigen Tagen angefahren, klingt das zunächst verlockend. An den Haltepunkten kann man sich organisierten Ausflügen anschließen und Land und Leute kennenlernen. Doch das führt oft dazu, dass an keinem Ort wirklich viel Zeit bleibt. Darüber hinaus kosten diese Ausflüge meist extra. Wer das nicht ausgeben will, kann den Landgang auch allein gestalten: Manche Häfen liegen fußläufig zu einer Innenstadt. Oft gibt es auch einen Shuttleservice vom Hafen zum Zentrum. An den vorgegebenen Zeitplan für die Abfahrt des Schiffes muss man sich allerdings halten und pünktlich zurück an Bord sein.

Die Größe des Schiffes

Swimmingpool an Board MSC
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Die Auswahl an Kreuzfahrtschiffen wächst von Jahr zu Jahr. Neben kleineren Schiffen mit wenigen hundert Passagieren, stechen immer wieder große, moderne Schiffe mit Kapazitäten für mehr als 6.000 Gäste in See. Animations- und Unterhaltungsprogramme, Shows, Sport- und Wellnessangebote gehören dort ebenso zum Standard wie mehrere Bord-Restaurants. Weiterer Vorteil: Je größer das Schiff, desto günstiger kann die Kreuzfahrt sein. Das spricht vor allem auch Familien an. Kleinere Kreuzfahrtschiffe sind meist exklusiver und teurer, die Interessen der Gäste spezieller. Sie fahren ungewöhnlichere Routen. Teils gibt es auf solchen Schiffen auch kein großes Programm, die Expedition oder Ähnliches steht in der Regel im Vordergrund.

Die Wahl der Kabine

Innenkabinen sind grundsätzlich sehr viel preiswerter als außen liegende Kabinen mit Bullaugen, Fenstern oder sogar Balkonen. Das Platzangebot der Innenkabinen ist meist überschaubar, alles Nötige befindet sich auf kleinem Raum. Wer unter Platzangst leidet, sollte sich für einen Raum mit Fenster oder eine Suite entscheiden. Kabinen mit Balkon haben ihren Charme, vor allem, wenn man seine Ruhe haben und dort die Seeluft genießen möchte. Das spiegelt sich jedoch oft im Preis wieder. Wer sich eine Kabine mit Balkon gönnen will, sollte auf die Ausrichtung des Balkons achten. Sind diese nach vorn ausgerichtet, kann es ganz schön windig werden. Haben Kabinen einen französischen Balkon, handelt es sich lediglich um kleine Austritte mit Geländer vor bodentiefen Fenstern. Preiswertere Kabinen befinden sich meist am Heck des Schiffes. Sie sind lauter, weil sich dort auch der Motor befindet. Wer ruhig schlafen möchte, sollte deshalb eine Kabine am Bug buchen. Die Kabinen im unteren Teil des Schiffes sind für die Passagiere geeignet, die empfindlich auf Wellengang reagieren.

Trinkgelder und weitere Nebenkosten

Trinkgeld liegt neben einer leeren Kaffeetasse.
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Schon bei der Buchung sollte darauf geachtet werden, welche Kosten im Preis enthalten sind. Müssen zum Beispiel die Getränke extra gezahlt werden, kann das schnell ins Geld gehen. Auch für Landgänge und zusätzliche Unternehmungen zahlt man häufig extra. Beim Trinkgeld gibt es viele Unterschiede. Es gibt Reedereien, die automatisch einen gewissen Betrag pro Person und Tag vom Bordkonto als Trinkgeld abbuchen. Andere bitten um freiwillige Leistungen, die auch anonym im Briefumschlag an der Rezeption abgegeben werden können. Als Richtlinie empfehlen Experten vier bis sechs Euro pro Person und Nacht. Wer sicher gehen will, sollte sich vor Abreise oder noch besser: schon vor der Buchung informieren.

Krank an Bord

Ein Arztbesuch auf dem Schiff wird wie eine privatärztliche Leistung im Ausland behandelt und muss darum erst einmal aus eigener Tasche bezahlt werden. Wie viel davon erstattet wird, hängt von der Art der Versicherung ab. Die gesetzlichen Versicherungen zahlen nur so viel, wie sie für die gleiche Leistung im Inland zahlen würden – und auch nur dann, wenn das Schiff unter der Flagge eines EU-Landes, der Schweiz, Liechtensteins, Norwegens oder Islands fährt. Auch bei anders beflaggten Schiffen könnte eine Kostenübernahme möglich sein, wenn es mit dem Land einen Leistungsaushilfe-Vertrag gibt. Es ist also sinnvoll, rechtzeitig vor dem Reiseantritt bei der gesetzlichen Versicherung nachzufragen und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung abzuschließen.

Grafik mit symbolischer Darstellung einer Rechnung, von Kreuzfahrtschiffen und einer Rechnung 1 min
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Privat Versicherte bekommen die vollen Kosten erstattet, und zwar unabhängig davon, unter welcher Flagge das Schiff fährt. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: Außerhalb Europas werden diese Kosten nur im ersten Monat bezahlt.

Zusätzliche Reise-Krankenversicherungen übernehmen Arztkosten, die weltweit während einer Reise entstehen. Vor Abschluss einer solchen Versicherung sollte das Kleingedruckte jedoch genau gelesen werden. Daraus geht hervor, ob wirklich alle Kosten in voller Höhe übernommen werden oder nicht und für welche Fälle Ausnahmeregelungen gelten.  

Telefonieren und Internetzugang

Ein Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen
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Hier lauern unangenehme Überraschungen. Denn ein kurzes Telefonat mit den Angehörigen zu Hause oder ein Bild per Mail oder Messenger-Dienst kann schnell teuer werden. Grund dafür ist möglicherweise ein Irrglaube: Denn Mobilfunkverträge, auch spezielle Reisepakete decken die Nutzung auf hoher See nicht ab. Sie gelten nur auf dem Land. Und auch die EU-Roaming-Verordnung greift nicht, wenn Sie auf dem Meer unterwegs sind. So kann es passieren, dass sich das Telefon bei aktiver Einstellung „Automatische Netzwahl“ in das Mobilfunknetz des Schiffes einloggt. Das nutzt teure Satellitentechnik, um ein Funknetz aufzubauen. Die Übertragung eines Megabytes kann dann bis zu 30 Euro kosten. Für Anrufe werden zwischen 3 und 7 Euro verlangt, geben die Verbraucherzentralen zu bedenken. Die automatische Netzeinwahl sollte daher besser deaktiviert werden. Auf einigen Schiffen steht ein öffentliches WLAN-Netz zur Verfügung, auf anderen bieten die Kreuzfahrtunternehmen eigene kostenpflichtige Internetpakete an. Informieren Sie sich unbedingt vor der Reise über die Konditionen für die Nutzung von Mobilfunk und WLAN. Fragen Sie Ihren Mobilfunkanbieter oder schauen Sie in die Reiseunterlagen des Anbieters. So bleiben Sie vor teuren Überraschungen nach der Reise verschont.

Besonderheit: Flusskreuzfahrten

Umschau extra Flusskreuzfahrten
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Nicht nur über die Weltmeere fahren Kreuzfahrtschiffe heute, auch auf größeren Flüssen werden Urlaube auf dem Schiff angeboten. Besonders beliebte Routen in Europa führen beispielweise über Donau, Rhein, Mosel oder Rhône. Anders als bei den Kreuzfahrten über die Meere gibt es bei Flusskreuzfahrten jedoch immer eine Unwägbarkeit: Der Pegelstand der Flüsse kann unter Umständen dazu führen, dass die Kreuzfahrt kurz vorher abgesagt werden muss. Führt ein Fluss zu wenig Wasser, können die großen Schiffe nicht mehr fahren. Die Veranstalter haben in ihren Verträgen daher oft die Möglichkeit eingeräumt, ihrerseits bis 14 Tage vor Beginn die Reise abzusagen. Andere Anbieter planen in solchen Fällen um und buchen die Gäste um – aus der Kreuzfahrt könnte dann eine Busfahrt entlang der Flüsse werden. Wer das nicht möchte, sollte unbedingt im Vorfeld bei Vertragsabschluss auf solche Details achten und sich gegebenenfalls einen anderen Anbieter suchen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 15. Oktober 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 10:31 Uhr