Neu entdeckt Vielfältiges Baltikum: Urlaub in Litauen, Estland und Lettland

Wohin im nächsten Sommerurlaub? Egal ob Litauen, Estland und Lettland – Reisen in das Baltikum scheinen das Trendziel 2020 zu werden. Expertin Gesine Jüttner gibt Tipps für den perfekten Urlaub in Nordosteuropa.

Meer unter blauem Himmel an der Kurischen Nehrung
Meer unter blauem Himmel an der Kurischen Nehrung in Litauen. Bildrechte: imago images / Westend61

Die unbekannte Schönheit: Litauen

Die Burg Trakai in der Hauptstadt Vilnius symbolisiert die wechselhafte Geschichte Litauens. Heute ist sie ein Zeugnis davon, dass sich die Litauer in ihrer langen Geschichte oft gegen Eroberer, Fremdherrschaft und Unterdrückung wehren mussten.

Der Mittelpunkt Europas?

Litauen ist der Mittelpunkt Europas. Das zumindest ergeben offizielle Berechnungen des nationalen Geografie-Instituts in Frankreich. Die Wissenschaftler haben 1989 den so genannten Flächenschwerpunkt des Kontinents ermittelt. Sie zogen zwei Linien zwischen Gibraltar und dem Ural sowie zwischen dem Nordkap und Kreta und bestimmten so das europäische Zentrum, welches inmitten der litauischen Provinz in einem kleinen verlassenen Dörfchen Namens Purnuškės liegt.

Litauen ist heute ein Land der Gegensätze

Vilnius, Blick über die Stadt.
Blick über die Stadt Vilnius. Bildrechte: IMAGO

Der Fall des Eisernen Vorhangs hat das Reisen für westliche Touristen nach Litauen sehr vereinfacht. Das Land gehört mittlerweile zur Europäischen Union. Damit gilt das Schengener Abkommen. Sämtliche Kontrollen an der Grenze entfallen. Die Hauptstadt Vilnius ist rund zwei Flugstunden von Deutschland entfernt und heute ein beliebtes Reiseziel für Wochenendurlauber und Städtereisende. Aber auch die anderen Großstädte wie Kaunas und Klaipėda sowie die Halbinsel Kurische Nehrung ziehen gerade in den Sommermonaten viele Touristen an. Wer sich etwas länger Zeit nimmt, erlebt ein Land voller Gegensätze.

Der Tourismus boomt

Ausros-Tor in Vilnius
Das "Tor der Morgenröte" in Vilnius. Bildrechte: dpa

Inzwischen gehört der Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Die dichten Kiefernwälder, in denen noch heute Elche wohnen, die riesigen Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung und die langen weißen Sandstrände an der Ostseeküste gehören zu den Urlaubs-Höhepunkten Litauens.

Kurische Nehrung – Nationalpark und Weltkulturerbe

Um die einzigartige Naturlandschaft auf der Landzunge zu schützen, wurde die Kurische Nehrung 1990 zum Nationalpark erklärt. Besucher sollten das Gebiet sehr achtsam bereisen. Verboten sind: wildes Campen, offenes Feuer und das Verlassen der Wege.

Das kleine Örtchen Nida (deutsch: Nidden) gehört zu den beliebtesten Badeorten Litauens. Lange weiße Strände in einer idyllischen Natur garantieren einen besonders schönen, aber auch ruhigen Sommerurlaub.  

Wie kommt man ins Baltikum?

Passagier besteigen ein Flugzeug der Airline easyJet
Bildrechte: dpa

Am schnellsten geht es mit dem Flugzeug. Direktverbindungen nach Tallinn, Riga und Vilnius gibt es von Berlin. Die Preise variieren, im Durchschnitt sollten man aber mit 300 Euro für ein Hin- und Rückflugticket rechnen. Mit Sonderangeboten sind Flüge für unter 150 Euro möglich.

Wer das Baltikum mit dem eigenen Auto zum Beispiel auf einer Rundreise erkunden will, kann den Landweg über Polen wählen. Entspannter geht es mit der Fähre über die Ostsee.

Die Anreise mit dem Zug ist nicht wirklich empfehlenswert. Beispiel: Von Leipzig aus würde die Zugfahrt mehr als 24 Stunden dauern.

Juodkrantė – Zentrum des Bernsteinhandels

Ein wenig im Schatten von Nida steht der zweitgrößte Badeort im litauischen Teil der Nehrung. Dabei ist Juodkrantė (deutsch: Schwarzort) legendär: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden hier Unmengen an Bernstein abgebaut.


Estland: Wälder, Moore und Meer

In Estland leben gerade einmal rund 1,3 Millionen Menschen. Aber diese haben ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein: Die Esten genießen ihre Unabhängigkeit, die sie nach der jahrhundertelangen Unterdrückung durch Russen, Deutsche und Schweden nun frei leben können.

Mehr finnisch als baltisch

Formal gehört Estland zu den baltischen Staaten. Kulturell fühlen sich die meisten Esten jedoch den Finnen näher als den Letten und Litauern.

Alexander-Newski-Kathedrale Tallinn
Die Alexander-Newski-Kathedrale in Estlands Hauptstadt Tallinn. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Die estnische Hauptstadt Tallinn und die finnische Hauptstadt Helsinki liegen nur 85 Kilometer voneinander entfernt. Mit einer Schnellfähre ist man in 90 Minuten von Tallinn in Helsinki.

Wasser spielt eine große Rolle

Fast zehn Prozent Estlands bestehen aus Inseln. Die meisten der 1.520 kleinen Inseln vor der estnischen Küste sind heute Naturschutzgebiete. Außerdem gibt es mehr als 1.400 Seen und mehr als 7.000 Flüsse, die das Land durchziehen. Aber auch das Festland ist relativ feucht – so besteht ein Fünftel des Landes aus Sümpfen.

Naturverbunden und traditionsbewusst

Moderne Architektur am Gowry Artland Citypark in den ehemaligen Docks.
Moderne Architektur am Gowry Artland Citypark in Tallinn. Bildrechte: IMAGO

Estland ist kein Land der Superlative: Finnland hat mehr Seen, Schweden mehr Inseln, Russland mehr Bären. Aber Estland hat von allem eins: Wälder, in denen heute noch Luchse und Wölfe leben, menschenleere Strände, das Meer, die "Weißen Nächte" im Sommer, in denen es kaum dunkel wird, und die "Weiße Weihnacht" im Winter, wenn sogar die Ostsee zufriert. Bisher genießen vor allem Individualtouristen und die Esten selbst die ursprüngliche, verträumte Landschaft außerhalb der Städte in der Natur.

Tallinn

Die estnische Hauptstadt ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Die Geschichte Tallinns begann auf dem 50 Meter hohen Domberg. Von hier aus hatte man die Küste immer gut im Blick; ideal, um hier im 11. Jahrhundert eine altestnische Siedlung mit einer hölzernen Burg als Herrschaftssitz zu erbauen. Heute haben das Parlament und die Regierung Estlands ihren Sitz auf dem Hügel. Das Plateau bietet einen grandiosen Blick über die Stadt und ist ein beliebter Treffpunkt in Tallinn. Von hier aus sieht man die Altstadt mit ihrem Meer aus roten Dächern und dahinter das blaue Meer: die Ostsee.

Estland - mittelaterliche Stadtmauer mit Wehrturm in Tallinn
Mittelaterliche Stadtmauer mit Wehrturm in Tallinn. Bildrechte: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Ende des 13. Jahrhunderts begann man mit dem Bau der mächtigen Stadtmauer. Vier Kilometer lang war der Verteidigungsring, der die Stadt umschloss – Tallinn war eine der am stärksten befestigten Städte im gesamten Ostseeraum. Fast die Hälfte der Stadtmauer und immerhin 26 der ehemals 40 Türme sind heute noch erhalten. 1997 wurden die 16 Meter hohe Stadtmauer und die Altstadt mit ihren schiefen Kaufmannshäusern und dem lückenlosen Kopfsteinpflaster von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.


Lettland – ein Land voller Kontraste

Touristen sind immer willkommen: Neben der Hauptstadt Riga sind vor allem die ländlichen Regionen des Landes für naturverbundene Touristen interessant. Einige Landstriche wirken noch völlig unberührt.

Blick auf die lettische Stadt Riga
Blick auf die lettische Stadt Riga. Bildrechte: Colourbox.de

Das Gebiet um die Kleinstadt Madona im Osten des Landes ist vor allem für die reine Luft bekannt. Hier befindet sich auch die höchste Erhebung Lettlands: der gerade mal 312 Meter hohe Gaiziņkalns im Vidzemer Hochland. Die überwiegend flache Landschaft ist insbesondere bei Fahrradtouristen sehr beliebt.

Riga

Die Hauptstadt Riga wurde schon bald nach ihrer Gründung vor 800 Jahren eine wichtige Handelsstadt an der Ostsee. An folgenden Sehenswürdigkeiten kommen Riga-Besucher heute nicht vorbei:

Dom St. Marien gesehen aus dem Kreuzgang
Der Dom St. Marien in Riga. Bildrechte: IMAGO

  • Der Dom: Mehrmals erweitert und umgebaut, ist er bis heute das größte Gotteshaus des Baltikums. Die wertvollen Ordensschätze gingen jedoch während der Reformation verloren.
  • Das Schwedentor: Das einzige noch erhaltene Tor der Stadtmauer entstand der Überlieferung nach im Jahre 1698 auf unkonventionelle Art: Die Schweden, die damaligen Machthaber Rigas, wollten von ihrer Kaserne außerhalb des Walls schneller ins Stadtzentrum gelangen. Kurzentschlossen brachen sie ein Loch in die Mauer. Anschließend wurde es zum Tor ausgebaut.
  • Das Freiheitsdenkmal: Am Übergang von der Altstadt zur Neustadt thront in 42 Metern Höhe eine bronzene Frauengestalt. Milda, wie sie liebevoll von den Letten genannt wird. Mit ihren Händen streckt sie drei miteinander verbundene Sterne, die für Lettland, Estland und Litauen stehen, in den Himmel.

Alle Ziele im Überblick

Weitere Informationen zum Thema

Die Tourismus-Seiten von Litauen, Estland und Lettland halten weitere Informationen zum Thema bereit.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 06. Januar 2020 | 17:00 Uhr