Tourismus Studie: So viele Fernreisen wie noch nie

Trotz Klimawandel erlebt die Fernreise einen Boom. Das hat die 36. Deutsche Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergeben. Demnach haben noch nie mehr Bundesbürger ihren Urlaub außerhalb Europas verbracht als 2019.

von Ole Steffen

Ein orange-farbener Sonnenschirm steht an einem einsamen Strand, dahinter das blaue Meer.
2019 haben 61 Prozent der Bundesbürger eine Urlaubsreise von mehr als fünf Tagen unternommen. Bildrechte: Colourbox.de

Über 3.000 Personen ab 18 Jahren sind von der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg zu ihrem eigenen Reiseverhalten im Jahr 2019 sowie zu ihren Urlaubsabsichten für 2020 befragt worden. Hier sind die Ergebnisse der Studie, die die Stiftung für Zukunftsfragen in Auftrag gegeben hat.

Boom bei Fernreisen

Trotz der Diskussion um den Klimawandel erlebe die Fernreise einen Boom. Noch nie verbrachten mehr Bundesbürger ihren Urlaub außerhalb Europas (17 Prozent),  so das Ergebnis der Studie. Besonders würden Urlaubsregionen in Fernost sowie in Nordamerika davon profitieren.

Bali
Trotz Klimawandel boomen Fernreisen - wie etwa auf die indonesische Insel Bali. Bildrechte: colourbox.com

2009 waren es nur 10,9 Prozent der Befragten, die Urlaub außerhalb von Europa machten. Dabei ging es vergangenes Jahr um Länder wie Kanada, die USA, China, Thailand oder Indonesien. "Trotz aller Einsicht und Sorgen [in Bezug aufs Klima] wollen viele Bundesbürger im Urlaub keine Kompromisse eingehen und wählen weit entfernte Ziele. 'Flight shaming' – also das Schämen für eine getätigte Flugreise – erweist sich im Urlaub als ein Mythos", so der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt.

Bevorstehende Reisepläne

Bereits jetzt seien schon fast zwei Drittel aller Bundesbürger sicher, 2020 mindestens fünf Tage zu verreisen. Dagegen wisse nur jeder siebte, dass er in den kommenden zwölf Monaten nicht verreisen werde.

Die restlichen 21 Prozent wussten laut Studie im Befragungszeitraum Dezember 2019/Januar 2020 noch nicht, ob oder wo sie eine Reise tätigen wollen. Bei der Auswahl der Reiseziele setze sich zudem der Trend zu mehr Fernreisen auch 2020 weiter fort. "Selbst wenn diese etwas teurer sind, ist sich bereits jetzt mehr als jeder sechste Bürger sicher, ein Ziel außerhalb Europas zu besuchen", so das Fazit der Reiseprognose für das kommende Jahr.

Wer verreist wie oft?

Drei von fünf Bürgern sind 2019 verreist, heißt es in der Studie. Konkret seien es 61 Prozent, die eine Urlaubsreise von mehr als fünf Tagen unternommen hätten. 21 Prozent seien sogar zweimal unterwegs gewesen, 19 Prozent noch häufiger. "Am reisefreudigsten zeigten sich hierbei Familien und kinderlose Paare", so die Aussage der Studie. Dennoch sank demnach die Gesamtreiseintensität der deutschen Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent.

Im Trend: Urlaub hierzulande

An einem Hafenbecken bummeln einige Touristinnen entlang.
Sehr beliebt: Ostseegemeinden in Mecklenburg Vorpommern, wie hier Usedom. Bildrechte: dpa

Laut Studie bleibt Deutschland das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger, verliert aber Marktanteile. Mehr als jeder Dritte (34 Prozent) habe seinen Haupturlaub zwischen den Küsten im Norden und den Bergen im Süden verbracht. Spitzenreiter im vergangen Jahr seien im Besonderen die Ostseegemeinden von Mecklenburg-Vorpommern und die Bergregionen von Bayern. Im 10-Jahres-Vergleich habe sich allerdings die Anzahl der Haupturlaube im eigenen Land um fast drei Prozent reduziert (2009: 36,7 Prozent).

Weniger Spanien-Reisen als vor zehn Jahren

Studienleiter Ludwig Reinhardt ist der Ansicht, dass die Wetterunsicherheit in Deutschland dafür sorgt, dass viele Menschen ihren Haupturlaub im Ausland verbringen. Jeder Zehnte verbrachte demnach seinen Urlaub in Spanien. Im Langzeitvergleich zeige sich aber auch die abnehmende Popularität zahlreicher klassischer Urlaubsdestinationen. "Besonders in Spanien und der Türkei waren deutlich weniger deutsche Urlauber zu Gast als noch vor zehn Jahren", heißt es in der Studie. Gewinner in Europa seien 2019 Skandinavien und Griechenland gewesen - sowie die Beneluxstaaten und Frankreich.


Reisedauer und Reisekosten

Passagiere in einer Flugzeugkabine
Je weiter die Reise geht, desto länger verweilen die Urlauber vor Ort. Bildrechte: IMAGO

Durchschnittlich 12,3 Tage seien die Deutschen bei ihrem Haupturlaub unterwegs gewesen. "Am längsten  verreisten hierbei die jüngeren Bundesbürger zwischen 18 und 24 Jahren, die durchschnittlich über zwei Wochen vor Ort blieben. Dagegen dauerte der Haupturlaub eines Singles nur gut zehn Tage", heißt es in der Studie. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass je weiter die Reise entfernt ist, desto länger bleiben die Menschen vor Ort. Während die Gäste in der Türkei über 14 Tage blieben, dauerte ein Urlaub in Österreich nur etwa elf Tage. Mit durchschnittlich 98 Euro pro Tag bleibe ein Urlaub aber weiterhin ein teures Vergnügen. Im Vergleich zu 2009 hätten sich die Ausgaben auch um mehr als 20 Prozent auf insgesamt 1.208 Euro pro Person im Jahr erhöht. "In diesen Kosten sind neben den Unterkunfts-, Verpflegungs- und Transportausgaben auch alle weiteren Kosten von Eintritten über Souvenirs bis hin zu Trinkgeldern enthalten", so die Studie.

Die Stiftung für Zukunftsfragen Die Stiftung für Zukunftsfragen ist eine Initiative von British American Tobacco. Seit mehr als 30 Jahren erforscht und analysiert die Stiftung das Reiseverhalten der Bundesbürger und gibt Prognosen zu Entwicklungen im Tourismussektor – diese werden in der alljährlichen Tourismusanalyse präsentiert.

Tipps unserer MDR-Reisexpertin Gesine Jüttner

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 11. Februar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2020, 14:30 Uhr