Reisen Bei Flug-Überbuchung Recht auf Unterkunft und Verpflegung

Es ist Ferienzeit in Mitteldeutschland - und damit geht es für viele auch in den Urlaub. Dabei kann natürlich auch einiges schief gehen: Flüge zum Beispiel sind immer mal wieder überbucht. Dann kann es vorkommen, dass Sie nicht mitfliegen dürfen, obwohl Sie ein Ticket haben. Was kann man dann tun?

Der Airport Heraklion Kazantzakis International Airport, Innenaufnahme in der antiquierten und lieblos gestalteten Check-In Halle. EIne Familie mit Kindern wartet auf den Koffern sitzend auf ihre Abfertigung.
Airlines überbuchen Flüge, um ihre hohen Fixkosten zu decken. Für betroffene Fluggäste heißt das dann oft warten am Flughafen. Bildrechte: imago/MiS

Der Koffer ist gepackt, das Ticket liegt griffbereit in der Tasche, die Sicherheitskontrolle und der Check-In am Flughafen sind überstanden – und dann erklärt das Personal am Gate, dass Sie nicht mitfliegen können, weil alle Plätze im Flieger voll seien. Ein Szenario, was nicht selten vorkommt.

Mehr Profit durch Überbuchungen

Der Wirtschaftswissenschaftler Gunter Schnabl von der Universität Leipzig erklärt, dass Fluggesellschaften durch die Überbuchungen erreichen wollen, dass sie ihre hohen Fixkosten decken können und das würden sie erreichen, indem sie das Flugzeug möglichst stark auslasten.

Mit Überbuchungen können Airlines mehr Geld verdienen. Sie kalkulieren ein, dass Fluggäste nicht erscheinen, zum Beispiel, weil sie krank oder im Stau stecken geblieben sind – und verkaufen deshalb einige Plätze zwei Mal.

Überraschung kommt am Gate

Nach Angaben des Fluggast-Portals Flightright tun das alle Fluggesellschaften. Dumm ist nur, wenn tatsächlich alle Fluggäste am Gate erscheinen. Dann müssen einige am Boden bleiben, da nicht genügend Plätze an Bord vorhanden sind.

Und so etwas erwischt einen immer "völlig kalt", sagt Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Leipzig. "Wenn ich als Fluggast von einer Überbuchung betroffen bin, dann erfahr ich das leider meistens erst kurzfristig am Schalter. Ich steh nämlich da und kann schlicht nicht einchecken, das wird mir dann mitgeteilt."

Keine genauen Zahlen

Wie oft das passiert, ist unklar. Weder Verbraucherschützer noch Behörden haben Zahlen dazu. Ein Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle, der anonym bleiben will, sagte MDR AKTUELL, dass bei Ferienflügen besonders häufig Leute nicht mitfliegen können, weil da fast immer alle den Flug antreten wollen. 

Unterkunft und Verpflegung werden gestellt

Es nützt auch nichts, sich am Schalter zu streiten und darauf zu bestehen, doch mitfliegen zu dürfen. Denn mit dem Ticketkauf hat man den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt. Dort steht unter anderem, dass die Airline Passagiere auf andere Flüge oder sogar andere Verkehrsmittel umbuchen darf, erklärt Michael Hummel.

Oft laufe es so, dass Betroffene dann am Flughafen warten müssen oder eine Unterkunft zur Überbrückung der Zeit zur Verfügung gestellt bekommen. Wer längere Zeit warten muss, habe ein Recht auf Unterstützungsleistungen, ergänzt Hummel. Dann werden Verpflegung und Getränke gestellt, bis man mit dem nächsten Flug sein Ziel erreicht.

Bis zu 600 Euro Entschädigung

So richtig groß ist der Frust, wenn sich dadurch der Urlaub verkürzt. Dann ist es möglich, dass die Airline eine Entschädigung zahlen muss – bis zu 600 Euro pro Person. Um die zu bekommen, sollte man sich schon am Schalter darum kümmern, die Ereignisse zu dokumentieren und sich bestätigen zu lassen, sagt Michael Hummel.

Airlines spielen oft auf Zeit

Denn es könnte ja sein, dass die Fluggesellschaft später abwiegelt. Die Verbraucherzentrale in Leipzig spricht da aus Erfahrungen. Viele Fluggesellschaften würden bei einem normalen Schreiben oder einer E-Mail des Verbrauchers erst mal lange Zeit nicht reagieren, berichtet Hummel.

"Dann kommen Antworten zurück, wo erst mal angezweifelt wird, dass es diese Verspätung gab oder wo dann irgendwelche Bonusleistungen angeboten werden, die deutlich unter meinem Anspruch liegen. Von so was sollte ich mich nicht abspeisen lassen."

Manchmal auch Glück im Unglück

Michael Hummel von der Verbraucherzentrale hat es übrigens selbst schon erwischt. Er war darüber aber gar nicht erbost, erzählt er: Denn bei ihm kam es auf einem Rückflug zu einer Überbuchung. Michael Hummel machte seine Rechte bei der Airline geltend. Am Ende hatten er und seine Familie einen Extra-Tag Urlaub und eine kleine Anschubfinanzierung für den nächsten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2019 | 05:00 Uhr

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2 Kommentare

17.07.2019 13:10 Anton 2

Hätte unsere Regierung wirklich Interesse, reisende Bürger zu schutzen, so wäre es kein Problem. Einfach "Allgemeine Geschäftsbedingungen" mit so einem Zustimmungszwang für Reisende für ungültig erklären (so ähnlich wie manche Pünkte in den Mitverträgen ungültig sind, wenn sie gegen Gesetz verstoßen) und eine Strafe einsetzen, die eindeutig um mehrfaches höher ist, als alle möglichen Gewinne. Das sollte für alle Fluggesellschaften gelten, die nach und aus Deutschland fliegen wollen. Die Geschäftsführer von Fluggesellschaften verstehen nur Geldsprache, alle anderen vernünftigsten Argumente helfen hier nicht.

17.07.2019 09:05 Reisender 1

Das Ganze wird dann nicht mehr lustig, wenn man nach einem überbuchten Flug weitere Anschlussflüge hat, die dann auch alle platzen. Überbuchung sollte vom Gesetzgeber verboten werden. Auf eine "Anschubfinanzierung" können wir dann gerne verzichten.