Renteninformation Verwirrung um Wehrdienst-Rentenbezüge

Die Renteninformation gibt einen Ausblick, mit wie viel Geld man bei Renteneintritt ungefähr rechnen kann, sofern man auf einem gleichbleibenden Niveau verdient. Menschen in Ostdeutschland, die nach der Wende ihren Wehr- oder Zivildienst abgeleistet haben, dürften aber in diesem Jahr beim Blick auf die Renteninformation verwundert gewesen sein.

Geld und Spielfiguren auf dem jährlichen Schreiben zur Renteninformation
Bildrechte: imago/Schöning

Nehmen wir als Beispiel einen fiktiven, aber realistischen Fall: Max Mustermann wohnt in Sachsen und hat 1992 seinen Zivildienst abgeleistet. Für diese Zeit wurden in seiner Renteninformation bislang rund 6.000 Euro als Beiträge aus öffentlichen Kassen ausgewiesen. In diesem Jahr sind es aber plötzlich nur noch rund 5.000 Euro, also 1.000 Euro weniger. Wie kann das sein?

Pauschal-Beiträge auf Westniveau

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung, DRV, hängt das unter anderem mit einer geänderten Rechtsauffassung zusammen. Im Kern geht es um die Frage, aufgrund welcher Bezugsgröße sich die Beiträge zusammensetzen, die der Bund an die Rentenkasse zahlen muss. Diese Bezugsgröße basiert vereinfacht gesagt auf den Durchschnittseinkommen aller Versicherten.

Weil sich die Lohnniveaus in Ost und West aber unterscheiden, ist auch die Bezugsgröße im Osten eine andere, nämlich eine kleinere. Nach 1992 hat der Bund für alle Wehr- und Zivildienstleistenden allerdings pauschal Beiträge auf Westniveau an die Rentenkasse abgeführt.

Dazu teilte die Deutsche Rentenversicherung MDR AKTUELL schriftlich mit: "Nach Einschätzung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales entsprach diese Verfahrensweise nicht den eindeutigen gesetzlichen Regelungen. Die Rentenversicherungsträger hatten daher eine Rechtsanwendung herbeizuführen, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht."

Und das haben die Rentenversicherungsträger auch gemacht. Das Ergebnis: In der Renteninformation von Max Mustermann sind die Beiträge aus öffentlichen Kassen um 1.000 Euro geschrumpft, weil auch die Berechnungsgrundlage im Osten eine kleinere ist.

Keine Auswirkung auf Rentenanspruch

Er muss aber keine Sorge haben, dass sich das negativ auf seinen Rentenanspruch auswirkt. Dazu der Dresdner Rentenberater Christian Lindner: "Diese Sorge ist unbegründet, weil es sich hier nur um ein Problem der Beitragszahlung des Bundes an die Rentenversicherung handelt. Es gibt aber keine Änderung der Rentenberechnung. Da ist also alles wie bisher."

Für den Rentner in spe ändere sich finanziell nichts, da gehe es allenfalls um marginale Unterschiede im Cent-Bereich, heißt es auch von der Deutschen Rentenversicherung. Die auf Grundlage der kleineren Bezugsgröße ermittelten Beiträge werden demnach bei der späteren Berechnung der Rente angeglichen, also auf Westniveau angehoben. Und zwar bis Juli 2024. Dann gilt in Ost- und Westdeutschland ein einheitlicher Rentenwert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2020 | 07:41 Uhr

4 Kommentare

THOMAS H vor 5 Wochen

Atheist: 3 x 12 = 36; 12 + 6 = 18; 36 - 18 = 18 Monate. 21 = ?
Vielleicht doch eine Anregung an die MDR-Redaktion, eventuell Herrn Lindner zur Klärung zu kontaktieren, da Sie bestimmt nicht die Einzige sind, die sich über dieses Thema Gedanken macht.

Atheist vor 5 Wochen

So weit ich meinen Rentenbescheid „studiert „ habe, fehlen mir genau 21 Monate!
Also die Monate denen mir Unterstellt wird zu Hause bleiben zu dürfen.

THOMAS H vor 5 Wochen

Atheist: Ich glaube nicht, das Sie sich um die ordentliche Anrechnung ihrer Arbeitszeiten sorgen müssen, da diese ja aus ihren Nachweisen eindeutig hervorgehen sollten. Wenn nicht wäre eine Rentenkontoüberprüfung angebracht, so daß alle Zeiten richtig enthalten sind. Die 3 Jahre Erziehungszeiten sind m. Wissen eine Anerkennung für Mütter und werden zusätzlich zu den anrechnungsfähigen Arbeitszeiten dem Rentenkonto zugeordnet. Sollte ich nicht richtig liegen, könnte durch die MDR-Redaktion bei Herrn Lindner recherchiert werden, wie es sich richtig verhält.