Einschätzung RKI schlägt Alarm wegen steigender Corona-Fallzahlen

Das Robert Koch-Institut ist sehr besorgt wegen steigender Corona-Fallzahlen. Nach der Beruhigung im Juni hätten sich die Zahlen jetzt wieder fast verdoppelt. RKI-Chef Wieler mahnte eindringlich, die AHA-Verhaltensregeln unbedingt weiter zu befolgen. Viele Menschen seien nachlässig geworden.

RKI-Chef Lothar Wieler
Sieht die Entwicklung des Infektionsgeschehens mit großer Sorge: RKI-Chef Lothar Wieler Bildrechte: dpa

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat sich das Robert Koch-Institut alarmiert gezeigt. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, die neueste Entwicklung der Fallzahlen mache ihm und allen im Institut große Sorgen. Man befinde sich mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie.

Wieler verwies darauf, dass im Juni deutschlandweit täglich im Schnitt 300 bis 500 Neuinfektionen registriert wurden. In den letzten Tagen hätten sich die Zahlen wieder auf 600 bis mehr als 800 beinahe verdoppelt. Derzeit gebe es vermehrt kleinere Ausbrüche deutschlandweit. Es müsse jetzt unbedingt eine unkontrollierte Ausbreitung verhindert werden.

Appell zur Einhaltung der AHA-Regeln

Als Hauptgrund für die gestiegenen Fallzahlen sieht Wieler, dass viele Menschen sorgloser geworden seien. Er appellierte eindringlich an die Bevölkerung, weiter die AHA-Hygieneregeln zu befolgen:

  • Abstand einhalten - mindestens 1,5 Meter auch im Freien
  • Hygiene - vor allem regelmäßiges Händewaschen
  • Alltagsmasken - Mund-Nase-Schutz unbedingt tragen, wo Abstand nicht möglich ist

Diese Regeln sind Wieler zufolge wahrscheinlich noch monatelang zu beachten. Der RKI-Chef mahnte, die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Nach der zwischenzeitlichen Beruhigung seien viele Menschen im privaten, aber auch einzelne Betriebe, beim Infektionsschutz nachlässig geworden.

Diffuses Geschehen

Die Leiterin der RKI-Lagezentrums, Ute Rexrodt, ergänzte beim Briefing in Berlin, das diffuse Infektionsgeschehen in vielen Kommunen sei gefährlich. Hauptquelle der Neuinfektionen seien Ansteckungen innerhalb Deutschland, nur wenige Ansteckungen gingen auf Urlaubsheimkehrer zurück.

Wieler: Junge Leute müssen mitziehen

Für die Wiederaufnahme des regulären Unterrichts in Schulen nach den Sommerferien riet Wieler zu festen Klassengruppen. Auch außerhalb der Schule sollten sich die Kinder und Jugendlichen nicht wild durchmischen. Nur so könne man schnell Infektionsketten ermitteln.

Wieler ermahnte junge Leute, Covid-19 nicht zu unterschätzen. Auch wenn statistisch ihr Risiko einer Erkrankung gering sei. Alle müssten beim Infektionsschutz mitziehen. Wenn Jugendliche jetzt wieder zu Tausenden Partys ohne Hygieneregeln feierten, sei das "rücksichtslos". Er erinnerte daran, dass man auch symptomfrei andere Menschen anstecken könne. Nur gemeinsam könne die Pandemie eingedämmt werden. Jeder Einzelne müsse dazu beitragen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juli 2020 | 10:30 Uhr

41 Kommentare

Jana vor 1 Wochen

Entschuldigung, aber sie quatschen Unsinn! Nur weil sie mit "falsch Positiven" einen Begriff in den Raum schmeißen, der einen Laien zuerst einmal verunsichert, ändert sich an der Bedrohungslage durch Corona nichts.

Jeder Test hat seine Grenzen und bei jedem Test kann man etwas falsch machen. Grundsätzlich sind die PCR-Tests auf Sars-Cov-2 sehr zuverlässig und durchaus geeignet eine sichere Diagnostik durchzuführen. So zu tun als wäre ein PCR Test ein Würfelspiel und die jeweiligen Ergebnisse reine Glückssache, ist unseriös.

Der MDR und führende deutsche Institute haben sich übrigens zu dem Thema bereits in einem Artikel geäußert. Der klingt ganz anders als das was sie hier behaupten!
Quelle MDR: "Hintergrund Wie zuverlässig ist der Test auf das neuartige Coronavirus eigentlich?"

Jana vor 1 Wochen

@Lok: Na ja mit der Statistik kann man auch viel Schindluder treiben.
Fakt ist, dass mehr getestet wird. Wenn man doppelt so viel testet und die Zahl der positiven Ergebnisse pro Monat gleich bleibt, dann bedeutet das noch lange nicht, dass sich die Infektionsrate halbiert hat.

Aus meiner eigenen Familie kenne ich den Fall, dass im März trotz klarer und relativ eindeutiger Symptome kein Test veranlasst wurde und nur Selbstisolation empfohlen wurde. Die Begründung lautete, dass man nicht aus einem Risikogebiet gekommen ist (I, AT) und keinen Kontakt mit einem bestätigten Fall hatte. Im April hatte ein anderes Familienmitglied ein wenig Halsweh und Durchfall. Der Hausarzt zuckte nicht mit der Wimper den Test durchzuführen. Blöd nur, dass die betroffene Person den Abstrich selbst vornehmen musste. Das Ergebnis war negativ - wenn wundert es!

Gleichbleibende Ergebnisse bei mehr Test bedeuten also erst einmal gar nichts!

Lok vor 1 Wochen

Das muss ich doch nicht extra erklären, oder? Sie haben eine Bevölkerung, in der ein bestimmter Teil Menschen ein positives Testergebnis auslöst. Je mehr Tests Sie durchführen, um so mehr Menschen aus dieser Gruppe erfassen Sie. Reine Statistik. Insoweit ist auch die Zahl der Neuinfektionen in Bezug zur Anzahl der Testungen ein ganz wesentlicher Parameter, um eine Entwicklung zu beschreiben. Der aktuelle Wochenbericht vom RKI ist gerade raus. Mit 563.000 Tests wurde vergangene Woche soviel getestet wie noch nie zuvor. Es gibt also immer einen Teil neuer "Positiver" und einen zusätzlichen Teil "Positiver", der durch mehr Tests einfach nur sichtbar gemacht wird und welcher ohne die erhöhte Testzahl nicht erfasst und damit nicht in die Statistik eingegangen wäre. Viele Grüße.