Covid-19-Pandemie Wie ansteckend sind Kinder bei Corona?

Welche Rolle spielen Kinder und Jugendliche bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus? Diese Frage ist gerade wichtiger denn je. Denn die Schulen öffnen schrittweise wieder. Und man fragt sich natürlich, ob da eine neue Welle von Krankheitsfällen auf uns zukommt. Die Studienlage ist nicht eindeutig.

Schule mit Sicherheitsabstand Corona
Bildrechte: imago images/ Pressedienst Nord / Björn Hake

Als die Pandemie um sich griff, wurden in Deutschland Kitas und Schulen vorsorglich geschlossen, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die Befürchtung: Kitas und Schulen würden sich zu Corona-Hotspots entwickeln.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass Kinder und Jugendliche das Virus vielleicht nicht so stark verbreiten, wie befürchtet. Das sagt Professor Reinhard Berner, Leiter der Kinderklinik am Dresdner Uniklinikum: "Es scheint doch so zu sein, dass sie in diesem ganzen Ansteckungsprozess in der Population insgesamt keine so große Rolle spielen, wie man das befürchtet hat oder angenommen hat. Also Kinder erkranken, so scheint es zu sein, seltener als Erwachsene. Die Symptome sind in der Regel milder."

Hinweise auf geringe Infektiosität bei Kindern

Auch bei Kindern gebe es schlimme Krankheitsverläufe, aber selten. Und es gebe Hinweise, dass sie sich nicht so leicht mit dem Virus anstecken wie Ältere. Daten aus den Niederlanden und Island legen das nahe.

Auch eine neue Studie aus China kommt zu diesem Ergebnis. Der Virus-Forscher Christian Drosten hält sie für aussagekräftig. Im NDR-Corona-Podcast sagte er zu den Ergebnissen: "Kinder sind ein Drittel so anfällig, die Infektion zu kriegen, wie Erwachsene. Das ist die Message, also die Botschaft aus dieser Studie."

Gleiche Ansteckungsgefahr durch Kinder angenommen

Das wäre ein Argument für die Öffnung von Schulen und Kitas. Allerdings hat Drosten jüngst an der Berliner Charité an einer anderen Studie mitgearbeitet, die weniger positiv ausgefallen ist. Die Botschaft aus dieser Studie ist laut Drosten:

Wenn sie es dann aber haben, dann haben sie genauso viel Virus in den Atemwegen wie Erwachsene, mit größter Wahrscheinlichkeit.

Was das genau heißt, ist noch unklar. Es sei aber ein Indiz dafür, dass Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind, ähnlich ansteckend sind wie andere auch.

Viel Kontakt und keine Symptome

Und man muss auch bedenken, Kinder haben in solchen Einrichtungen schlicht viele Kontakte. Virologe Drosten sagt: "Ungünstig für die Kitaöffnung ist es, dass die Kinder eben so nah beieinander sind. Ungünstig ist es natürlich auch, dass sie keine Symptome haben, sodass man ein infiziertes Kind gar nicht erkennt."

Die Autoren der Studie warnen deswegen eher vor einer uneingeschränkten Öffnung der Kitas und Schulen. Reinhard Berner von der Dresdner Kinderklinik, sieht das etwas anders.

Er wünscht sich, dass die Einrichtungen schnell wieder umfangreich öffnen würden. Er verweist unter anderem auf die sozialen Folgen der Schließungen. Und Reinhard Berner sagt, man müsse die Öffnungen jetzt testen: "Wir haben, das ist meine große Sorge, eine erhebliche Infektions- und Ansteckungswelle vor uns, wenn es in den Herbst hineingeht. Und ich glaube, wir wären gut beraten, jetzt auszuprobieren, wie es gehen könnte. Weil jetzt ist die Zeit, wo man es sich erlauben kann, noch Fehler zu machen."

Es gelte, die Zeit vor den Sommerferien zu nutzen: Kitas und Schulen zu öffnen – zu schauen, was passiere, welche Sicherheitsvorkehrungen es brauche und dann daraus zu lernen. Sollte es im Herbst die befürchtete zweite Pandemiewelle geben, sei es dafür zu spät.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Mai 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Derhatschongelb vor 29 Wochen

Obwohl es offenbar eine widersprüchliche Faktenlage gibt, werden die Kinder weiter stigmatisiert und gegenüber Einkaufszentren und Betrieben oder Profiklubs benachteiligt. Sie haben ebenso wenig eine Lobby wie alle anderen Gruppen, die nicht zum Profit beitragen, also z. B. Ältere oder Kulturschaffende usw.. Mehr Entlarvung geht nicht. Offenbar ist vielen auch gar nicht klar welche mittel-und langfristigen sozialen und psychischen Schäden bei einer ganzen Generation Heranwachsender durch die gegenwärtige Politik hervorgerufen werden können.

Querdenker vor 29 Wochen

Die Virologen Alexander Kekulé und Christian Drosten sagten in ihren Podcast etwas zu Kindern.

siehe „Kekulé #28 SPEZIAL: Ihre Fragen, seine Antworten Teil 5“ (Aussagen zu Kinder am Anfang)

siehe „Drosten (33) Herdenimmunität noch lange nicht in Sicht“ (Aussagen zu Kindern ab Minute 28)

Christian Drosten nimmt da auch die isländische in Anführungszeichen „Studie“ bzgl. Kinder etwas auseinander.

Am Ende einer Infektionskette können Tote stehen. Auch wissen wir nicht, ob es Langzeitschäden selbst bei milderen Verläufen gibt.

Kinder sollten in Kitas regelmäßig getestet werden. Außerdem sollte vorher ein Plan her, was bei einem Coronaausbruch passiert. Begrenzte „Herdenimmunität“ in der Kita aufbauen oder Eindämmung durch Schließung der Kita.

Es darf kein Augen zu und durch geben!

Querdenker vor 29 Wochen

Zitat: "Die Studienlage ist nicht eindeutig."

Ich finde die Studienlage ist recht eindeutig. Meiner Meinung nach kann man bisher die meisten Studien, die vorgeben (nebenbei) über Kinder etwas herausgefunden zu haben, in der Luft zerreißen.

Kinder sind oft symptomlos und werden kaum getestet. Die Länder dieser Welt haben begrenzte Testkapazitäten und da werden verständlicherweise vorrangig Menschen mit Symptomen getestet.

Das Kinder eine ähnlich hohe Virenlast haben können wie Erwachsene ist schon länger klar. Der Rest ergibt sich zum großen Teil daraus. Kitas sind Hotspots für Erkältungskrankheiten. Nun würde auch noch Corona mit dazukommen, was ggf. zum „Superverbreiter“ führt.

Ich finde die Leute sollen eine ehrliche Diskussion führen. Die Kitas zu öffnen bedeutet wahrscheinlich „Corona-Party“. Wenn man das in Kauf nehmen will dann muss man das klar sagen und es braucht es einen intelligenten Plan (regelmäßig Testen, Risikogruppen schützen, etc.).