Coronavirus-Pandemie Expertin: Organisation wie WHO ist alternativlos

Nachdem die USA angekündigt hatten, ihre Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation einzustellen, kritisierte die deutsche Regierung Washington. Die WHO sei ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung des Coronavirus. Die USA erneuerten daraufhin ihre Kritik. Experten halten diese für ungerechtfertigt. Vor allem die Länderbüros übernähmen eine wichtige Rolle in der Corona-Krise.

Weltgesundheitsorganisation WHO-Zentrale, Genf
Die WHO gerät in der Coronavirus-Krise immer wieder ins Visier der Kritik. Bildrechte: imago/imagebroker

Trotz Homeoffice für den größten Teil der Belegschaft arbeitet die Weltgesundheitsorganisation seit Monaten unter Hochdruck im Kampf gegen das Coronavirus: Expertentreffen, Koordinierungsrunden, Pressekonferenzen, Infokampagnen, Spendenaufrufe und vieles mehr.

Die WHO bringt die verschiedensten Akteure aus aller Welt zusammen – Wissenschaftler, Politiker, Mediziner. Sie entwickelt Richtlinien für die Prävention und den Umgang mit der Krankheit. Ilona Kickbusch, die Gründerin des globalen Gesundheitsprogramms am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf, hebt daher die zentrale Rolle der Weltgesundheitsorganisation bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie hervor.

Länderbüros übernehmen wichtige Rolle in der Krise

Am Hauptsitz der WHO in Genf laufen die Fäden zusammen, doch eine extrem wichtige Rolle spielten die Regionalbüros, etwa das für Afrika: "Hier geht es auch um das Bereitstellen von Masken, von Laborplätzen und Ähnlichem", sagt Kickbusch. Die Länderbüros der WHO seien ein komplexes Netzwerk.

Die WHO ist ja nicht eine Bürokratie in Genf, sondern ein ganz großer Zusammenhang von achttausend Leuten auf der ganzen Welt.

Ilona Kickbusch, Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf

Souveränität der Länder setzt der WHO Grenzen

Wenn die US-Regierung – wie nun gerade erst erneut geschehen – die größte Uno-Organisation als dysfunktionale, unfähige Bürokratie kritisiert, sorgt das bei der Expertin für globale Gesundheit und Gesundheitsförderung für Kopfschütteln, auch wenn sie sehe, dass die WHO als von den Mitgliedsländern abhängige Organisation durchaus kompliziert sei.

Die WHO sei keine Behörde, die machen könne, was sie wolle. "Viele der Entscheidungen werden ja von den Mitgliedsländern getroffen und von daher werden auch der WHO manchmal Grenzen gesetzt", sagt Kickbusch – etwa durch die internationalen Gesundheitsvorschriften, bei deren Einhaltung die Länder sehr stark auf ihrer Souveränität beharrten.

Expertin: WHO hat aus Fehlern der Ebola-Epidemie gelernt

Verwunderlich findet die WHO-Expertin, dass US-Außenminister Mike Pompeo jüngst in einem Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas von einer Kette des Versagens schrieb, die von Sars über Schweinegrippe und Ebola bis zum neuen Coronavirus reiche: "Wenn Sie die internationale Literatur anschauen, dann sieht man eigentlich, dass Sars immer als Beispiel genommen wird, wie erfolgreich die WHO agiert hat."

Aus der zweifellos zu langsamen Reaktion bei der Ebola-Epidemie 2014/15 habe die Weltgesundheitsorganisation gelernt und viel nachgeholt. Pompeos Vorwürfe seien unberechtigt.

Reformbedarf bei Finanzierung der WHO

Dennoch sieht Ilona Kickbusch bei der WHO Reformbedarf – etwa bei der Finanzierung. So müssten die Mitgliedsländer dazu bereit sein, höhere Pflichtbeiträge zu zahlen. Dies würde die Organisation unabhängiger von anderen Geldgebern wie Stiftungen und der Pharmaindustrie machen.

Grundsätzlich aber, so sagt die WHO-Expertin, könne sie sich eine andere Struktur nicht vorstellen. Denn: "Wenn man die WHO einstampfen würde, dann würde man etwas ähnliches schaffen müssen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Mai 2020 | 07:10 Uhr

9 Kommentare

MDR-Team vor 18 Wochen

Hallo Bernd L.,
Zur Aufgabe des Journalismus gehört es unter anderem Stimmen von Experten und Interessensgruppen zusammenzutragen, somit haben die Aussagen von Ilona Kickbusch ihre Daseinsberechtigung. Auch wollen wir an dieser Stelle anmerken, dass in dem Artikel auch die Kritik von Frau Kickbusch an die WHO thematisiert wurde. Ein anderen Thema ist dabei die Einstellung der Finanzierung seitens Trump, dem sich der MDR jedoch an anderer Stelle angenommen hat: https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/faktencheck/faktencheck-trump-who100.html Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Leachim-21 vor 18 Wochen

nach meiner Meinung nach hat Trump recht mit seinen Vorwurf, jeder der die Presse-Konverenzen sich angeschaut hat müsste zu dem gleichen Schluss kommen. habe mir diese gerade noch mal bei YouTube angeschaut. da sieht man wie die WHO rumgeeiert hat und beschwichtigt wurde. sogar vom Flugabbruch wurde gewarnt.

Altmeister 50 vor 18 Wochen

Lächerlicher und überflüssiger als die WHO während der Corona- Krise kann man sich als Institution nicht machen. Erinnert sei nur daran, dass Corona zunächst verharmlost wurde, von der Ibuprofen- Einnahme gewarnt worden ist, dann die Rücknahme erfolgte. Ähnliches bei Mund- und Nasenschutz, erst Ablehnung dann Empfehlung Damit befinden sie sich immer noch im Widerspruch zum Weltärzte- Präsident, Montgomery. Wahrscheinlich gab es da noch mehr Versagensfälle. Wer in der grössten Herausforderung der Medizingeschichte derart versagt, hat sich disqualifiziert. Wenn dann unsere Bundesregierung noch meint, die WHO sei ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Corona, dann sagt das alles über deren Qualität.