Niederlande Isolierte Familie in Ruinerwold: Vater hielt Kinder "psychisch gefangen"

Der Fall der im niederländischen Ruinerwold isoliert lebenden Familie ist erstmals dem Gericht vorgelegt worden. Dadurch sind weitere erschreckende Details bekannt geworden, die die Kinder der Familie erdulden mussten. Der hauptbeschuldigte Vater ist nicht vor Gericht erschienen.

Eine Drohnenaufnahme zeigt den abgelegenen Hof, in dessen Keller eine Familie jahrelang gehaust haben soll. Ein 58-jähriger Mann sei vorläufig festgenommen worden. Nach Berichten des niederländischen Radios soll der Mann mit seinen sechs nun erwachsenen Kindern völlig isoliert im Keller gewohnt haben
Auf diesem Hof im niederländischen Ruinerwold hatte der Vater sich und seine sechs Kinder von der Außenwelt isoliert. Bildrechte: dpa

Der Vater, der mit seiner Familie isoliert auf einem niederländischen Bauernhof lebte, soll - so die Anklage - seine sechs Kinder über Jahre hinweg misshandelt haben. Der Niederländer Gerrit Jan van D. habe sie neun Jahre lang "psychisch gefangen gehalten", wie Staatsanwältin Diana Roggen am Dienstag in Assen vor Gericht erklärte. "Es sind Straftaten gegen Kinder in einer extrem abhängigen Situation."

Vater nicht vor Gericht erschienen

Gut drei Monate nach Entdeckung der Familie auf dem Hof im ostniederländischen Dorf Ruinerwold wurde der bizarre Fall jetzt erstmals dem Gericht vorgelegt. Der Vater sowie der Österreicher Josef B., der den Hof gemietet hatte, werden der Freiheitsberaubung und Geldwäsche beschuldigt. Der nach einem Schlaganfall gelähmte Gerrit Jan van D. ist nicht vor Gericht erschienen.

Blick in den Verhandlungsraum vor der Anhörung vor Gericht im Strafverfahren gegen den Hauptverdächtigen Gerrit Jan van D.
Der Fall der im niederländischen Ruinerwold isoliert lebenden Familie ist erstmals dem Gericht vorgelegt worden. Bildrechte: dpa

Missbrauch und Misshandlung der Kinder

Der 67-Jährige soll eine Tochter und einen Sohn im Alter von damals zwölf bis 15 Jahren mehrfach vergewaltigt haben, wie es in der Anklage heißt. Den Missbrauch habe er damit gerechtfertigt, dass ein "weiblicher Geist" bzw. der Geist ihrer toten Mutter in die Kinder gefahren sei.

Der Vater wollte die Kinder laut Anklage von der Welt fernhalten und habe ihnen bei Kontakt mit der Außenwelt mit "bösen Geistern" gedroht. Die Kinder gaben an, auch geschlagen und getreten worden zu sein. Weitere Strafen seien das Zudrücken der Kehle und stundenlanges Sitzen in kaltem Wasser gewesen.

Sohn hatte in Dorfkneipe um Hilfe gebeten

Die Polizei hatte die Familie im vergangenen Oktober in einem geheimen Raum hinter einem Schrank entdeckt. Zuvor hatte der älteste Sohn in der Dorfkneipe um Hilfe gebeten. Drei ältere Kinder waren schon früher aus der Familie geflohen. Die Mutter war 2004 gestorben. Das Hauptverfahren wird möglicherweise erst nach dem Sommer eröffnet.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Januar 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 20:21 Uhr

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