Flughafen Cluj Corona-Krise: Chaos um Flüge mit rumänischen Erntehelfern

Im rumänischen Cluj hat es Chaos um Flüge mit Ernthelfern für Deutschland gegeben. Erst war der Flughafen mit der Abfertigung überfordert, die Erntehelfer warteten, ohne den Mindestabstand einzuhalten. Daraufhin wurden Flüge annulliert und letztendlich die Annulierung wieder aufgehoben.

Saisonarbeiter mit Mundschutz warten vor ihrer Abreise nach Deutschland vor dem Flughafen Avram Iancu.
Am Flughafen von Cluj herrschte am Donnerstag Chaos bei der Abfertigung der Erntehelfer. Bildrechte: dpa

In Rumänien hat es Chaos um Charterflüge mit Erntehelfern nach Deutschland gegeben. Am Freitagvormittag waren zunächst sechs Flüge aus der Stadt Cluj nach Deutschland annulliert worden. Nach Angaben der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax hatte diese Entscheidung der Präfekt des gleichnamigen Kreises in Siebenbürgen, Mircea Abrudean, getroffen.

Erntehelfer nach Hause geschickt und wieder zurückgeholt

Wenige Stunden später habe der Präfekt seine Entscheidung jedoch revidiert, sodass die Flüge am Karfreitag dennoch starten sollten. Bereits vom Flughafen abgewiesene Erntehelfer wurden wieder zurückgeholt. Er habe bei seiner Abwägung an die Menschen gedacht.

Mindestabstand missachtet

Grund für die Entscheidung zur Annullierung waren Probleme am Vortag: Nach übereinstimmenden Medienberichten war der Flughafen von Cluj mit der Organisation am Donnerstag völlig überfordert. Rund 2.000 Erntehelfer hätten gemeinsam auf dem Parkplatz vor dem Airport auf die Abfertigung gewartet. Der nötige Mindestabstand sei dabei weitestgehend nicht eingehalten worden. Die Flüge aus Rumänien landeten später in Berlin-Schönefeld und Düsseldorf.

Verwirrung um neue Verordnung

Am Samstag zeigte sich die Lage auf Fotos in rumänischen Medien am Airport in Cluj ganz anders. In geordneten Reihen hielten die Passagiere meterweit Abstand voneinander. Für Verwirrung hatte jedoch auch eine neue Verordnung gesorgt, wonach alle Flüge 48 Stunden vor Abflug eine Sondergenehmigung des Innenministeriums brauchen. Die Vorgabe wäre für die bereits geplanten Flüge am Freitag und Samstag gar nicht einzuhalten gewesen.

Helfer werden zunächst untersucht

In Deutschland gelten gerade strenge Auflagen für die eingereisten Erntehelfer.

Erntehelfer arbeiten auf einem Feld
Deutsche Bauern hatten auf ausländischen Erntehelfern bestanden. (Archivbild) Bildrechte: dpa

So werden sie nach der Landung zunächst auf Covid-19 untersucht, bevor sie zu ihren landwirtschaftlichen Betrieben dürfen. 

Die Bauern in Deutschland müssen zudem in Unterkünften und bei den Arbeiten auf dem Feld auf Mindestabstände ihrer Erntehelfer achten.

Ausnahmeregelung auf Drängen der Bauern

Der internationale Reiseverkehr ist in Rumänien wegen der Corona-Pandemie derzeit untersagt. Der Deutsche Bauernverband hatte aber auf Ausnahmeregelungen für Erntehelfer gedrängt. Zur Begründung hieß es, ohne das Personal könne auf vielen Höfen in Deutschland weder angepflanzt noch später geerntet werden.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesinnenminister Horst Seehofer hatten daraufhin zu Monatsbeginn vereinbart, im April und im Mai insgesamt 80.000 ausländische Erntehelfer aus Rumänien einreisen zu lassen – jedoch nur über den Luftweg. Man wolle damit "stundenlange Busreisen durch Europa aus Infektionsschutzgründen" verhindern, hieß es zur Begründung.

Spargel Auftakt für Erntesaison

Die Spargelernte ist für viele Erntehelfer der Auftakt der Saison. Gleichzeitig werden zurzeit auch zahlreiche Kulturen gesät, die in den kommenden Monaten geerntet werden sollen. Für viele Höfe, auch in Mitteldeutschland, war in den vergangenen Tagen unklar, ob sie ihr bereits gekauftes Saatgut in die Erde bringen können.

Mehrere landwirtschaftliche Verbände hatten Mitte März gewarnt, dass die Lebensmittelversorgung auf dem Spiel stünde, wenn kein Weg gefunden würde, ausländische Erntehelfer nach Deutschland einreisen zu lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. April 2020 | 18:30 Uhr