Radikalisierung im Gefängnis Sachsen: Rechtsextremismus verbreiteter als Islamismus

In Sachsen sitzen mehr Strafgefangene mit rechtsradikalem Hintergrund im Gefängnis als mit islamistischem. Um der Radikalisierung während der Haft vorzubeugen oder Menschen zu deradikalisieren, setzen die Gefängnisse auf verschiedene Maßnahmen.

JVA Zeithain
In Sachsen sitzen mehr Rechtsradikale als Islamisten im Gefängnis. Bildrechte: IMAGO

"Ja, Radikalisierung in Gefängnissen kommt vor", sagt Manuel Matzke. Er ist Sprecher der Gefangenen-Gewerkschaft (GG/BO) und selbst im offenen Vollzug der JVA Zeithain in Sachsen. Die Menschen seien auf engstem Raum untergebracht. Natürlich ließen sich dann Menschen, die psychisch schwächer seien, für solche Ideologien gewinnen, erklärt Matzke. Aber: "Vom Islamismus muss ich sagen, haben wir das so in Sachsen nicht." Viel einfacher sei es, Menschen für rechte Strukturen zu gewinnen, sagt Matzke.

Gefangene mit rechtem Hintergrund

Das sagt auch Sachsens Justizministerin Katja Meier von den Grünen. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass es im sächsischen Justizvollzug islamistische Radikalisierungsnetzwerke gebe: "In Sachsen sind die Tendenzen sehr viel weniger ausgeprägt, weil wir kaum Gefangene haben, die von den Behörden als Gefährder eingestuft werden. Und entsprechend haben wir weniger Strafgefangene, die mit dem Hintergrund des Islamismus inhaftiert werden. Hingegen haben wir im Bereich des Rechtsradikalismus oder des Rechtsterrorismus weitaus mehr Verurteilte im sächsischen Vollzug."

Jede Form des Extremismus werde ernst genommen. Der sächsische Vollzug arbeite eng mit dem Landeskriminalamt und mit dem Landesamt für Verfassungsschutz zusammen.

Außerdem gebe es einen Fachaustausch mit anderen Bundesländern, sagt Meier. "Für uns ist aber auch wichtig, dass es Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vollzug gibt. Dass es Supervision für die Justizbediensteten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des psychologischen Dienstes und der Sozialdienste ganz explizit zu den Themen Extremismus, Radikalisierung, sowie interkulturellen Konflikten gibt", sagt Meier.

Deradikalisierung: "Langwieriger Prozess"

Um solche Angebote für Mitarbeitende und Insassen kümmert sich unter anderem das Violence Prevention Network, also das "Netzwerk Gewaltprävention", das seit 2015 auch vom Bundesjustizministerium beauftragt ist.

Thomas Mücke ist Geschäftsführer des Netzwerks. Mücke zufolge kommt es eher nicht vor, dass Häftlinge erst in der Haft anfangen, extremistisches Gedankengut zu hegen. Und man könne feststellen, dass in Vollzugsanstalten mehr ein Augenmerk auf Radikalisierung gerichtet werde. In einigen Bundesländern gebe es Strukturbeobachter, die sehr genau beobachteten, wie sich die Insassen äußerten und verhielten.

Entscheidend sei aber, dass in den Justizvollzugsanstalten auch Personen wären, die zum Beispiel wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden seien: "Und mit diesen Personen wird sehr gezielt und direkt gearbeitet", erklärt Mücke.

Auch der mutmaßliche Messerattentäter von Dresden wurde im Rahmen der Netzwerkarbeit begleitet – erfolglos. Deradikalisierung sei ein langwieriger Prozess, betont Mücke.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. November 2020 | 05:09 Uhr

18 Kommentare

nasowasaberauch vor 10 Wochen

"In Sachsen sitzen mehr Strafgefangene mit rechtsradikalem Hintergrund im Gefängnis als mit islamistischem." Dieser Satz mag stimmen, aber er stellt eine absolute Zahl ohne Betrachtung der Größenverhältnisse der Bevölkerungsgruppen. Die Anstrengungen der Deradikalisierung haben zuletzt in Dresden nicht funktioniert. Abgesehen von den Kosten können die Irrtümer der Psychologen Menschenleben kosten. Meine Lösung der Deradikalisierung heißt Ausreise, weil der radikale Islamismus nicht zu Deutschland gehört.

horst 63 vor 10 Wochen

Es ist egal ob einer linke, rechte, grüne, christliche oder islamistische Anschläge plant oder unterstützt, wer gegen Gesetze (Leben u. Gesundheit von Menschen gefährdet/tötet) verstößt, muss dafür bestraft werden und Schadensersatz leisten (nicht mit unserem "Kuschelknast"). Nach 8-10 h körperliche Arbeit hat er nicht mehr viel Zeit und Lust sich zu "radikalisieren". Wer sich nicht an deutsche/europäische Gesetze hält und er ist kein dt. Staatsbürger, oder hat zwei davon, soll er doch in der seiner Heimat/2.Heimat glücklich werden, ohne wenn und aber.

faultier vor 10 Wochen

Wenn man jetzt böse wäre ,würde man sagen sie können sich nicht im Gefängniss radikalisieren weil sie alle noch frei rumlaufen und nicht mal eine Fussfessel tragen obwohl es rechtlich möglich wäre.