Intensivmedizin Sachsens Kliniken wappnen sich für Corona-"Welle"

Die Johns Hopkins Universität zählt mittlerweile weit mehr als 30.000 Corona-Infizierte in Deutschland. In Sachsen sind es laut Staatsregierung bereits mehr als 1.000. Auch wenn davon aktuell nur ein kleiner Teil stationär behandelt werden muss – am Donnerstagnachmittag war von acht Schwerkranken die Rede –, die Zahl wird steigen. Die Kliniken bereiten sich entsprechend vor. Sie beschaffen mehr Beatmungsgeräte, richten extra Isolierstationen ein und suchen freiwillige Krisenhelfer.

Ein leeres Bett steht in der Intensivstation des Prosper Hospitals.
Sachsens Kliniken wappnen ihre Intensivstationen für eine Vielzahl schwer kranker Covid-19-Patienten. Bildrechte: dpa

Dienstagmorgen wurden die ersten beiden Corona-Infizierten in der Uniklinik Leipzig eingeliefert. Zwei Männer aus Bergamo. Sie gehören zu einer Gruppe von insgesamt acht schwerkranken Italienern, die in Sachsen behandelt werden sollen. Laut dem medizinischen Vorstand Christoph Josten hatte die Uniklinik am Dienstagnachmittag noch keine weiteren beatmungspflichtigen Patienten.

Trotzdem erwarten wir in den nächsten Tagen, entsprechend der epidemiologischen Vorhersagen, doch deutlich mehr Patienten, die schwer erkrankt sind.

Christopher Josten Medizinischer Vorstand Uniklinikum Leipzig

Laut Josten hat man an der Klinik den Eindruck, dass die meisten Patienten, die sich vorstellen, schwerere Symptome aufweisen als bei einer leichten Grippe: "Also wir erwarten deutlich mehr Intensivpatienten die nächsten Tage", folgert der Mediziner.

Sachsen rechnet mit 300 neuen Intensivbetten

Die Uniklinik stimmt sich bei der Behandlung der Covid-19-Patienten mit dem Klinikum St. Georg im Leipziger Norden ab. Dort kommen die leichteren Fälle hin. Die Uniklinik nimmt die schwer kranken Menschen auf. Dafür hat sie eine extra Intensivstation eingerichtet. Im Notfall könnte man auf bis zu 150 Intensiv-Betten zurückgreifen.

Auch die anderen sächsischen Kliniken würden ihre Kapazitäten derzeit ausbauen, sagt Stephan Helm, Geschäftsführer der Krankenhaus-Gesellschaft des Landes: "Wir sind mit 1.200 Intensiv-Kapazitäten in diese Situation geraten." Man gehe aber davon aus, dass die Krankenhäuser im Rahmen ihrer Alarmpläne insgesamt Kapazitäten von etwa 1.500 Intensiv-Betten aktiviert hätten. In den nächsten Tagen soll diese Zahl laut Stephan Helm auf rund 2.500 Betten erhöht werden.

Corona-Kliniken und ungewöhnliche Alternativen

In manchen Regionen werden Krankenhäuser auch zeitweise zu reinen Corona-Kliniken umfunktioniert. Zum Beispiel in Stollberg und Olbernhau.

Darüber hinaus hatten einige Hoteliers ihre leer stehenden Zimmer für Covid-19-Patienten angeboten. Würde das helfen? Stephan Helm antwortet: "Im Moment ist jede Idee willkommen. Und bevor ich da in Richtung Hotels denke, sind wir im Moment in engem Kontakt mit den Rehabilitationskliniken. Das ist unsere Präferenz."

Studierende als Hilfspersonal

Daneben versuchen die Krankenhäuser zusätzliches Personal für die Zeit der Krise zu gewinnen, Medizin-Studenten etwa. Bei der Leipziger Uniklinik hätten sich auch schon viele gemeldet, sagt Christoph Josten: "Wir haben da schon mehrere Hundert identifiziert." Nun wolle man analysieren: Haben die Kandidaten Pflege- oder Rettungsdienst-Erfahrung? In den kommenden Wochen wolle man sie schließlich vorbereiten – auf die "Welle" an Patienten, die eine intensiv-medizinische Versorgung bräuchten.

Schutzanzüge, Masken und Beatmungsgeräte benötigt

Mental sei man dafür gut gewappnet, ergänzt Josten. Nur der Vorrat an Schutzanzügen, Masken und Beatmungsgeräten könnte knapp werden. Deshalb versuche Sachsen im Ausland Material zu organisieren, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping mit.

Und es gebe noch eine Möglichkeit, sagt Köpping: "Dass das Wirtschaftsministerium, das Innenministerium, auf die Firmen zugeht und Anfragen stellt, ob eine Produktionsumstellung möglich ist, und zwar kurzfristig." Es gebe auch erste positive Signale, sagt Köpping weiter, aber man habe noch keine konkrete Rückmeldung. Christoph Josten von der Uniklinik hält diesen Weg für den besseren. Schließlich brauche die ganze Welt gerade Schutzkleidung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2020 | 05:00 Uhr