Digitalisierung Internetprobleme an Hochschulen

Es kann anstrengend sein, sich über Online-Konferenzen auszutauschen: Der eine hat die Kamera aus, die andere hat kein Mikrofon oder die Internetverbindung ist so schlecht, dass man nur erahnen kann, was der Teilnehmende sagt. Das kann auch für Studentinnen und Studenten problematisch werden, denn: Momentan finden Seminare und Vorlesungen online statt. Und das kann manchmal eine große Belastung sein.

Eine Frau arbeitet während der Corona-Einschränkungen im Homeoffice
Wegen Corona wurden auch die Studierenden ins "Homeoffice" versetzt. Bildrechte: imago / imago images / Hans Lucas

Amanda Steinmaus ist Studentin und im Vorstand des Dachverbands von Studierendenvertretungen in Deutschland. Sie nimmt zwar momentan nicht an der Online-Lehre teil, kennt das Problem mit schlechter Internetverbindung aber aus ihrem Umfeld:

Eigentlich kommt es immer vor, dass irgendwem das Internet wegbricht. Freundinnen von mir sind in einer WG zu viert und dann ist es natürlich klar, wenn alle vier gleichzeitig was streamen wollen, dass dann das Internet nicht immer ausreicht.

Amanda Steinhaus, Studentin und im Vorstand des Dachverbands von Studierendenvertretungen in Deutschland

Die Bedingungen seien zumindest für manche Studierende schwierig: "Das geht natürlich von den Leuten, die wirklich kein technisches Endgerät dafür haben oder nur auf ein Smartphone zurückgreifen können, was jetzt nicht so optimal ist, um an der Lehre teilzunehmen, bis hin zu Internetschwierigkeiten." Dazu kämen natürlich noch außergewöhnliche Lasten aufgrund der Krise, zum Beispiel Jobverlust, wie Amanda Steinhaus sagt.

Studierende sind durchschnittlich technisch gut ausgestattet

Ein junger Mann mit Atemschutzmaske bedient einen Laptop
Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Umfragen und Zahlen zur Frage, wie sehr schlechtes Internet aktuell die digitale Lehre beeinflusst, gibt es bislang kaum. Eine Umfrage der TU Dresden zu diesem Thema mit 134 Befragten zeigt: Die technische Ausstattung der Studierenden ist gut. Knapp 90 Prozent gaben an, der eigene Internetanschluss verfüge über keine Begrenzung des Datenvolumens – sie könnten also unbegrenzt Folien herunterladen und Lernvideos anschauen. Auch Mikrofone, Lautsprecher und Kamera sind bei mindestens 80 Prozent der Befragten vorhanden.

Diesen Eindruck bestätigt eine kurze Umfrage von MDR AKTUELL unter mitteldeutschen Hochschulen: Der Hochschule Schmalkalden seien keine nennenswerten Probleme mit schlechtem Internet bekannt. Auch eine interne Umfrage der Hochschule Gera-Eisenach aus dem April zeigt: Nur bei drei Prozent der Befragten sei die private Internetverbindung so schlecht, dass man digitale Angebote nicht nutzen könne.

Anonymität und Kommunikationshindernisse

Ähnliches beobachtet Stefan Twieg, Professor für Elektrotechnik an der Hochschule Anhalt. Vereinzelt sei die Internetqualität mal schlechter und das Video werde unterbrochen. Schwierig sei aber etwas anderes in der Online Lehre:

"Klar ist es ein bisschen die Anonymität des Internets, die ist natürlich nicht hilfreich. Da merkt man schon, dass es einigen Studierenden nicht so leicht fällt, Inhalte mitzunehmen, aber auch selbst in der Kommunikation untereinander, wenn dann Kameras oder Mikrofone nicht richtig genutzt werden, dann ist es zum Teil natürlich schwierig."

Umstellung und Gewöhnung im digitalen Semester

Im besten Fall werden sich Studierende an diese Umstellung gewöhnen. Es könnte allerdings sein, dass sich auch ein anderes Bild ergibt, was technische Ausstattung und Internetverbindung betrifft. Aktuell würden viele Befragungen erst durchgeführt, erklärt Yasmin Djabarian vom Hochschulforum Digitalisierung:

Wie sind sie denn technisch ausgestattet? Wie gestaltet sich der digitale Workload im digitalen Sommersemester? Viele Studierende sind in ihren WGs mit vier Mitbewohnerinnen, alle sind gleichzeitig in der Videokonferenz oder sie sitzen in ihrem alten Kinderzimmer, vielleicht bei Eltern im ländlichen Raum und haben ganz andere Hürden, an synchronen Lernangeboten teilzunehmen, an Videokonferenzen oder ähnlichem.

Yasmin Djabarian, Hochschulforum Digitalisierung

Es sei wichtig, solche Fragen im Laufe des Semesters zu klären und sich dann mit den Studierenden auszutauschen, wo Lernbedingungen verbessert werden müssten. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Juni 2020 | 05:00 Uhr

0 Kommentare