Sachsen-Anhalt Schule und Corona: Elternrat kritisiert "Schnupfenpapier"

Kinder mit Schnupfen dürfen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Schule und Kita. Eine laufende Nase gilt in Mitteldeutschland nicht als Coronasymptom. Und wie sieht es mit leichtem Husten aus? Manche Bundesländer haben Entscheidungshilfen für Eltern bereitgestellt. Allerdings helfen die offenbar nicht in jeden Fall oder führen gar zur Verwirrung.

Ein Schüler steht an einer Ampel und schneuzt in ein Papiertaschentuch
Da hinter Erkältungssymptomen auch eine SARS-CoV-2-Infektion stecken könnte, sind Eltern oft unentschlossen, ob sie ihr Schulkind lieber zuhauselassen sollten. Bildrechte: dpa

Wann muss mein Kind zu Hause bleiben? Das ist hier die Frage: die Ausgangsfrage des sachsen-anhaltischen "Schnupfenpapiers". Dieser umgangssprachliche Begriff scheint sich inzwischen für das Behördenschreiben durchgesetzt zu haben. Es zeigt Kästchen mit Symptomen und Handlungsempfehlungen, und viele, viele Pfeile.

Die leiten durch das Diagramm: Vom Kästchen "Husten" geht es etwa zum Kästchen "Kein Besuch der Schule" und von da aus weiter zum Arzt oder zur Ärztin. Ziel ist der Satz ganz unten: "Das Kind darf WIEDER in die Schule." Im schlimmsten Fall mit dem Umweg über das Kästchen "Zehn Tage häusliche Isolation" nach einem positiven Test auf das neuartige Coronavirus.

Nur Entscheidungshilfen bei bis zehn Jahre alten Schulkindern

Seit Ende August können Eltern in Sachsen-Anhalt die Entscheidungshilfe nutzen. Matthias Rose vom Landeselternrat hält diese allerdings für unzureichend. Vor allem, weil sie nicht für alle Schülerinnen und Schüler gelte, sondern nur für Kinder bis zehn Jahren, sagt Rose: "Aber völlig unklar ist natürlich, was der Unterschied ist zwischen Schülern, die über zehn Jahren alt sind, und solchen, die unter zehn Jahren alt sind."

Für Kinder, die älter als zehn Jahre sind, treffe das Papier an dieser Stelle keine weitere Aussage, sagt Landeselternratsmitglied Rose. Das Papier verweist bei älteren Schülern auf Hinweise des Robert Koch-Instituts auf den folgenden Seiten. Allerdings tragen diese den Titel: "Orientierungshilfe für Ärztinnen in Ärzte". Doch Matthias Rose bemerkt: "Die wenigsten Eltern in Sachsen-Anhalt sind Ärztinnen und Ärzte."

Empfehlungen bei Husten sorgen für Verwirrung

Auch seien die Formulierungen in dem Papier zum Teil schwammig, sagt Matthias Rose. So müssen Kinder mit "Husten" zu Hause bleiben, Kinder mit "unauffälligem Husten" hingegen dürfen in die Schule. Rose vom Landeselternrat sagt dazu: "Aber, woran man das feststellen kann, ob es ein unauffälliger Husten ist oder nicht, ist eine spannende Frage. Das wird hier nicht beantwortet und das wird hier jetzt den Eltern zugeschoben."

Weitere Unklarheiten würden sich laut dem Landeselternrat aus dem aktuellen Rahmenplan für Schulen ergeben. Darin heißt es, dass Kinder auch dann zu Hause bleiben müssen, wenn ein Familienmitglied hustet oder fiebert. Dazu sagt Matthias Rose: "Insofern haben wir das Problem, dass einige Eltern sich nicht mehr trauen, ihre Kinder überhaupt in die Schule zu lassen, weil irgendwer in der Familie immer hustet." Matthias Rose wünscht sich klare Ansagen.

Lehrer Chris Bergmann im Unterricht 29 min
Lehrer Chris Bergmann im Unterricht Bildrechte: MDR/Mia Media

Sächsisches "Schnupfenpapier" noch diese Woche erwartet

Im Großen und Ganzen zufrieden mit dem eigenen "Schnupfenpapier" ist dagegen die Sprecherin der Landeselternvertretung Thüringen, Claudia Koch. Das Dilemma aber bleibe, beklagt sie: Die schwierige Abwägung bei einer leichten Erkältung. Schnupfen, leichter Husten und Halskratzen zählen in Thüringen wie auch in Sachsen-Anhalt nicht als Ausschlusskriterium für den Schul- und Kitabesuch.

In Sachsen wird bislang nicht weiter zwischen verschiedenen Hustenausprägungen unterschieden. Auf ein prägnantes "Was-tun-wenn-Papier" hofft daher Nadine Eichhorn, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates Sachsen: "Ab wann ist es nun Husten, dass man wirklich von richtigem Husten spricht, und nicht nur dreimal verschluckt. Es ist wirklich kompliziert. Nichtsdestotrotz, es wird umso leichter, je mehr man in die Hand bekommt, das sagt, das geht und das geht nicht."

Eine Schnupfennase darf auch in Sachsen zur Schule und in die Kita gehen. Das sagt die aktuelle Allgemeinverfügung und das sollte folglich auch die Entscheidungshilfe für Eltern aussagen. Die wird gerade in Dresden erarbeitet. Laut einer Ministeriumssprecherin solle das sächsische "Schnupfenpapier" noch in dieser Woche online gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. September 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Querdenker vor 5 Wochen

Die Schüler haben schon viele „Trainingseinheiten“ mit normalen Erkältungsviren hinter sich. Das sollte jetzt erst einmal pausieren, bis ein Impfstoff gegen den neuen Coronavirus vorhanden ist oder endlich Schnelltests freigegeben werden. Die Reduzierung der Ausbreitung des pandemischen Multiorganvirus verhindert schwere Erkrankungen mit Folgeschäden und Tote. Dagegen ist die temporäre „Trainingspause“ für Schüler ein sehr geringer Preis.

ElBuffo vor 5 Wochen

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass gerade die hypochondrische Sagrotanfraktion ganz dolle Zulauf bekommt. Am besten alles und jeden vor allem und jedem bewahren und dann wegen einem Staubkorn in der Luft Atemnot bekommen.
Nur so als ganz kleiner Hinweis am Rande: Ein gutes Immunsystem kann man sich nur aufbauen, wenn man ihm ständig etwas zu tun gibt. Erkältungen gehören somit bei Kindern zur ganz normalen gesunden Entwicklung dazu.
Also Kinder Kinder sein lassen und sich auf die Risikogruppe konzentrieren.

Querdenker vor 5 Wochen

Kann zum Thema Kekulés Corona-Kompass Folge 100 empfehlen.

siehe „mdr Kekulé #100: Neues zur Viruslast bei Kindern“

Bei Erkältungssymptomen sollten Kinder finde zu Hause bleiben. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Hoffentlich kommen bald preiswerte Schnelltests für jedermann.