Wirtschafts-Schulbücher Studie: Schulunterricht festigt alte Rollenbilder

In den Schulbüchern fehlen die weiblichen Vorbilder, bemängelt eine Studie der Friedich-Naumann-Stiftung: In kaum einem Wirtschaftsbuch sei eine Führungsrolle weiblich besetzt. Das müsse sich im Sinne der Gleichstellung dringend ändern, fordert Stiftungs-Chef Karl-Heinz Paqué.

Eine weibliche Playmobil-Figur steht vor mehreren männlichen Figuren.
Eine Frau in einer Führungsposition? Fehlanzeige in vielen Schulbüchern. Dort werden einer Studie zufolge alte Rollenbilder zementiert. Bildrechte: dpa

In Schulbüchern für den Wirtschaftsunterricht werden einer Studie zufolge vielfach alte Rollenbilder gefestigt. In den Büchern kämen fast nie Unternehmerinnen oder Managerinnen vor, schreibt die "Welt am Sonntag", der die Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung vorliegt.

"Frauen sind keine Arbeitgeberinnen", erklärten die Forscher vom Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen. "Arbeitgeber sind Männer, Frauen sind Mitarbeiterinnen oder Kundinnen." Auch der Vorgang von Unternehmensgründungen werde fast ausschließlich als männliche Veranstaltung dargestellt.

Keine Frauen in Führungspositionen

Auf den rund 5.000 untersuchten Schulbuchseiten für den Unterricht in der Mittelstufe und der gymnasialen Oberstufe werde lediglich eine einzige erfolgreiche Unternehmerin dargestellt, heißt es laut Bericht in der Studie mit dem Titel "Weibliche Vorbilder in Wirtschaftsschulbüchern". Auch sonst kämen Frauen in Führungspositionen "nur in homöopathischen Dosen vor", kritisierten die Forscher. In 99 Prozent aller Fälle seien Frauen in der Arbeitswelt in untergeordneten Rollen dargestellt.

In den Schulen müsse sich dringend etwas ändern, forderte daraufhin der Chef der Naumann-Stiftung, Karl-Heinz Paqué. "Wir wollen, dass Mädchen davon träumen, erfolgreiche Unternehmerinnen zu werden", sagte er. Dafür müssten im Bereich Gleichstellung nicht nur Symptome, sondern die Ursachen bekämpft werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Februar 2020 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2020, 10:54 Uhr

17 Kommentare

Erichs Rache vor 6 Wochen

Liebe MDR-Redaktion,

Ihre Aussage "Es kann persönliche Gründe, wie beispielsweise die Karriere oder auch die Angst vor Verlust der Unabhängigkeit, haben. Auch gesellschaftliche Entwicklungen fallen in die persönliche Entscheidung mit rein, ob und wie viele Kinder man bekommen möchte."
passt leider nicht zum Forschungsstand:
„Wenn Mütter insbesondere in Westdeutschland heute in der Regel nach der Geburt von Kindern ihre Berufstätigkeit für eine zwei-bis dreijährige Elternzeit unterbrechen und im Anschluss zum größeren Teil nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, ergeben sich durch diese Veränderungen .. langfristig häufig ... Einflüsse auf das Haushaltseinkommen, verbunden mit weniger guten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten der Mütter. .... die Befunde der aktuellen Untersuchung deuten darauf hin, dass in den Ehen und Partnerschaften in Deutschland zuerst die Mütter weitere Kinder für sich ausschließen ....“

Erichs Rache vor 7 Wochen

Liebe MDR-Redaktion,

an dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen, Herrn Prof. Dr. Fratscher zitierend bedanken: "Die Elite verschließt die Augen"

Weiterführende Literatur finden Sie auch bei Frau Prof. Dr. iur. Frauke Brosius-Gersdorf “Demografischer Wandel und Familienförderung“ ( ISBN 978-3-16-151285-8 )

oder bei Frau Dr. Franziska Vollmer: „Die Begünstigungen durch das Ehegattensplitting sind nicht gerechtfertigt. Die Besteuerungder Ehe muss sich daran messen lassen, ob sie entsprechend der Ausrichtung der Grundrechte jedem einzelnen Individuum gerecht wird. Es reicht nicht, das die Ehe als Gesamtheit angemessen besteuert wird. Soweit der Gesetzgeber Förderzwecke verfolgt,bestehen ebenfalls verfassungsrechtliche Schranken: Eine einseitige Eheförderung im Steuerrecht ohne gleichzeitige Förderung der Familie lässt sich mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht vereinbaren. Eine einseitige Förderung der Einverdienst-Ehe lässt sich außerdem mit Art. 3 Abs. 2 GG nicht vereinbaren.“

Erichs Rache vor 7 Wochen

Liebe MDR-Redaktion,

genau. Hier sind alle blöd, außer beim MDR.
Bleibt festzustellen, das im bevölkerungsREICHSTEM Land Europas, die wenigsten Kinder geboren werden.
Ein Grund findet sich in dem Aufsatz von Mechthild Veil "Kinderbetreuungskulturen in Europa: Schweden, Frankreich, Deutschland" in "Aus Politik und Zeitgeschichte" aus dem Jahr 2003 (!):

"Die größte Kluft zwischen gelebtem und gewünschtem Lebensmodell besteht in Deutschland bei den Frauen mit Kindern unter sechs Jahren, die mit einem voll berufstätigen Partner zusammenleben und selber nicht erwerbstätig sind. Das waren 1998 52,3 Prozent der betroffenen Frauen. Die Mehrzahl von ihnen lebte ein aufgezwungenes Hausfrauenmodell, gerade einmal 5,7 Prozent von ihnen wünschten dies tatsächlich.“