Universität Halle Semesterstart zwischen Corona und Normalität

Was die Schulen bereits gemeistert haben, steht den Hochschulen in Sachsen-Anhalt erst noch bevor – der Start in das neue Semester. Wie der aussehen wird, muss noch geklärt werden. Geht es zurück in die Normalität, läuft es weiter wie bisher oder doch ganz anders?

Ein Professor hält in einem leerem Hörsaal eine Online-Video-Physik-Vorlesung
Ob Vorlesungen bald wieder im Hörsaal vor anwesenden Studierenden gehalten werden, darüber wird gerade in Sachsen-Anhalt beraten. Bildrechte: dpa

Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt überlegen noch, wie es weitergeht. Denn nicht nur die Infektionslage entwickelt sich dynamisch, auch die rechtlichen Rahmenbedingungen werden regelmäßig angepasst.

Kein reines Digital-Semester

Trotzdem soll es kein weiteres reines Digital-Semester geben, verrät Christian Tietje, der Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Wir wollen, so viel wie es eben verantwortbar ist, wieder in Präsenz unterrichten. Wir wissen, dass wir da an Grenzen stoßen und nicht alles gehen wird."

Auch der digitalen Lehre sieht Tietje positiv entgegen: "Wir haben so viele gute Erfahrungen mit digitaler Lehre gemacht, dass sich die Studierenden auch auf die digitalen Lehrinhalte freuen können."

Schrittweise zurück zur Normalität

Rückendeckung bekommt die Universität dabei von Armin Willingmann, dem Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt.

Mir ist es wichtig, dass wir im Wintersemester ein Stück weit zur Normalität zurückkehren – freilich unter Corona-Gesichtspunkten.

Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung in Sachsen-Anhalt

Neben dem Tragen von Masken bedeutet das vor allem die Einhaltung der Abstandsregeln. Es werden daher nicht alle 20.000 Studierenden gleich wieder zurück in die Hörsäle und Seminarräume kommen können.

Neu-Studierende

Klare Priorität liege erstmal auf den Erstsemester-Studierenden, die ihr Studium in Halle in Präsenz beginnen sollen, erklärt Tietje.

Auch Lukas Wanke, Sprecher des Studierendenrats der Martin-Luther-Universität, findet diese Entscheidung richtig: "Wer neu und unerfahren an der Uni ist, braucht auch einen physischen Anknüpfungspunkt und die Gemeinschaft der Studierenden."

Hybrid-Semester sind geplant

Damit das möglich wird, arbeitet die Uni an vielen Konzepten. Das Stichwort hier: Hybrid-Semester, also die Kombination von analogen und digitalen Lehrangeboten.

Zum Beispiel könne eine Veranstaltung vor Ort stattfinden sowie parallel ins Internet übertragen werden, erklärt Rektor Christian Tietje. Das könne auch bedeuten, "dass man eine Veranstaltung mit einer Gruppe Präsenz in der Woche eins macht und mit einer zweiten Gruppe Präsenz in der Woche zwei."

Veranstaltungssäle sollen angemietet werden

Außerdem plant die Universität, die großen Veranstaltungssäle der Stadt anzumieten: das Steintor-Varieté, die Händel-Halle und den Volkspark. Die zusätzlichen Kosten dafür müssen die Universitäten selber tragen. Die Uni Halle rechnet da mit einem sechsstelligen Betrag. Vom Land sind zunächst keine weiteren Gelder geplant.

Präsenz wichtig für Lehre

Dennoch sei die Öffnung der Präsenzlehre wichtig, erklärt Tietje. "Wir haben die Naturwissenschaften, die experimentellen Fächer, wo es gar nicht anders geht. Sie müssen im Labor stehen, um bestimmte Dinge zu machen." Das gelte für viele Fächer. Aber nicht nur in den Naturwissenschaften stoße man an Grenzen im digitalen Bereich. Auch im offenen Diskurs fehle das Sich-in-die-Augen-Schauen und das miteinander Ringen um die besten Argumente, so Tietje weiter.

An der Martin-Luther-Universität ist man optimistisch, den goldenen Mittelweg zwischen Corona und Normalität zu finden. Sollten die Infektionszahlen aber wieder deutlich steigen, heißt es zurück in die reine Online-Lehre – auch für die Erstsemester-Studierenden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. September 2020 | 05:00 Uhr

0 Kommentare