Die Besetzung der ''Sesamstraße'' während einer Feier zur 50. Staffel der beliebten Kinderfernsehsendung.
Die Besetzung der ''Sesamstraße'' während der Feier zum 50. Geburtstag. Bildrechte: Richard Termine/HBO/AP/dpa

Wieso, weshalb, warum Die Sesamstraße wird 50

Seit 50 Jahren unterhalten und bilden die monströsen und menschlichen Bewohner der Sesamstraße Kinder auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland. Obwohl die Serie hier anfangs umstritten war.

Die Besetzung der ''Sesamstraße'' während einer Feier zur 50. Staffel der beliebten Kinderfernsehsendung.
Die Besetzung der ''Sesamstraße'' während der Feier zum 50. Geburtstag. Bildrechte: Richard Termine/HBO/AP/dpa

Die berühmteste Kindersendung der Welt feiert 50. Geburtstag. Am 10. November 1969 startete in den USA die Sendung "Sesame Street". Zu Deutsch: Sesamstraße. Doch auf eine Ausstrahlung in Deutschland mussten die Kinder fast noch zehn Jahre warten. Denn es gab Vorbehalte von Programmmachern, Eltern und Erziehern.

Chancengleichheit dank Monsterpuppen

Im US-amerikanischen Original ist die Sesamstraße einer typischen amerikanischen Großstadt-Wohnstraße nachempfunden. Schon in der ersten Folge traten der gelbe Vogel Bibo, Ernie und Bert, sowie das Krümelmonster auf. Die New Yorker Produktionsfirma Children's Television Workshop, CTW (heute Sesame Workshop) hatte sich 1968 gegründet, um ethnische Minderheiten zu fördern. Damit liegen ihre Ursprünge auch in der Bürgerrechtsbewegung. Ziel der Sendung war es, Kinder aus bildungsfernen Schichten zu mehr Chancengleichheit zu verhelfen.

Erfolg trotz Widerstand

Die erste Ausstrahlung in Deutschland 1973 zeigte eine US-amerikanische Episode, unsynchronisiert in einem Dritten Programm. Zuvor hatte sich der Bayrische Rundfunk vehement dagegen gewehrt, die Serie für die ARD anzukaufen.

Auch die späteren synchronisierten Folgen führten zu einem Protest-Bündnis aus Eltern, Wissenschaftlern und Erziehern. Sie störten sich an dem amerikanischen Ghetto-Flair, das nicht die Lebenswirklichkeit der Kinder in Deutschland zeigte.

Tiffy und Samson gibt es nur in Deutschland

Schließlich entstand dann doch 1976 eine deutsche Sesamstraße mit teilweise eigenen Figuren wie dem Bären Samson, Tiffy oder Finchen, der Schnecke. Wie im US-amerikanischen Original traten auch in der deutschen Fassung zahlreiche Schauspieler auf, wie Liselotte Pulver, Manfred Krug oder Dirk Bach.

Anfangs gab es in Deutschland aber Proteste gegen die Sendung. Der Bayrische Lehrerverband nannte die Sesamstraße ein "Werbe-, Drill- und Überredungsprogramm". Dennoch unterstütze die Bundesregierung den Import der Sendung mit drei Millionen Mark. Ihr Interesse bestand dabei darin, eine zu jener befürchtete "Bildungskrise" abzuwenden.

Mehr Emmys als jede andere Sendung

In Deutschland wurde der erste Ableger der "Sesame Street" kreiert. Doch es folgten Versionen rund um die Welt, darunter in Russland, China, Nigeria und Afghanistan. Bis heute hat keine andere Sendung öfter den Fernsehpreis Emmy gewonnen. Und mehr als 1.000 Studien haben bestätigt, dass Zuschauer im Vorschulalter von der "Sesamstraße" besonders profitierten. Womit sich das Kernziel der Schöpfer bis heute erfüllt hat. Und neben den Zahlen und Buchstaben, der Bedeutung von Gemüse und Milch für die eigene Gesundheit, hat sich die Sendung bis heute auch an heikle Themen wie Sucht oder Autismus rangewagt.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 20:49 Uhr