Zwei Quads fahren auf einer Rennstrecke.
Im Gegensatz zu Rennfahrern unterschätzen Laien oft die Schwierigkeiten des Quadfahrens. Bildrechte: dpa

Verkehrssicherheit Wie gefährlich sind Quads?

Quads, also vierrädrige Geländefahrzeuge, sind für viele ein Freizeitvergnügen. Dass die Sache nicht ganz ungefährlich ist, zeigen zwei Meldungen vom Wochenende: In der Nähe von Stendal starben zwei Quadfahrer. Sie prallten gegen einen Baum. Im sächsischen Rochlitz kam ein Quadfahrer ums Leben, als er auf einem Steilhang die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Wie gefährlich ist Quadfahren? Und wer darf eigentlich damit unterwegs sein?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Zwei Quads fahren auf einer Rennstrecke.
Im Gegensatz zu Rennfahrern unterschätzen Laien oft die Schwierigkeiten des Quadfahrens. Bildrechte: dpa

Daniel Jung startet einen schwarzen, hüfthohen Quad, der aussieht wie ein Kleinwagen 'oben ohne'. 87 PS, 140 km/h Spitzengeschwindigkeit. Gefährte wie diese verleiht Quad-Händler Daniel Jung in Halle-Ammendorf an seine Kunden. Alles, was sie dafür brauchen, sind ein Führerschein der Klasse B und eine halbe Stunde Einweisung. Wobei einige Kunden dabei gar nicht aufpassen, sagt Daniel Jung.

Anfänger unterschätzen Fahrweise von Quads

Es gebe häufig das Problem, dass Kunden überheblich seien und meinten, sie bräuchten keine Erklärungen, da sie bereits alles wüssten, sagt Quad-Händler Jung. Andere wiederum gäben an, alles verstanden zu haben, obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht zugehört hätten. "Die verlassen dann das Grundstück bei uns und dann sehe ich schon, wie sie den ersten Fehler machen", erzählt Jung. Vom Fahren mit angezogener Handbremse bis zum 'typischen Motorradfahrer' sei alles dabei.

Da hatte ich schon Leute, die quer über die Straße gefahren sind und währenddessen kam ein Lkw. Also es waren schon knappe Sachen dabei.

Daniel Jung, Quad-Händler

Wenn so etwas vorkommt und Daniel Jung das mitbekommt, bricht er die Vermietung ab. Seine Kunden, vom Arzt bis zum Azubi, seien oft überrascht, wie anspruchsvoll so ein Quad zu fahren ist.

Der Knackpunkt beim Quadfahren sei die Kurve, sagt Daniel Jung. Da reagiere das vierrädrige Gefährt ganz anders als ein Motorrad. "Wenn ich um die Kurve fahre, muss ich die Maschine bewegen und muss darauf arbeiten", erklärt Jung. "Beim Motorrad ist es so, dass man gefühlt einen Lenkeinschlag von fünf Grad macht, verlagert das Gewicht und fährt - übertrieben gesagt - eine 90-Grad-Kurve. Das geht beim Quad nicht."

Mehr selbstverschuldete Quad-Unfälle als andere im Verkehr

Rettungskräfte stehen hinter einem beschädigten Quad.
Bei Stendal ereignete sich erst kürzlich ein schwerer Quad-Unfall. Bildrechte: dpa

Dementsprechend sieht so auch der Standard-Unfall aus: Mit zu hoher Geschwindigkeit in die Kurve fahren und dann von der Fahrbahn abkommen. Das haben die Unfallforscher der Versicherer 2013 schon untersucht. Das Ergebnis: Bei 40 Prozent der Quad-Unfälle ist der Fahrer schuld. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Auto- oder Motorradfahrern.

Unfallforscher Siegfried Brockmann ist Leiter der Studie und sieht das Quadfahren nach wie vor kritisch. Er meint: Wenn man ein eigenes Quad habe, das man schon länger fahre und sich auf die besonderen Begebenheiten beim Fahren einstellen könne, sei das okay.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, steht zwischen zwei Dummies in hellgrauen Anzügen. Im Hintergrund ist verschwommen eine Halle zu erkennen. Brockmann trägt ein hellblaues Hemd und einen dunkelblauen Pullover und blickt in die Kamera.
Siegried Brockmann. Bildrechte: Unfallforschung der Versicherer (UDV) im GDV

Aber gerade, wenn ich es ausleihe oder wenn ich es frisch habe, dann kommen so spezielle Probleme, mit denen man möglicherweise nicht rechnet und dann ist man sehr schnell überfordert mit diesen Geräten.

Siegfried Brockmann, Unfallforscher

Siegfried Brockmann fordert daher eine Zusatzausbildung oder zumindest eine intensivere Quad-Einweisung vor dem Ausleihen.

Mitfahrer auf dem Quad nicht ratsam

Und wer Passagiere mitnimmt, der muss auch dafür sorgen, dass auch diese einen Helm tragen. Bei Daniel Jung, dem Quad-Händler und -Verleiher aus Halle, sind die Mitfahrer immer mal wieder ein Thema. "Ich hatte auch schon Leute, die mich gefragt haben, ob man da einen Kindersitz montieren kann auf dem Quad. Und da habe ich gesagt: Jetzt denken Sie bitte mal selber nach", erzählt Jung.

Nach reiflicher Überlegung sei der Kunde dann zu dem Schluss gekommen, dass Kleinkinder mitnehmen keine so gute Idee sei.

Trotz einiger unbedarfter Kunden hat es bisher selten gekracht bei Daniel Jung. Einen Unfall hat er zu verzeichnen. Einer seiner Kunden hat einen Kumpel fahren lassen. Und der ist mit dem Quad in eine Straßenlaterne gedonnert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 05:00 Uhr

5 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo Lisa, auch beim genannten Artikel ist die Kommentarfunktion freigeschaltet: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/meinung/kolumne-unter-der-lupe-landtagswahl-thueringen-100.html Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Norbert 56 NRW vor 4 Wochen

Fahre seit 30 Jahren Motorrad und hatte auch schon 3 Gespanne aber das Quad was ich relativ kurz gefahren habe war anfänglich verdammt schwer zu handhaben. Wobei man da noch zwischen Quad und ATV unterscheiden muss, beim zweiten ist auch die Sitzposition extrem hoch und das Längen-Breiteverhältnis ziemlich kritisch. Eigentlich sind diese Gefährte fürs Militär und die Forstwirtschaft wegen der geringen Bodenbelastung entwickelt worden.

Renaldo Renaldini vor 4 Wochen

Egal wie gefährlich, auf alle Fälle erst einmal eine sinnlose Diskussion anzetteln und am besten Verbote fordern.
Schlittschuhe, Leitern, Fahrräder, Ski, Skateboard, Motorräder, Sport generell etc. alles gefährlich, alles verbieten.