Coronavirus Spargel könnte teurer werden

Osterzeit bedeutet in Deutschland auch Spargelzeit. Das ist in diesem Jahr nicht anders als sonst. Nur die Umstände haben sich geändert: Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Erntehelfer aus Osteuropa schwerer ins Land und damit auf die Äcker kommen. Wird der Spargel deshalb knapp – und teuer?

Spargelfeld in Kutzleben
Durch die Corona-Pandemie können Erntehelfer aus Osteuropa schwerer ins Land und auf die Äcker. Ist die Spargelernte in Gefahr? Bildrechte: MDR/Heike Opitz

Wer wissen will, wie die Spargelernte und der Verkauf in Sachsen aktuell so läuft, muss nur im Hofladen am Spargelhof Kyhna vorbeischauen. Ein paar Kilometer nördlich von Leipzig kommt der Spargel aus der Erde und wird taufrisch verkauft.

Alle paar Minuten kommen die nächsten Kunden, meistens schon ein bisschen älter, und lassen sich von Ines Thiem die Tüten vollmachen: "Wir haben gestaunt. Schon in der ersten Woche, den ersten Tag, da war eine Schlange – da haben wir fast 300 Kilo verkauft."

Meiste Gastarbeiter aus Polen

Der Hofladen brummt – natürlich mit Corona-Schutz: Auch hier darf immer nur ein Kunde an die Theke, in der Schlange müssen zwei Meter Abstand gehalten werden.

Jürgen Kopf, der Betriebsleiter in Kyhna, skizziert einen klassischen Tagesablauf: "Morgens ernten wir, nachmittags wird er aufbereitet und sortiert und am nächsten Morgen ist er weg."

Für Jürgen Kopf könnten die Geschäfte heute kaum besser laufen. Aktuell sind für ihn 28 Arbeiter auf dem Feld unterwegs. Die meisten sind aus Polen nach Deutschland gekommen, bevor durch Corona alles anders wurde.

"Früher Spargel" kommt planmäßig

Diese Arbeiter kümmern sich in diesen Tagen um den sogenannten frühen Spargel, für den etwa ein Drittel der Ackerfläche vorgehalten wird, erzählt Kopf: "Zum Glück sind die da und können wahrscheinlich in den kommenden zwei Wochen die Flächen auch beenden."

Bundesregierung hilft

Erntehelfer arbeiten auf einem Feld
Erntehelfer aus Osteuropa werden bei der Spargelernte dringend gebraucht. Bildrechte: dpa

Wohlgemerkt: Die Rede ist immer noch vom "frühen Spargel". Die eigentliche Masse steht dann aber noch auf dem Acker. Und um die rauszuholen, braucht es deutlich mehr Hände, erklärt Kopf: "Unsere Arbeitskräfte reichen für die nächsten zwei, drei Wochen aus, dann bräuchten wir mindestens 20 Arbeitskräfte mehr."

Und da gehen die Probleme für Jürgen Kopf los. Bekanntlich sorgt Corona dafür, dass die Hilfskräfte aus Osteuropa nicht ohne Weiteres ins Land kommen.

Das Angebot der Bundesregierung, zumindest 40.000 Saisonarbeiter pro Monat einfliegen zu lassen, ist da eine Hilfe.

Erste Gastarbeiter nach Ostern erwartet

Seit Gründonnerstag sind die Maschinen von Germanwings täglich unterwegs. Auch Jürgen Kopf will dort ein paar Plätze buchen – ganz so einfach wird aber auch das nicht funktionieren, erläutert Kopf: "Habe gerade mit Rumänien telefoniert, da sind die Flughäfen zum Teil 500 Kilometer weit weg, es gibt kaum Autobahnen, also die Organisation steht noch nicht ganz fest."

Irgendwann nach Ostern hofft Jürgen Kopf, die ersten Gastarbeiter in die Maschinen zu bekommen - denn ungelernte deutsche Helfer können die Mitarbeiter aus Osteuropa auf keinen Fall ersetzen. "Die Saisonarbeiter brauchen zwei Jahre, bis die das mal richtig können."

Ohne Arbeiter Ernte teilweise verloren

Ohne die bewährten Arbeiter aus Osteuropa werden sie in Kyhna den kompletten Spargel nicht aus der Erde bekommen. Große Teile der Ernte wären verloren. Und das würde sich dann auch im Preis bemerkbar machen.

Noch kostet das Kilo in Kyhna so viel wie im vergangenen Jahr, zwischen 6 und 14 Euro, ja nach Qualität. In den kommenden Wochen geht der Preis dann runter – normalerweise, erzählt Jürgen Kopf- der auch im Vorstand des Ostdeutschen Verbandes der Spargel- und Beerenobstanbauern sitzt.

Kommt weniger Spargel aus der Erde, könnte es diesmal aber relativ teuer bleiben. Normalerweise kostet das Kilo gegen Ende der Saison, im Juni, keine 10 Euro mehr, sagt Kopf. Ob es in diesem Jahr wieder so wird, entscheidet sich in den kommenden zwei, drei Wochen – wenn genügend Erntehelfer ins Land kommen – oder eben nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. April 2020 | 05:00 Uhr