Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender Deutsche Städte irritiert über "LGBT-freie Zonen" in Polen

LGBT ist die englische Abkürzung für Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender. In Polen haben es diese Menschen besonders schwer. Immer wieder warnt die konservative Regierungspartei PIS vor der Bedrohung für das traditionelle Familienbild, die angeblich von der LGBT-Szene ausgeht. Knapp 90 Gemeinden in Polen haben sich per Beschluss zu "LGBT-freien Zonen" erklärt. Ein Problem für Partnerstädte in Mitteldeutschland, die ja gerade wegen des europäischen Gedankens der Vielfalt kooperieren.

von Julian Theilen, MDR AKTUELL

Ein Mann steht vor einem Fenster, in dem eine Regenbogenfahne hängt
Die LGBT-Szene in Polen hat es zunehmend schwer wegen der konservativen Politik der Regierungspartei PIS. Bildrechte: MDR/Olivia Kortas

"Strefa wolna od LGBT", zu Deutsch "LGBT-freie Zone" steht mit schwarzer Schrift auf gelbem Schild am Ortseingang von Pulawy, einer 50.000-Einwohnerstadt im Südosten von Polen. Juristisch nicht relevant, aber die Botschaft ist klar: Homosexuelle und Transgender sind hier nicht erwünscht.

So reagieren Stendal, Weimar und der Freistaat Thüringen

Stendal aber, seit 1999 Partnerstadt von Pulawy, steht nach eigener Aussage für Vielfalt und Toleranz. Eine Belastungsprobe für die Beziehung. Stendal bedauere, so ein Sprecher, den homophoben und transsexuellen Beschluss in Pulawy, sie hätten ihn schriftlich angefordert und lassen ihn nun prüfen. Das Ende einer Städtepartnerschaft sei aber unrealistisch und würde gegenseitiges Verständnis erschweren.

Ähnlich sieht es auch der Freistaat Thüringen, der seit über 20 Jahren eine Partnerschaft zur Woiwodschaft Kleinpolen pflegt. Der südliche Verwaltungsbezirk, in dem auch Krakau liegt, ist nun ebenfalls LGBT-freie Zone. Kleinpolen habe damit zwar die gemeinsame Wertebasis verlassen, teilte Thüringens Regierung in einem Schreiben an MDR AKTUELL mit, ein Abbruch der Beziehung seien derzeit aber kein Thema, und weiter: "Vielmehr soll es darum gehen, in einen Dialog zu Fragen der Menschenrechte, Freiheit und Selbstbestimmung im Sinne des EU-Vertrags und der EU-Grundrechtecharta einzutreten, die im EU-Mitgliedsland Polen ebenso gültig sind und Anwendung finden sollten."

Dialog statt erhobener Zeigefinger

Auf Gespräche setzt auch die Stadt Weimar, die mit Zamosc ebenfalls eine LGBT-freie Partnerstadt hat. Richtig so, sagt FDP-Politiker Alexander Müller. Er ist Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe, die sich um Kontakte zum Nachbarn bemüht. Mit Sorge beobachtet auch er die demokratiefeindlichen Entwicklungen im Nachbarland, aber: "Man muss sehr vorsichtig sein, mit dem erhobenen Zeigefinger im Ausland herumzulaufen. Das ist gerade vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte schwierig." Gemeint sind die schweren Verbrechen der Nazis im besetzten Polen.

Mehr Jugendaustauschprogramme statt Homophobie

Müller glaubt, homophobe Aussagen müssen argumentativ widerlegt werden. Immer wieder würden auf seinen Polen-Reisen Menschen behaupten, es sei unnatürlich, Sex zu haben, wenn dabei kein Kind gezeugt werden könne. Oft stelle er dann die Frage, ob er oder sie nicht auch schon mal verhütet habe. "Dann frage ich, was denn daran jetzt natürlicher ist. Das wird er Ihnen natürlich verneinen. Da machen Sie ihn nachdenklich."

Ein Abbruch der Partnerschaften von Städten könne für ihn deshalb keine Lösung sein. Im Gegenteil: Es brauche mehr Jugendaustauschprogramme, mehr politische Kontakte nach Polen, so Müller. Auch, um die progressiven Kräfte zu stärken,  die unter den Diskriminierungen in den LGBT-freien Zonen leiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2020 | 05:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 13:50 Uhr

65 Kommentare

der Uwe vor 2 Wochen

Nur mal noch soviel zur Ansicht des Begriffs "Glauben":
Glauben ist meines Ermessens eine Annahme eines Sachverhaltes, der sich NICHT durch Wissen oder durch Erfahrung bestätigt hat. "Glauben" viele haargenau das Selbe, und ist die Sichtweise regional " zufällig" anders ( aber dennoch nahezu flächendeckend), so handelt es sich augenscheinlich nicht um " Glauben" , sondern um EINREDEN oder EINGEREDET.- Dem lokal- regionalen Vorzugsinteressen der " nächsten Vertreter" natürlich angepasst. ... und Sie bringen den Vergleich mit der Hasenzucht.....

Jan vor 2 Wochen

Dann sitze ich zu sehr auf dem Schlauch. Ich mag es, wenn man nicht um den heißen Brei drumherum erzählt.
Hier noch mal mein Statement ein pauschales Ausgenzen von Menschen, weil sie Schwule, Lesben oder Transgender sind ist für mich ein absolutes NoGo. Es gab schon mal Zeiten, da wurden Menschen für für ihre Neigungen ins Gefängnis oder sogar ins Zuchthaus gesteckt. Sie haben keinem Menschen was getan.

winfried vor 2 Wochen

Jan, danke für Replik.

(1) Mit "wir" meine ich die Forum-Gemeinde.
(2) Die Wortwahl "von-Gott-gegebene" habe ich bewusst in "..." gesetzt,
weil - von-Gott-gegeben - eine Glaubensfrage ist, zu der wir erst im Jenseits eine Antwort bekommen.

Ich hoffe, dass Sie jetzt mit meiner Stellungnahme mehr anfangen können, denn "mehr geht nicht".