Grippe in Sachsen Grippewelle hat gerade erst begonnen

Während das Corona-Virus in den Schlagzeilen ist, scheint fast vergessen, dass in Deutschland die Gefahr viel größer ist, an der Grippe zu erkranken. Und die fängt jetzt gerade erst richtig an. Wie ist der aktuelle Stand in Sachsen?

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Frau liegt mit Grippe im Bett
Die Grippewelle hat gerade erst begonnen. Bildrechte: imago images/PPE

Vormittags in Leipzig Paunsdorf. Im Warteraum der Praxis von Dr. Torben Ostendorf ist jeder einzelne der hellgrünen Stühle besetzt. Fast 300 Patienten werden bis 14 Uhr da gewesen sein. Grippe hat voraussichtlich aber keiner davon, so der Hausarzt.

"Wir haben seit Anfang Januar knapp 3.000 Patienten gesehen und davon 155 mit respiratorischen Infektionen des oberen Atemtraktes. Das macht gerade mal 3,5 Prozent unseres gesamten Patientenkollektivs aus. Das ist also immer noch eine sehr geringe Fallzahl."

Bisher 2.400 Grippefälle in Sachsen

Die könnte aber bald anwachsen. In Sachsen insgesamt hat es in dieser Saison bisher 2.400 Grippefälle gegeben – darunter einen Todesfall. Fast 1.100 davon in der vergangenen Woche. So meldete es das Gesundheitsministerium in Dresden. Ungewöhnlich sei der schnelle Anstieg aber nicht, erklärt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut.

"Wir sehen im Moment bundesweit etwa 9.000 labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen pro Woche und das ist eine Größenordnung, die im Rahmen der üblichen Schwankungen ist."

Seit Oktober wurden insgesamt 42 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion an das Robert-Koch-Institut übermittelt. Auch das weiche bisher nicht von der Norm ab und verhält sich ähnlich wie im Vorjahr. Ob das so bleibt, wagen Mediziner aber nicht zu prognostizieren. Klar ist nur: Wir sind noch am Anfang.

Grippewelle hat gerade erst begonnen

"Eine Grippewelle dauert üblicherweise drei bis vier Monate," sagt Glasmacher. "Und sie hat jetzt vor etwa drei Wochen begonnen. Wir werden jetzt also sicher noch einige Wochen ansteigende Zahlen sehen."

Die meisten, die sich die Krankheit einfangen haben, waren nicht geimpft. Zwar verändert sich das Virus jedes Jahr, sodass der Schutz durch die Impfung nicht garantiert ist, aber die Chance, sich nicht anzustecken steigt. Hausarzt Ostendorf hat viele Patienten, die sich deshalb dafür entschieden haben. "Wir können sagen, dass für unsere Praxis eine sehr hohe Impfteilnahme war, wir haben seit Beginn der Saison 1.200 Patienten gegen Grippe geimpft. Kleiner Pieks, große Wirkung, hat gut funktioniert."

Wer sollte sich impfen lassen?

Und auch jetzt lohnt sich Impfen noch – insbesondere für Risikogruppen. Die Ständige Impfkommission zählt dazu jeden über 60 Jahre – denn bei älteren Personen verläuft die Grippe oft schwerer. Aber auch Schwangere und chronisch Kranke sollten sich laut Kommission impfen lassen, genauso wie medizinisches Personal, das häufiger mit Erkrankten in Kontakt kommt. Zahlen müssen alle in der Risikogruppe dafür übrigens nicht. Das übernimmt die Krankenkasse. Bei allen anderen liegt es an der Kasse selbst. Oft hilft aber ein Gespräch mit dem Arzt, damit die Kosten übernommen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2020, 05:00 Uhr

0 Kommentare