Mütter stillen ihre Kinder in einem Einkaufszentrum
Frauen stillen ihre Kinder in einem Geraer Einkaufszentrum bei einem Still-Flashmob. Kurz zuvor wurde dort eine junge Mutter dazu aufgefordert, das Stillen zu unterlassen. Bildrechte: MDR

Stillen in der Öffentlichkeit "Macht die das jetzt wirklich? Packt die ihre Brüste aus?"

Wer in Deutschland öffentlich stillt, muss damit rechnen, kritisch beäugt zu werden. In den sozialen Medien wird das Thema mitunter sogar sehr hitzig diskutiert. Auf Twitter reichen die Kommentare von "Das ist die natürlichste Sache der Welt" bis hin zu "Macht das zu Hause, ihr Milchkühe!". Die Schauspielerin Nina Bott ist nach eigenen Angaben in Hamburg aus einem Café geschmissen worden, weil sie dort ihr Baby gestillt hatte. Sie habe sich richtig ausgestoßen gefühlt.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Mütter stillen ihre Kinder in einem Einkaufszentrum
Frauen stillen ihre Kinder in einem Geraer Einkaufszentrum bei einem Still-Flashmob. Kurz zuvor wurde dort eine junge Mutter dazu aufgefordert, das Stillen zu unterlassen. Bildrechte: MDR

Babette Richter aus Halle stillt die jüngere ihrer beiden Töchter noch, auch öffentlich. Vor allem in Cafés klappe das gut. Für sie gebe es allerdings auch keinen Ort, an dem man nicht stillen könne. Sie selbst tue es an allen Orten, an denen sie sich wohlfühle und ihr Kind sich in Ruhe ihrer Brust zuwenden könne.

Ältere Generation stört sich eher am öffentlichen Stillen

Gehässige Kommentare habe Richter beim Stillen noch nicht erlebt, sie wurde auch noch nie irgendwo vertrieben. Aber angeguckt werde sie manchmal schon, erzählt sie: "Gerade so von der Generation meiner Oma – alles so 60, 70 plus – da kommt schon mal so ein Blick: Macht die das jetzt wirklich? Packt die ihre Brüste aus und stillt das Kind?"

Dass es häufig die älteren Herrschaften sind, die sich über das Stillen echauffieren, bestätigt auch Beate Riebold vom Hebammenverband Thüringen:

Ich hab auch noch keine junge Mutter gesehen, die sagt: 'Pack mal deine Brüste ein' oder so.

Beate Riebold, Hebammenverband Thüringen

Eine Erklärung dafür hat sie nicht. Vielleicht sei das Stillen früher einfach nicht so publik gemacht worden. Wie sehen das die Menschen heute? In der Innenstadt von Halle reagiert zumindest niemand ablehnend. Für viele sei das Stillen ein natürlicher Prozess und die Entscheidung, ob man es öffentlich mache, liege bei den Müttern. Gleichzeitig fühlen einige Leute sich peinlich berührt und wollen nicht, dass die Brust der Frau dabei zu sehen sei. Das allerdings ginge Beate Riebold vom Hebammenverein zu weit:

Das finde ich nicht günstig, das ist auch einfach ein Ausschluss aus der Gesellschaft.

Beate Riebold

Wenige Prominente beteiligen sich an Diskussion

Die Frage, wie stillfreundlich Deutschland ist, wurde vor Kurzem von einer Initiative im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung untersucht. Das Ergebnis der Studie: Deutschland biete ein "moderat stillfreundliches Umfeld". Bemängelt wurde zum Beispiel, dass es in Deutschland kaum Prominente gebe, die sich sichtbar für das Stillen einsetzten. Das Ministerium möchte dafür zukünftig eine Kommunikationsstrategie entwickeln.

Vielleicht werben dann auch mehr Schauspielerinnen wie Nina Bott - die aus dem Café geschmissen wurde - dafür, das öffentliche Stillen einfach zu akzeptieren: "Wenn ich sehen würde, dass einer anderen Mama das passiert; ich weiß nicht, was ich dem Kellner erzählt hätte!" Und obwohl im Café alle den Vorfall mitbekommen hätten, hätte niemand gesagt: "Jetzt lassen sie doch mal die arme Frau in Ruhe stillen!"

Nina Bott
Die Schauspielerin und zweifache Mutter Nina Bott. Bildrechte: imago/Future Image

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2019, 05:00 Uhr

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46 Kommentare

08.06.2019 12:33 Querdenker 46

Wer kleinen Babys das Essen und Trinken verweigern will, soll sich was schämen.

Kleine Babys interessiert der kulturelle Schwachsinn oder die gedanklichen Verirrungen mancher Erwachsener nicht. Die haben schlichtweg Hunger und Durst.

Gegen Gaststätten etc. sollte es ein ordentliches Bußgeld (bei klaren Regeln) geben, wenn *ohne triftigen Grund* eine stillende Frau der Gaststätte verwiesen wird.

08.06.2019 12:23 Klaus 45

@ { 08.06.2019 11:12 Andreas Heidrich }
Wir sind tolerant und akzeptieren natürlich auch Menschen, die zwischen dem Stillen und dem Gang zum WC nicht differenzieren können. Und natürlich, Verklemmte akzeptieren wir auch.
Ich würde mich auf jeden Fall einmischen, wenn eine Mutter beim Stillen angegriffen wird und ich kann jederzeit gewährleisten, dass sich kein Kellner traut den Angriff in meiner Anwesenheit zu vollenden.
Und wenn einer dumm kuckt, ich kann auch dumm kucken und das nicht zu wenig. :-))

08.06.2019 12:13 A. 44

@41:
Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine stillende Mutter bei der Verrichtung ihrer Notdurft in der öffentlichkeit beobachtet zu haben. Irgendeinen Unterschied muss es also doch geben.

08.06.2019 11:26 Klaus 43

@ { 07.06.2019 22:22 MaP }
Die Sache ist doch ganz einfach, die Verklemmten schauen einfach weg und schon ist das Problem gelöst.

08.06.2019 11:20 Klaus 42

@ { 08.06.2019 07:14 Auf der Sonnenseite des Lebens }
Bis jetzt ist noch kein Verklempter gestorben, wenn er eine stillende Mutter gesehen hat. Und wenn dann doch Schmerzen kommen, einfach wegsehen. Das sollte doch zu machen sein, oder?

08.06.2019 11:12 Andreas Heidrich 41

@Klaus #35

Ich habe nichts gegen das "Stillen" per se. Jedoch muss dies nicht in aller Öffentlichkeit gemacht werden. In einem Cafe oder Restaurant stehen die Toiletten ja auch nicht mitten im Gastraum sodaß einem die anderen Gäste bei der Verrichtung der Notdurft beobachten können. Oder? Was "intim" ist muss auch "intim" bleiben!

08.06.2019 07:44 Klaus 40

@ { 07.06.2019 05:26 Auf der Sonnenseite des Lebens }
Was sind denn das für komische Fragen?
Das Stillen funktioniert nur dann, wenn das Kind aktiv mitmacht. Von daher ist die Selbstbestimmung des Kindes jederzeit gegeben.

08.06.2019 07:42 Jan 39

Wenn irgendwer meiner stillenden Frau dumm kommt kriegt er ne Ansage. Das hilft bei diesen intoleranten Individueen meistens. An was sich manche ereifern ist fragwürdig. Kategorie "Meckeropa".

08.06.2019 07:35 Klaus 38

@ { 07.06.2019 14:14 B }
Das ist Unsinn. Jede Mutter darf ihr Kind stillen, wenn Sie glaubt, dass Zeit und Ort richtig ist.
Wer damit ein Problem hat, der soll doch einfach wegschauen. Oder bekommt man das vor lauter Verklemmtheit auch nicht gebacken?

08.06.2019 07:26 Klaus 37

@ { 07.06.2019 18:35 goffman }
Ganz einfach, das ist das Recht der freien Meinungsäußerung.
Ich nehme mir schon das Recht heraus meine Meinung zu diesem Thema zu äußern.
Ich finde es gut, wenn Mütter ihre Kinder stillen. Mich stört auch nicht, wenn Mütter das in der Öffentlichkeit machen.