Kriminalität Intensivtäter – nach der Therapie allein gelassen?

Ronny aus Leipzig ist 38 Jahre alt, 17 davon saß er in Haft. Mit einer Therapie wollte er seine Alkoholsucht bekämpfen. Nun ist er in einem sozialen Wohnprojekt untergebracht, in dem Alkohol erlaubt ist. Das ging schief.

Ronny hat knapp die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht. Der Leipziger ist 38 und Intensivtäter – und damit einer von 74.000 in Deutschland. Zum ersten Mal traf MDR-exakt Ronny 2017. Damals war er alkoholabhängig, konsumierte Marihuana, Crystal und Heroin. Das Geld dafür besorgte er sich vor allem durch Einbrüche.

Doch er wollte sein Leben ändern, begann im März 2019 während seiner bislang letzten Haftstrafe eine Therapie in einer Suchtklinik im sächsischen Weinböhla. Ronny wollte weg von den Drogen. MDR-exakt erklärte er: "Ich will raus aus diesem Alltagstrott, jedes Mal Haft, Haft. Das Rein, Raus, Rein. Ich kann das nicht mehr. Das halten meine Nerven gar nicht mehr durch."

Alkoholabhängiger kommt in sozialem Wohnprojekt mit Alkohol in Berührung

Ronny hat die Therapie beendet, seine Haftstrafe abgesessen. Ohne Job und Wohnung startete er im Oktober 2019 in die Freiheit. Eine Übergangsbetreuung war für Ronny allerdings nicht vorgesehen. MDR-exakt wollte von der Klinikleitung wissen, warum. Doch die Interviewwünsche werden abgelehnt, schriftliche Fragen nicht beantwortet - "aus Datenschutzgründen", wie es heißt.  

In Dresden Klotzsche bekam Ronny schließlich einen Platz im sozialen Wohnprojekt "Wetterwarte". Das Problem: Es ist eine sogenannte "nasse" Einrichtung: Fünf Bier pro Tag und Bewohner sind erlaubt. Uwe Zobel ist dort Sozialarbeiter. Er will Ronny helfen, eine betreute, drogenfreie Unterkunft zu finden. Die Politik müsse hier mehr tun, betont Zabel. Seit 17 Jahren begleitet er Menschen bei ihren Versuchen, die Sucht hinter sich zu lassen. Seine Erfahrung sei, "dass man immer nur bis zum Therapieende denkt. Und nicht vernetzt." Nach der Therapie stünden die Hilfesuchenden alleine da. "Nach dem Motto: Wir haben unseren Pflichtteil getan und jetzt sieh zu, wie du klarkommst", kritisiert der Sozialarbeiter.

Ronny wird rückfällig

Beratungsgespräch Sozialarbeiter und Intensivtäter Ronny
Ronny vertraut Sozialarbeiter Uwe Zobel. Doch der kommt derzeit auch nicht mehr an ihn heran. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ronny kann dem Alkohol nicht widerstehen. "In drei, vier, fünf Tagen habe ich zwei, drei Flaschen Schnaps getrunken halt. Hochprozentigen. Das war zu viel. Auf jeden Fall", räumt er gegenüber MDR-exakt ein. Dieser Zustand hält nun schon seit Wochen an. Die häufigen Rauschzustände machen den 38-Jährigen zunehmend aggressiv.

Sozialarbeiter Uwe Zobel ist der einzige, der noch zu Ronny durchdringt, zu dem der Ex-Straftäter Vertrauen hat. Doch auch Zobel wurde von Ronny nach einer Sauftour schon bedroht. "Das sind so Drohungen, die er nicht so meint, wie er sie sagt. Aber er kann den Film nicht stoppen, der dann läuft. Stellen Sie sich mal vor, da ist jemand, der das erwidert. Das wäre böse", erklärt der Sozialarbeiter.

"Wenn kein Geld mehr fließen würde, würde ich klauen gehen."

Sozialarbeiter Uwe Zobel
Sozialarbeiter Uwe Zobel sieht die Politik in der Pflicht. Sie dürfe Intensivtäter nach Therapien nicht alleine lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der betreuten Therapieeinrichtung Ravensruh bei Wismar sieht Zobel eine Chance für Ronny, durch eine Langzeittherapie doch noch von den Drogen wegzukommen. Aber davon will Ronny derzeit nichts mehr wissen. Der Sozialarbeiter hat Ronny gefragt, ob Ravensruh noch für ihn eine Option wäre. Der Leipziger verneinte das. Als Grund gab er an, dass er sich "jetzt mehr zum Alkohol gezogen fühle".

Ronnys Tagesablauf ist nun wieder strukturiert durch Treffen mit Bekannten - zum Rauchen oder Kiffen. "Ich fahre hier früh die erste Runde mit dem ersten Shuttlebus, der fährt um 8 Uhr. Dann treffen wir uns hier, trinken Pfeffi, Kräuter und Bier. Dann fahren wir in die Neustadt. Und dort treffen uns auch nochmal mit Leuten, holen was zu kiffen, rauchen einen Joint und trinken weiter Schnaps", beschreibt er seinen Alltag.

Finanzieren kann er das durch seinen Hartz-IV-Bezug. "Wenn kein Geld mehr fließen würde, dann würde ich klauen gehen. Auf jeden Fall. Oder andere Leute abziehen, oder sonst irgendwas", gibt er unumwunden zu.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 11. März 2020 | 20:15 Uhr