Tarifkonflikt Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr

Jessica Brautzsch
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Wer normalerweise mit Bus oder Tram zur Arbeit fährt, muss sich am Dienstagmorgen vielerorts Alternativen suchen. Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifkonflikt zu Warnstreiks im Öffentlichen Personennahverkehr aufgerufen. Die Streiks treffen auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Ein Bus in dem Verdi-Plakate hängen
Am Dienstag wird im Öffentlichen Nahverkehr gestreikt. Bildrechte: dpa

Die Warnstreiks beginnen mit der Frühschicht – je nach Verkehrsunternehmen um null, drei oder vier Uhr. Busse und Trams stehen still, ihre Fahrer kommen nicht zum Dienst. Die betroffenen Verkehrsunternehmen in Mitteldeutschland müssen mit einem Totalausfall rechnen. So auch die Jenaer Nahverkehr GmbH: "Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass es zu einem kompletten Ausfall hier beim Jenaer Nahverkehr kommt", sagt Pressesprecher Stefan Dreising.

Ausfall auch im Schülerverkehr

Das bedeute auch einen Ausfall für den Schülerverkehr. Das dürfte alle bestreikten Verkehrsunternehmen treffen. Auf der Webseite der Halleschen Verkehrs-AG beispielsweise wird Eltern deshalb empfohlen, alternative Beförderungsmöglichkeiten für schulpflichtige Kinder zu suchen. In den meisten betroffenen Städten sollen die Warnstreiks bis zum Abend um 24 Uhr dauern.

Das bedeute allerdings nicht, dass der Öffentliche Personennahverkehr danach reibungslos weiter laufe, sagt Dreising: "Auch wenn es zum Zeitpunkt X ein Ende gibt, wird es danach mindestens noch einige Stunden dauern, bis Bus und Bahn wieder fahren, wie es der Takt normalerweise vorsieht. Denn die sind dann natürlich nicht da, wo sie einmal sein sollten. Und das Personal muss auch erstmal da sein, wo es hingehört."

Kritik in sozialen Netzwerken

Allein im Leipziger Gebiet sollen die Warnstreiks nur bis Mittag dauern. Dennoch sei auch hier bis zum Abend mit Verzögerung zu rechnen, erklärt der zuständige Gewerkschaftssekretär Paul Pjanow.

Ein Streik-Plakat hängt bei einem Warnstreik
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Neben Leipzig, Halle und Jena sind auch Dresden, Zwickau, Chemnitz und Plauen in Sachsen, der Burgenlandkreis, Dessau und Magdeburg in Sachsen-Anhalt, sowie Erfurt und Gera in Thüringen betroffen.

In den sozialen Netzwerken erntet Verdi für den Warnstreik viel Kritik und Unmut. Pjanow hat dafür Verständnis. Aber: "Wir haben in diesem Maße schon sehr frühzeitig über den Streik informiert. Also schon am Freitag gab es die erste Pressemitteilung. Und was mir wichtig ist, ist, dass sich der Streik natürlich nicht gegen die Fahrgäste richtet. Auch wenn die natürlich die Leidtragenden sind. Aber hier ist der Arbeitgeber in der Pflicht."

Ausgenommen von den Warnstreiks dürften lediglich einige Tochter- und Subunternehmen sein. Nicht betroffen sind zudem die Eisenbahnverkehrsunternehmen im MDV. S-Bahnen und Regionalzüge verkehren nach Fahrplan.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2020 | 15:00 Uhr