Streitatlas 2019 Leipziger sind am streitlustigsten

Mal geht es um einen Ehekrach oder Unterhaltszahlungen, mal um einen Konflikt mit dem Vermieter oder einen Blitzer: Die Deutschen fechten immer mehr Rechtsstreitigkeiten aus – vor Gericht oder auch in der Beratung. So steht es im neuen Streitatlas des Versicherers Generali. Der Konzern hat Zehntausende Fälle ausgewertet und dabei zum Beispiel festgestellt: Die Menschen in Leipzig sind besonders oft in Konflikte verwickelt.

Ein Paar streitet
Scheidungen sind ein häufiger Grund für Rechtskonflikte. Bildrechte: imago/Andreas Krone

Ein nebliger Novembermorgen. Auf Leipzigs Straßen herrscht Harmonie. Streiten mag sich hier niemand – weder der dick eingepackte Mann, der an einem Marktstand Atemwölkchen in die Luft bläst, noch die Touristin oder die alte Dame, die durch die Innenstadt spazieren.

Vor Gericht ziehen möchte erst Recht keiner: Kommunikation ist, den Menschen auf der Straße zufolge, alles und man möchte Dinge generell lieber diplomatisch klären, als Streit anzufangen. Die Leipziger stellen sich selbst sehr versöhnlich dar.

Viel Streit in Leipzig wegen Mieten und Wohnungsnot

Doch womöglich trügt der Schein. Denn im Vergleich aller Landkreise und kreisfreien Städte streiten sich die Leipziger besonders häufig. Fast 31 Rechtskonflikte kamen hier im Jahr 2018 auf 100 Einwohner. Im Bundesschnitt sind es 24,7. Wohlgemerkt: Die Studienmacher des Versicherungskonzerns Generali rechnen dabei alle Bevölkerungsgruppen ein, also auch Kinder oder alte Menschen.

Aber warum sind gerade die Leipziger in so viele Rechtskonflikte verwickelt? Generali-Sprecher Stefan Göbel sagt, dass in den Großstädten steigende Mieten und Wohnungsnot eine Rolle gespielt hätten. Außerdem nennt er noch einen weiteren Grund: "Insgesamt zeigt sich die Tendenz in ganz Deutschland, dass in den städtischen Regionen mehr gestritten wird als in den ländlichen." Denn wo mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, entstünden auch häufiger und schneller Konflikte.

Männer für einen Großteil aller Konflikte verantwortlich

Die Erkenntnisse über die juristischen Streitigkeiten hierzulande basieren auf der Auswertung des Generali-Rechtsschutzes. Für die aktuelle Studie flossen mehr als 390.000 Datensätze aus dem Jahr 2018 ein – vor allem von Privatkunden.

Stefan Göbel erklärt es genauer: Die Streitfälle, die für den Streitatlas ausgewertet wurden, würden sich nicht nur auf Gerichtsfälle beziehen, sondern auf Rechtsstreitigkeiten, die außergerichtlich geklärt wurden oder durch Beratung und Mediation. Göbel merkt aber an: "Natürlich bilden sie nicht alle Streitigkeiten ab, die in einer Nation entstehen, aber sie zeigen eine Tendenz."

Und die besagt unter anderem: Männer geraten häufiger in Konflikte als Frauen. Sie sind für mehr als zwei Drittel aller Fälle verantwortlich. Die meisten Streitigkeiten gehören in das Privat- und Strafrecht. Dazu zählt Ärger mit dem Reiseanbieter genauso wie Scheidungen. Auf dem zweiten Platz landen Probleme rund um das Auto, nicht zuletzt wegen des Dieselskandals. Dahinter folgen Streitigkeiten am Arbeitsplatz.

Menschen durch Internet besser über ihre Rechte informiert

Die zunehmende Zahl von Rechtskonflikten, die Generali seit 2013 verzeichnet hat, wertet Göbel aber erst mal positiv:

Dass die Deutschen immer mehr Rechtsstreitigkeiten austragen, ist für uns ein Zeichen dafür, dass die Menschen sich ihrer Rechte immer bewusster werden.

Stefan Göbel, Generali Versicherungskonzern

Durch zahlreiche Online-Portale zum Beispiel wüssten die Menschen viel besser über ihre Rechte Bescheid und seien öfter gewillt, sie im Notfall gerichtlich durchzusetzen. Vergleicht man die Bundesländer miteinander, verzeichnet Berlin die meisten Rechtskonflikte und Bayern die wenigsten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2019 | 05:17 Uhr

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