Illustration von Syphilis-Erregern
Illustration von Syphilis-Erregern. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Gesundheitsreport Mehr neue Syphilis- als HIV-Fälle in Europa

Seit mehreren Jahren ist Syphilis europaweit wieder auf dem Vormarsch. Deutschland ist besonders betroffen: Einem Bericht zufolge hat sich die Ansteckungsrate hierzulande seit 2007 verdoppelt.

Illustration von Syphilis-Erregern
Illustration von Syphilis-Erregern. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die Zahl der bestätigten Syphilis-Fälle in Europa hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Wie aus einem Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hervorgeht, infizieren sich im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren mit der sexuell übertragbaren Krankheit.

Besonders oft seien Männer betroffen, die gleichgeschlechtlichen Sex hätten und in städtischen Gebieten lebten. Für den Bericht hat das ECDC die Entwicklung der Syphilis von 2007 bis 2017 in 30 Staaten analysiert - in der EU, Norwegen und Island.

Erstmals mehr Syphilis- als HIV-Fälle

Die Zahl der pro Jahr bestätigten Fälle stieg demnach seit 2010 um knapp 70 Prozent auf einen Rekordwert von 33.189. 2016 waren es 29.944 bestätigte Infektionen gewesen. Das bedeute, dass es erstmals seit Anfang der 2000er-Jahre mehr bestätigte Syphilis- als HIV-Fälle in Europa gebe, erklärte das in Stockholm ansässige Zentrum.

Syphilis - auch diese Persönlichkeiten sollen betroffen gewesen sein

Lustseuche oder Franzosenkrankheit wurde die Geschlechtskrankheit Syphilis früher genannt. Erstmals dokumentiert wurde ein Ausbruch im 15. Jahrhundert in Italien. Auch diese Persönlichkeiten sollen Syphilis gehabt haben.

Katharina die Große (1729-1796), Kaiserin von Russland
Katharina die Große (1729-1796) Bildrechte: imago/United Archives International
Katharina die Große (1729-1796), Kaiserin von Russland
Katharina die Große (1729-1796) Bildrechte: imago/United Archives International
Wolfgang Amadeus Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Bildrechte: IMAGO
Der Komponist Ludwig van Beethoven in einer zeitgenössischen Darstellung.
Ludwig van Beethoven (1770-1827) Bildrechte: dpa
Jugendbildnis Heinrich Heines, gemalt von Moritz Oppenheim, 1885
Heinrich Heine (1797-1856) Bildrechte: imago/imagebroker
Frederic Chopin
Frédéric Chopin (1810-1849) Bildrechte: imago/imagebroker
Charles Baudelaire (1821-1867)
Charles Baudelaire (1821-1867) Bildrechte: imago/United Archives International
Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche (1844-1900) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Oscar Wilde
Oscar Wilde (1854-1900) Bildrechte: imago/Leemage
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"Die Zuwächse bei den Syphilis-Infektionen, die wir in Europa sowie in anderen Ländern in aller Welt sehen, sind ein Ergebnis mehrerer Faktoren wie Sex ohne Kondom und mit mehreren Sexualpartnern, kombiniert mit einer geringeren Angst, HIV zu bekommen", stellte der Leiter des Programms für HIV- und Geschlechtskrankheiten, Andrew Amato-Gauci, fest.

In Deutschland besonders häufig

Im gesamten Zeitraum 2007 bis 2017 erfasste das ECDC 260.505 bestätigte Syphilis-Fälle. Auch in Deutschland gab es von 2007 bis 2017 eine starke Zunahme der Erkrankungen von 4 auf 9,1 Fälle pro 100.000 Bundesbürger, verglichen mit einer gesamteuropäischen Rate von 7,1 pro 100.000.

Das entspricht 7.473 Infektionen im Bundesgebiet. Damit zählte Deutschland neben Island, Irland, Großbritannien und Malta zu den fünf Ländern, in denen sich die Rate seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Estland und Rumänien dagegen meldeten einen deutlichen Rückgang.

Anfangs oft gar keine Symptome

Bereits Ende 2018 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet, dass sich der Anstieg bei der Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland fortsetze. Insbesondere in Berlin und Hamburg erkrankten laut einem RKI-Bericht im Verhältnis zur Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele Menschen.

Oftmals verläuft Syphilis ohne Symptome. In anderen Fällen tritt meist wenige Tage oder Wochen nach der Ansteckung ein Geschwür zum Beispiel am Penis auf, das keine Schmerzen verursacht. Wird die Krankheit nicht mit Antibiotika behandelt, können weitere Anzeichen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten folgen. Jahre nach der Infektion sind Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 15:40 Uhr

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6 Kommentare

14.07.2019 00:23 MoBeeCho 6

Mal ein paar Gedanken zur obigen Bildergalerie: ..."auch diese Persönlichkeiten sollen betroffen gewesen sein" - klingt doch sehr nach Boulevardpresse! ...was es aber sicherlich nicht sein soll ;-)
Alle modernen Forscher sind sich darüber einig, dass weder Mozart, noch Beethoven und auch nicht Chopin an Syphilis litten oder daran gestorben sind.
Mozart starb mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer bakteriellen Sepsis. Bei Beethoven führte eine Leberzirrhose mit Aszites und schließlich eine Pneumonie (Lungenentzündung ) zum Tode. Tja und der gute Chopin starb an Tuberkulose mit Herzversagen. Nachzulesen im Buch "Kerners Krankheiten grosser Musiker" 6. Auflage.
Ein Musikus ,sicher noch andere, erkrankte aber definitiv an der Syphilis : Robert Schumann - er starb an den Folgen einer Spätsyphilis des zentralen Nervensystems (ZNS).
Noch ein schönes Wochenende:-)

13.07.2019 08:18 winfried 5

Syphilis wieder im Kommen ?! ... Das nenn' ich Fortschritt in die Moderne.

12.07.2019 17:50 Normalo 4

@ 2 Wieder mal: Gääääähhhhn!!!!

Erklärungen aus dem Text für die Verdoppelung der Infizierten sind Ihnen entgangen, was? Naja, wer lesen kann/ will ist klar im Vorteil. Wird das denn nicht echt langsam langweilig? :)

12.07.2019 17:19 Sachse43 3

Tja, die Natur wehrt sich.

12.07.2019 16:42 REXt 2

Ach , wieder so eine altbekannte, ausgerottet gedachte , Krankheit, interessant, seit ein paar Jahren wieder, so wie Tuberkulose u. all die anderen Neuen Alten Krankheiten.

12.07.2019 14:37 Wachtmeister Dimpfelmoser 1

Die lächerliche obere Abbildung "Syphilis-Parasiten greifen eine Samenzelle an" hat in seriösen Artikeln mit dem Anspruch eines informierendem Wissenschaftsjournalismus nichts verloren. Der Erreger der Syphilis ist ein Bakterium namens Treponema pallidum, sogenannte Spirochäten, also schraubenförmig gewundene längliche und sehr dünne Erreger, die morphologisch am ehesten an einen langgezogenen Korkenzieher erinnern. Mit der dargestellten Abbildung, auch wenn sie nur schematisch ist, hat der Erreger absolut nicht gemeinsam. Und den "Spermaangriff" packen wir mal ins Reich der Legenden.

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]