Eine junge Frau begutachtet die Lebensmittel in einer Kiste, die sie von einem Supermarkt erhalten hat
Eine junge Frau begutachtet die Lebensmittel in einer Kiste, die sie von einem Supermarkt erhalten hat. Bildrechte: dpa

Weggeworfene Lebensmittel Die Tafeln: "Containern ist der falsche Weg"

Das sogenannte Containern, bei dem weggeworfene Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten geholt werden, sehen die Tafeln in Mitteldeutschland kritisch. Sie sprechen sich gegen eine Legalisierung aus.

Eine junge Frau begutachtet die Lebensmittel in einer Kiste, die sie von einem Supermarkt erhalten hat
Eine junge Frau begutachtet die Lebensmittel in einer Kiste, die sie von einem Supermarkt erhalten hat. Bildrechte: dpa

Die Tafeln in Mitteldeutschland haben sich gegen eine Legalisierung des sogenannten Containerns ausgesprochen. Joachim Rolke, der Chef des Tafel-Verbandes Sachsen, sagte MDR AKTUELL: "Containern ist der falsche Weg". In Deutschland gebe es durch die Tafeln ein gut laufendes System bei der Verwertung von Lebensmitteln. Dadurch sei Containern nicht nötig. Außerdem holten die Tafel-Mitarbeiter ohnehin alles Verwertbare von den Märkten. Was die Märkte wegwerfen, sei zu 90 Prozent verdreckt, nicht mehr zu gebrauchen.

Dabei gibt es aus Sicht des Sachsen-Anhalter Tafel-Verbandes gerade bei der Lebensmittelverwertung noch Spielraum. Verbandschef Andreas Steppuhn sagte dem MDR, der Hamburger Vorstoß greife zu kurz. "Ziel muss es sein, dass Lebensmittel gar nicht erst im Container landen." Es müssten die Bemühungen verstärkt werden, Lebensmittel zur retten. Es sei unwürdig, wenn Menschen sich an Containern anstellen müssen und nach Lebensmitteln suchten. Es sei besser, rechtzeitig zu spenden. So würden Verwertbarkeit und Hygiene sichergestellt.

Justizminister: Containern bleibt Straftat

In den vergangenen Tagen hatten die Justizminister der Länder in Lübeck auf Antrag Hamburgs unter anderem darüber beraten, ob die Entnahme von Lebensmitteln aus Müllcontainern vor Supermärkten künftig straffrei sein soll. Die Mehrheit der CDU-regierten Länder lehnte den Antrag aber ab, Thüringen unterstützte ihn.

Beim Containern werden aus Abfall-Behältern von Supermärkten Lebensmittel geholt, die nicht mehr verkauft werden können. Laut Gesetz wird das nun weiter als Diebstahl oder Hausfriedensbruch gewertet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

10.06.2019 23:32 part 6

Womit wir wieder beim Vorstoß von den Grünen zum Versandhandel wären, das nicht verwertete Waren nicht der Recourcenvernichtung anheim fallen sollten. Bei Lebensmitteln verhält es sich nicht anders, auch sie haben einen ökolgischen Fingerabdruck und haben zur ihrer Erzeugung Recourcen verbraucht, die nicht einfach in der Müllverbrennung landen sollten. Container ja, aber dann bitte auf eigene Gefahr. Viel schlimmer ist aber, das in einem der reichsten Länder Europas Tafeln bereitstehen um die reale Armut in diesem Land aufzufangen in Ehrenamtsarbeit um dessen Beendigung sich ganze Regierungskoalitionen keinen Deut scheren. Wenn sich Kinderarmut über einen bestimmten Zeitraum verdoppelt und ebenfalls die Anzahl der Milliardäre, dann liegt etwas im Argen.

10.06.2019 20:48 MuellerF 5

Davon abgesehen gibt es auch zahlreiche "Foodsharing"-Initiativen zusätzlich zu den Tafeln. Die Tafeln können ja teilweise auch gar nicht alles einsammeln, geschweige denn verteilen, da auch deren Lagerkapazitäten & Öffnungszeiten, sowie die Zahl berechtigter Empfänger begrenzt sind. All diese Dinge hat Herr Rolke nicht in Betracht gezogen!

10.06.2019 20:41 MuellerF 4

>>Außerdem holten die Tafel-Mitarbeiter ohnehin alles Verwertbare von den Märkten. Was die Märkte wegwerfen, sei zu 90 Prozent verdreckt, nicht mehr zu gebrauchen. <<

Diese Aussage zeugt von absoluter Unkenntnis!
Die Märkte schmeißen durchaus viel genießbare Ware weg, und dass man Gemüse & Obst wäscht, bevor man es verzehrt, trifft auch auf Ware aus dem Regal oder von der Tafel zu. Manchmal muss man ein paar Stückchen wegschneiden, aber das ist ja auch kein Drama.

10.06.2019 20:18 Fragender Rentner 3

Das Containern ist bei manchen unerwünscht, wie scheinbar auch die massenweise Flut von den Paketen und die große Rücksendung von diesen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

10.06.2019 13:35 Normalo 2

Ganz im ernst, ist der eigentluche Skandal nicht, dass es die Tafeln oder gar das Containern überhaupt bei uns geben muss? Man muss den Mindestlohn erhöhen, eine Grundsicherung einführen, Alleinerziehende fördern und Sanktionen für Arbeitsunwillge verschärfen. Ich glaube die Tafeln wären glücklich wenn sie aus diesen Gründen ihre Tätigkeit einstellen könnten.

10.06.2019 11:31 konstanze 1

An die, die das Containern befürworten: Was kommt als Nächstes ? Einstieghilfen in Form von Treppen oder Griffen an den Containern, damit die Bedürftigen besser rein- und herauskommen ? Nein, das ist unwürdig und das für alle zu fordern, um seine Art zu leben, zu legalisieren, ist unverfroren. Der Argumentation der Mitarbeitern der Tafeln kann man sich nur anschließen.