Urteil Telefonica-Kunde bekommt riesiges Guthaben ausgezahlt

Der Mobilfunkanbieter Telefonica muss einem Kunden ein riesiges Guthaben auszahlen. Ein Gericht sprach dem Mann 225.000 Euro zu, das er sich mit 508 SIM-Karten und einer automatischen Wählmaschine "erspart" hatte.

Alte und neue Smartphones
Mit einer automatischen Wählmaschine rief der Kunde seine 508 Anschlüsse immer wieder an - pro Anruf bekam er zwei Cent. Bildrechte: imago/Michael Eichhammer

Der Mobilfunkbetreiber Telefonica muss einem Kunden Handygutschriften von 225.000 Euro auszahlen. Das hat das Oberlandesgericht München nach einem jahrelangen Rechtsstreit entschieden.

Kunde nahm Slogan "Easy Money" wörtlich

Hintergrund war eine Werbeaktion von Telefonica, die der Kunde clever ausnutzte. Der Konzern hatte versprochen, dass bei bestimmt den Prepaid-Karten der Aktion "Easy Money" zwei Cent pro eingegangenem Anruf gutgeschrieben würden. Der Mann kaufte mehr als 500 dieser Karten und rief sich mit einem automatischen Wählprogramm millionenfach selbst an.

Telefonica legte Unterlagen zu spät vor

Damit häufte er ein riesiges Guthaben an. Telefonica weigerte sich, das Geld auszuzahlen. Das Argument des Konzerns: Der Kunde habe sowohl gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen als auch gegen Treu und Glauben verstoßen: Die 2-Cent-Gutschrift pro Anruf sei nicht dafür gedacht gewesen, dass sich die Kundschaft mit Computerhilfe tausendfach selbst anrufe.

Ob der Mann gegen Treu und Glauben verstoßen hat, prüfte das Gericht nicht. Der Konzern legte entsprechende Unterlagen erst eine Woche vor dem Prozess vor - das war den Richtern zu spät. Darin sollte das Unternehmen auflisten, wie das Guthaben von 225.000 Euro zustande gekommen sei. Ein Teil des Guthabens war auch durch das reguläre Aufladen der Karten entstanden.

"Easy Money"-SIM haben hohen Wiederverkaufswert

Der Besitzer der Karten bekam jedoch nicht die volle von ihm geforderte Summe: Telefonica hat die "Easy Money" Karten zwar längst aus dem Programm genommen. Auf Ebay kosten die SIMs aber statt der ursprünglichen 20 Euro ab 500 Euro aufwärts. Deswegen veranschlagte der Mann wegen des hohen Gebrauchtpreises allein schon für seine SIM-Karten einen Wert von 100.000 Euro. Das lehnte das Gericht aber ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Dezember 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 16:33 Uhr

2 Kommentare

Thueringer Original vor 6 Wochen

Cooles Urteil. Man muss es auch mal aus der anderen Seite sehen. Wenn Telefonica ihm richtiges Guthaben unterschlagen wollte und ihm die wiederverkaufbaren SIM-Karten deaktiviert hat, dann hatte er ja bereits davon einen Schaden. Telefonica schmerzen die 225.000 Euro sicherlich nicht so sehr. Die sitzen bei Verträgen doch meist am längeren Hebel als der Kunde.

Maria A. vor 6 Wochen

Derartige Fälle kennt man bislang nur aus Amerika. Da sind für blödsinnige Handlungen, oder solchen mit mehr oder weniger großen Folgeschäden, tatsächlich Millionen ausgezahlt worden.