Coronavirus-Ticker 23. Juni: Innerdeutscher Streit um Touristen aus Risikogebieten

Wer aus einem deutschen Coronavirus-Risikogebiet in ein anderes Bundesland reist, dem drohen mancherorts inzwischen Quarantäne oder Ausweisung. Die betroffenen Kreise empfinden das als Stigmatisierung. Nach dem Ausbruch bei Tönnies stehen aktuell vor allem die Landkreise Gütersloh und Warendorf im Fokus. Sachsen und Sachsen-Anhalt kündigten derweil weitere Lockerungen an.

Blick von Usedom auf die Ostsee
Bildrechte: Usedom Tourismus GmbH

Unser Ticker vom Dienstag endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse! Aktuelle Meldungen zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie in unserem Ticker am Mittwoch.

00:45 Uhr | Landrat: Tönnies soll Belegschaft in Weißenfels testen

Der Landrat des sachsen-anhaltischen Burgenlandkreises, Ulrich, fordert vom Fleischverarbeiter Tönnies Corona-Tests auch im Werk in Weißenfels. Ulrich sagte am Abend, nur durch regelmäßige Tests erhalte man ein Lagebild im Unternehmen. Seine Aufforderung an den Konzern Tönnies erfolge in Abstimmung mit der Landesregierung von Sachsen-Anhalt. Auch wer in Weißenfels formal für ein Subunternehmen arbeite, solle getestet werden. Bisher sind dem Gesundheitsamt des Burgenlandkreises keine Infektionen im Schlachthof in Weißenfels bekannt. Nach Angaben von Tönnies arbeiten dort rund 2.200 Menschen.

00:10 Uhr | Gesundheitsminister wollen über Corona-Ausbruch beraten

Die Gesundheitsminister der Länder wollen heute über den Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh beraten. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein kündigte eine Telefonkonferenz an. Ziel der Beratungen sei ein bundeseinheitliches Vorgehen. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte nach dem Corona-Ausbruch beim Schweineverarbeiter Tönnies einen neuen Lockdown über den Kreis Gütersloh verhängt. Er gilt auch für den Nachbarkreis Warendorf. Damit wird der Alltag von rund 640.000 Menschen in der Region eingeschränkt. Es gibt unter anderem Kontaktbeschränkungen in der Öffentlichkeit. Außerdem werden Kinos, Museen und Fitnessstudios wieder geschlossen.

22:45 Uhr | Israel erklärt Corona-Hotspots zur Sperrzone

In Israel sind mehrere Orte wegen zahlreicher Corona-Neuinfektionen zu Sperrzonen erklärt worden. Betroffen sind die Stadt El'ad sowie einzelne Wohnviertel von Tiberias. Nach einer Entscheidung des zuständigen Komitees sollen sie ab morgen sieben Tage lang nur eingeschränkt zugänglich sein. Nach Angaben von Ministerpräsident Netanjahu könnte es in weiteren Orten Einschränkungen geben. Nach zahlreichen Lockerungen der Corona-Maßnahmen verzeichnet Israel derzeit wieder zahlreiche Neuinfektionen.

22:15 Uhr | Innenpolitischer Streit um Touristen aus Risiko-Gebieten

Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, hat die neuen Einreisebeschränkungen für Touristen aus Risiko-Gebieten in Bayern kritisiert. Der CDU-Politiker sagte am Dienstagabend: "Das halte ich für eine ganz schlimme und stigmatisierende Behandlung der Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh, die ich so nicht toleriere."

Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann erklärte hingegen, es gebe Ausnahmen für Menschen, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. In Bayern sollen Hotels und Pensionen von nun an keine Menschen mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis kommen, in dem die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt. Im Kreis Gütersloh lag der Wert nach dem Ausbruch beim Tönnies-Werk bei weit über 200.

Ein ähnliche Regelung gilt bereits in Mecklenburg-Vorpommern. Schleswig-Holstein kündigte an, Reisende aus Gegenden mit besonders vielen Infektionen künftig in eine zweiwöchige Quarantäne zu schicken.

21:55 Uhr | Bericht: Tönnies-Mitarbeiter zurück in Bulgarien

In Bulgarien sind drei aus Deutschland heimgekehrte Mitarbeiter des Fleischverarbeiters Tönnies unter Quarantäne gestellt worden. Das sagte der Bürgermeister der Stadt Beliza einem bulgarischen Fernsehsender. Die Tönnies-Mitarbeiter seien in Deutschland auf das Coronavirus getestet worden. Sie wüssten aber nicht die Ergebnisse. Die Bulgaren sollten morgen erneut auf das Virus getestet werden.

Einer der Männer sagte, sie seien zurückgekehrt, weil sie Angst gehabt hätten. Bulgarien hatte jüngst die Quarantänepflicht für Einreisende aus Deutschland aufgehoben. Der Oberste Inspektor für Gesundheit zeigte sich besorgt, dass rückkehrende Tönnies-Mitarbeiter das Virus in Bulgarien weiter verbreiten könnten.

20:53 Uhr | Corona-Regeln in Mitteldeutschland

Sachsen und Sachsen-Anhalt haben am Dienstag erneut angekündigt, einige Eindämmungsmaßnahmen zurückzufahren. Was aktuell in den drei mitteldeutschen Ländern gilt, lesen Sie hier:

19:48 Uhr | Lockerungen in England, Ägypten und Finnland

Regierungen in mehreren Staaten haben Lockerungen der Corona-Beschränkungen angekündigt. In England dürften ab dem 4. Juli etwa wieder Pubs, Restaurants und Hotels öffnen, sagte Premierminister Boris Johnson am Dienstag im Parlament in London. Auch Sportplätze, Kinos, und Museen sollen wieder öffnen. In Schottland, Wales und Nordirland entscheiden die dortigen Regierungen.

In Ägypten dürfen Bars und Restaurants bereits ab Sonntag wieder Gäste bewirten – allerdings nur mit 25 Prozent der Besucherkapazitäten. Hotels dürfen nur 50 Prozent ihrer Zimmer belegen. Auch Moscheen und Kirchen dürfen öffnen. Allerdings bleiben das Freitagsgebet oder auch die Sonntagsmesse untersagt. Die Strände sind ebenso gesperrt.

Finnland will die erlassenen Reisebeschränkungen ab 13. Juli für eine Reihe von europäischen Ländern wieder aufheben. Die Möglichkeit zur Einreise hänge dann vom Infektionsgeschehen im jeweiligen Land ab. Deutschland erfüllt die von Innenministerin Maria Ohisalo am Dienstag formulierten Kriterien, Nachbarland Schweden nicht.

Zurückrudern musste derweil die Regierung in Bulgarien. Wegen rasant gestiegener Fallzahlen verhängte das Land erneut eine Maskenpflicht für Geschäfte, Behörden und andere geschlossene Räume. Diese Pflicht war erst am 15. Juni aufgehoben worden.

19:24 Uhr | Corona-Infektionen auch bei Wiesenhof

Auch in einem großen Schlachtbetrieb der für die Marke Wiesenhof bekannten PHW-Gruppe sind viele Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Beim Test von 50 Personen aus dem Betrieb im niedersächsischen Wildeshausen habe es bei 23 ein positives Ergebnis gegeben, teilte der Landkreis Oldenburg am Dienstag mit. Das Unternehmen Geestland Putenspezialitäten, das den Schlachthof führt, kündigte an, dass nun alle 1.100 Mitarbeiter auf den Erreger getestet werden sollen. Die Ergebnisse sollen bis Freitag vorliegen.

19:00 Uhr | Kekulé: Maßnahmen in Gütersloh greifen zu kurz

Der Virologe Alexander Kekulé hält den einwöchigen Lockdown im Kreis Gütersloh für nicht ausreichend. Er sagte im Podcast von MDR AKTUELL, es dauere 14 Tage, bis bei allen Infizierten die Symptome aufgetreten seien. Die Behörden brauchten auch mehr Zeit: Sie müssten Corona-Tests machen, sie auswerten und dann über Maßnahmen entscheiden.

Kekulé kritisierte, die Behörden hätten nicht schnell genug gehandelt. Es könnte sein, dass viele Tönnies-Mitarbeiter Gütersloh schon verlassen und das Virus weitergetragen hätten.

17:56 Uhr | Sächsische Regierung kürzt Ausgaben

Die schwarz-grün-rote Koalition in Sachsen hat Einschnitte als Folge der Corona-Krise angekündigt. Nach einem Treffen der Spitzen von CDU, Grünen und SPD erklärte Wirtschaftsminister Martin Dulig, dass sich die Parteien auf 17 Schwerpunkte der Arbeit verständigt hätten. Das im Januar verkündete Startprogramm für die gemeinsame Regierungsarbeit lasse sich aber wegen der Krise nicht wie geplant umsetzen. Man könne dafür in diesem Jahr nicht 220 Millionen Euro ausgeben, sondern nur 60 Millionen Euro, sagte der SPD-Politiker. Den Rest müsse man auf die kommenden Jahre verteilen.

Das Programm sieht unter anderem Investitionen in Schulbauten, das Straßen- und Wassernetz sowie den Hochwasserschutz vor. Insgesamt geht es um 170 Projekte.

17:13 Uhr | Über 9 Millionen Infektionen weltweit

Weltweit haben sich nach Berechnungen der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bislang mehr als 9,1 Millionen Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Über 472.000 Patienten sind demnach an oder mit dem Virus gestorben. 4,5 Millionen Infizierte seien inzwischen genesen. Die meisten Fälle verzeichnen die USA, Brasilien und Russland.

17:05 Uhr | Gericht: Bolsonaro muss Maske tragen

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro muss nach einem Gerichtsbeschluss in der Öffentlichkeit eine Mund- und Nasenmaske tragen. Sollte sich Bolsonaro nicht daran halten, müsse er pro Tag eine Strafe von umgerechnet rund 340 Euro zahlen, ordnete ein Bundesrichter an.

Bolsonaro hatte die Gefahr des Virus lange geleugnet und von einer "kleinen Grippe" gesprochen. An Veranstaltungen in der Hauptstadt Brasília hatte er ohne Schutzmaske teilgenommen.

16:48 Uhr | Freitaler OB verlässt wegen Corona-Maßnahmen die CDU

Uwe Rumberg (CDU), Oberbürgermeister von Freital
Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg Bildrechte: dpa

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg ist aus der CDU ausgetreten. Mit ihm traten noch acht weitere lokale Führungskräfte aus der Partei aus, berichtet die "Sächsische Zeitung". Rumberg hatte das Ausmaß der Corona-Beschränkungen kritisiert. Zuletzt hatte er sich CDU-intern für eine kritische Aufarbeitung der Maßnahmen ausgesprochen.

16:37 Uhr | Djokovic positiv getestet

Tennisspieler Novak Djokovic reißt Hand nach oben. Publikum applaudiert im Hintergrund.
Tennis-Star Novak Djokovic Bildrechte: dpa

Der serbische Tennisprofi Novak Djokovic ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Weltranglisten-Erste teilte in den sozialen Netzwerken mit, dass er sich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben werde. Seine Frau habe sich ebenfalls infiziert, seine Kinder hingegen nicht. Djokovic hatte ein Tennis-Turnier in Belgrad und Zadar organisiert. Er war heftig kritisiert worden, weil bei den Spielen keine Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten wurden. Vor ihm waren bereits drei andere Profis positiv getestet worden, die bei dem Turnier mitspielten.

16:20 Uhr | Tönnies will Werkverträge im Kernbereich abschaffen

Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies hat auf die Kritik am System von Werkverträgen reagiert. Das Unternehmen kündigte in Rheda-Wiedenbrück an, bis Ende des Jahres diese Verträge in allen Kernbereichen der Tierschlachtung abzuschaffen. Die Beschäftigten sollten in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden. Zuvor hatte bereits der zweitgrößte deutsche Schlachtbetrieb, Westfleisch, mitgeteilt, alle Mitarbeiter selbst einzustellen.

16:05 Uhr | Weitreichende Einschränkungen auch im Landkreis Warendorf

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies verhängen die Behörden auch für den Nachbarkreis Warendorf weitreichende Eindämmungsmaßnahmen. Genau wie im Kreis Gütersloh gebe es Kontaktbeschränkungen. Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen würden verboten. Ab Donnerstag würden zudem Schulen und Kitas im Kreisgebiet geschlossen. Das alles kündigte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstag an.

15:40 Uhr | Konzert für mehr als 2.000 Pflanzen in Barcelona

Das erste Konzert im Opernhaus von Barcelona nach dem Ende des Corona-Notstands hat am Montag vor 2.292 Pflanzen stattgefunden. Die Gewächse verliehen dem Gran Teatre del Liceu die Atmosphäre eines Dschungels, während vier Musiker ihnen nach einer tiefen Verbeugung Variationen von Giacomo Puccinis "Crisantemi" darboten.

Musiker proben im Gran Teatre del Liceu, wobei alle 2 292 Sitzplätze mit Pflanzen besetzt sind.
Ungewönliches Konzert-Publikum: Tausende Pflanzen im Opernhaus von Barcelona. Bildrechte: dpa

Mit der Aktion wolle der Konzeptkünstler Eugenio Ampudia für einen behutsameren Umgang der Menschen mit der Natur und ihren Pflanzen werben, berichtete das spanische Fernsehen. Die Pflanzen sollen anschließend Mitarbeitern des Gesundheitswesens als Dank für ihre Arbeit geschenkt werden, teilte das Opernhaus mit.

15:25 Uhr | Bayern untersagt Übernachtungen von Menschen aus Risiko-Gebieten, Usedom schickt Touristen nach Hause

Angesichts des Corona-Ausbruchs im Kreis Gütersloh hat Bayern die Beherbergung von Menschen untersagt, die von dort und aus anderen schwer betroffenen Landkreisen einreisen. Hotels und Pensionen in Bayern dürfen künftig keine Gäste mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner höher als 50 ist. Eine Ausnahme gilt für Menschen, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können.

In Mecklenburg-Vorpommern gilt eine solche Regelung bereits. Auf der Urlaubsinsel Usedom wurden am Montag auf dieser Grundlage 14 Menschen aus Risiko-Gebieten aufgefordert, vorzeitig abzureisen. Sie müssten sich unverzüglich bei ihrem heimischen Gesundheitsamt melden, sagte ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald. Mindestens ein Ehepaar aus Gütersloh war betroffen. Über die Herkunft der anderen Touristen gibt es keine Angaben. Aufgefallen waren die Reisenden beim Zahlen der Kurtaxe. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind Ausnahmen bei Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses möglich.

14:57 Uhr | Urteil: Erhebung von Kontaktdaten zulässig

Kontaktdaten von Kunden, etwa von Restaurantgästen, dürfen einer Gerichtsentscheidung zufolge zum Schutz vor dem Coronavirus gesammelt werden. Die Regelungen des Landes Nordrhein-Westfalen zur Rückverfolgbarkeit möglicher Infektionsketten sei rechtmäßig, beschloss das Oberverwaltungsgericht in Münster am Dienstag im Eilverfahren (AZ: 13 B 695/20.NE). Mit der Erhebung der Daten solle sichergestellt werden, dass bei Nachweis einer Infektion Kontaktpersonen leichter identifiziert werden könnten. Ein Bochumer Rechtsanwalt hielt die Regelungen für unverhältnismäßig. Er argumentierte, die Datenerhebung auf Papier verletze sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Das Gericht lehnte seinen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung jedoch ab. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung trete gegenüber dem Schutz von Leben und Gesundheit vorübergehend zurück. Der Beschluss ist unanfechtbar.

14:45 Uhr | Welthandel schrumpft um 18,6 Prozent

Der globale Warenaustausch ist nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO in der ersten Jahreshälfte drastisch eingebrochen. Der Welthandel sei im ersten Quartal um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen und dürfte im ablaufenden zweiten Vierteljahr um 18,5 Prozent fallen, sagte die WTO am Dienstag in Genf voraus. Dies sei der steilste Rückgang, der jemals verzeichnet wurde.

13:35 Uhr | Weitere Lockerungen auch in Sachsen

Sachsen nutzt vergleichsweise niedrige Zahlen bei neuen Coronavirus-Infektionen für weitere Lockerungen. Festhalten will das Land vorerst an der Maskenpflicht beim Einkauf und im öffentlichen Personenverkehr, an Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Mehr Freiheiten soll es aber bei Familienfesten geben, an denen bald wieder bis zu 100 Menschen teilnehmen dürfen. Kindertagesstätten sollen ab Montag wieder im Normalbetrieb arbeiten können. Die neue Corona-Schutzverordnung soll laut Landesregierung am 30. Juni in Kraft treten und dann bis zum 17. Juli gelten.

13:23 Uhr | Sachsen-Anhalt lockert Kontaktbeschränkung

In Sachsen-Anhalt werden die Kontaktsperren weiter gelockert. Ab Anfang Juli solle nur noch als Empfehlung gelten, sich mit nicht mehr als zehn Menschen zu treffen und möglichst wenige wechselnde Kontakte zu haben. Wie Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) heute weiter mitteilte, soll auf Bußgelder verzichtet werden.

12:39 Uhr | Berlin: Bußgeld bei Verstoß gegen Maskenpflicht

Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen in Berlin wird künftig ein Bußgeld fällig. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Eine Maskenpflicht im ÖPNV gilt hier seit Ende April. Zugleich fällt die Kontaktbeschränkung weg, wonach sich maximal fünf Personen aus mehreren oder nur Mitglieder zweier Haushalte in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Auch dürfen künftig wieder mehr Menschen gleichzeitig in Geschäfte. Gelten soll das ab Samstag.

12:35 Uhr | Sachsen-Anhalt erlaubt größere Veranstaltungen

In Sachsen-Anhalt sollen ab Juli wieder Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Menschen unter freiem Himmel möglich sein. Das gab die Staatskanzlei heute bekannt. Die siebte Corona-Verordnung des Landes soll demnach am 30. Juni beschlossen werden und bis 16. September gelten. Zudem sollen auch Sportwettkämpfe wieder angesetzt werden können. "Wir geben den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Eigenverantwortlichkeit zurück", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). In Räumen solle es zunächst eine maximale Teilnehmerzahl von 250 und ab 1. September von 500 Menschen geben. Die Regelungen gelten demnach für "fachkundig organisierte Veranstaltungen", also unter Hygiene- und andere Auflagen.

12:30 Uhr | "Wirtschaftsweise" erwarten Rezession

Für 2020 rechnet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit einem Konjunktureinbruch um 6,5 Prozent. Die Pandemie werde voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg verursachen, sagte der Vorsitzende des Beratergremiums der Bundesregierung, Lars Feld. Ab Sommer dürfte aber eine langsame Erholung einsetzen, so dass die Wirtschaft ab 2021 wieder um 4,9 Prozent wachsen werde. Frühestens 2022 könne sie wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Die Arbeitslosenquote werde in den nächsten Monaten weiter steigen und wohl erst 2021 langsam wieder zurückgehen.

12:14 Uhr | Sanofi: Impfstoff vor Mitte 2021 möglich

Der französische Pharmakonzern Sanofi kommt bei seinem Covid-19-Impfstoff schneller voran als erwartet. Die Zulassung des gemeinsam mit GlaxoSmithKline entwickelten Impfstoffs könnte demnach schon im ersten Halbjahr 2021 erteilt werden. Wie Sanofi heute meldete, ist das Gesprächen mit den Behörden zu entnehmen. Konzernchef Paul Hudson geht davon aus, jährlich bis zu eine Milliarde Dosen des Impfstoffes mit Glaxo herstellen zu können. Bislang gibt es noch keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus, mit dem sich weltweit schon mehr als neun Millionen Menschen infiziert wurden und an dem bereits mehr als 469.000 Menschen gestorben sind.

11:34 Uhr | Viele Schiffsbesatzungen sitzen fest

Reedereien schlagen Alarm wegen der zur Eindämmung des Coronavirus in vielen Häfen verhängten Beschränkungen beim Wechsel von Schiffsbesatzungen. Laut Verband Deutscher Reeder (VDR) warten weltweit etwa 200.000 Seeleute auf Schiffen auf ihre Ablösung, weitere 200.000 an Land auf ihren Einsatz. In einigen Häfen, etwa in Europa, Hongkong und Singapur, habe sich die Lage entspannt. In anderen Ländern seien Crew-Wechsel aber nach wie vor die Ausnahme: "Wenn sich die Situation nicht ändert, werden Logistikketten reißen, weil Schiffe nicht weiterfahren können", sagte VDR-Präsident Alfred Hartman. Dann sei auch der Nachschub etwa mit Lebensmitteln, Rohstoffen und Medikamenten gefährdet.

11:25 Uhr | Laschet wirft Tönnies mangelnde Kooperation vor

Nach den vielen Coronavirus-Infektionen beim Fleischverarbeiter Tönnies hat NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) heute dem Unternehmen mangelnde Kooperationsbereitschaft vorgeworfen. Die Behörden hätten die Herausgabe von Daten der Arbeiter von Tönnies durchsetzen müssen: "Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt", sagte Laschet. Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen sei Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten zu übermitteln.

11:05 Uhr | Mehr Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt

Die nordrhein-westfälische Landesregierung schickt drei Hundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh. Die Polizisten sollen dort die Quarantäne der mehr als 6.000 Mitarbeiter des Fleischbetriebs Tönnies kontrollieren. Auch das kündigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) heute an. Die zusätzlichen Polizisten sollen demnach auch die mobilen Test-Teams begleiten und behördliche Anordnungen durchsetzen helfen.

10:52 Uhr | Laschet kündigt Einschränkungen an

Nach dem Coronavirus-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh nun doch noch stärker ein. Das kündigte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) heute in Düsseldorf an.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt ein Statement ab.
Armin Laschet: Größter lokaler Ausbruch bisher Bildrechte: dpa

Erstmals in Deutschland kehrt demnach ein Kreis wieder auf die Schutzmaßnahmen zurück, die noch vor einigen Wochen gegolten hatten. Der Ausbruch im Kreis Gütersloh sei der bisher größte in Deutschland insgesamt, sagte Laschet.

Die Maßnahmen sollen demnach bis 30. Juni gelten. Dazu gehören unter anderem Kontaktbeschränkungen wie im März. Zudem ist im Kreis Gütersloh unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen verboten. Kulturveranstaltungen müssen abgesagt, Fitnessstudios, Kinos und Bars wie zuvor wieder geschlossen werden.

Ein Ausreiseverbot für die Bewohner des Kreises wurde nicht verhängt. Laschet appellierte jedoch an die Menschen, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren".

10:39 Uhr | RKI zu Virus-Ausbreitung in Schlachthöfen

Das Robert Koch-Institut vermutet eine Zusammenwirkung verschiedener Ursachen bei der Virus-Ausbreitung in Schlachthöfen. RKI-Chef Lothar Wieler sagte, ein Grund seien sicher die beengten Wohnverhältnisse von Gastarbeitern. Auch niedrige Temperaturen in solchen Betrieben und die erleichterte Bildung sogenannter Aerosole spielten eine Rolle: "Wahrscheinlich wird beides dazu beitragen."

10:14 Uhr | Lokale Ausbrüche erhöhen Ansteckungsrate

Nach Ansicht des Robert Koch-Instituts ist die Ansteckungsrate in Deutschland wegen einzelner örtlicher Ausbrüche so stark gestiegen. Genannt wurde unter anderem die vielen Fälle im und im Umfeld des Tönnies-Fleischbetriebs im Kreis Gütersloh sowie in Wohnanlagen in Göttingen, in Magdeburg und Berlin-Neukölln. Das sei der Grund, warum der sogenannte Reproduktionszahl (R-Wert) zuletzt über zwei gestiegen sei, sagte RKI-Chef Lothar Wieler bei der Pressekonferenz heute in Berlin. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt mehr als zwei weitere ansteckt. Da aber insgesamt die Zahl der täglich neuen Infektionen weiter gering sei, dürfe das nicht überbewertet werden.

Institutionen wie "Risklayer" oder die Johns-Hopkins-Universität stützen sich auf die durch die Gesundheitsämter oder andere staatliche Behörden vermeldeten Infektionsfälle. Diese Daten sind oftmals aktueller als jene des Robert Koch-Instituts, das seine Daten über eine längere Meldekette erfasst und nur einmal am Tag aktualisiert veröffentlicht.

09:41 Uhr | Schwellenwert im Kreis Warendorf überschritten

Nach dem großen Coronavirus-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist auch im benachbarten Landkreis Warendorf der festgelegte Schwellenwert für Neuinfektionen pro Tag überschritten worden. Laut dem Robert Koch-Institut wurden bis Dienstag (00:00 Uhr) 68,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern für den Kreis in Nordrhein-Westfalen erfasst. Ab 50 Fällen sollen in der Regel zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Warendorfs Landrat Olaf Gericke (CDU) hatte die Infektionen gestern Nachmittag auf 1.243 im Kreis wohnende Tönnies-Mitarbeiter zurückgeführt, die unter Quarantäne stehen. Einen Lockdown für seinen Kreis hielt er nicht für nötig, da seiner Meinung nach die Infektionen nicht auf die übrige Bevölkerung übergehen würden.

09:23 Uhr | GdP beklagt Respektlosigkeit gegenüber Polizei

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt eine in der Coronavirus-Pandemie wachsende Respektlosigkeit gegenüber den Beamten. Diese Entwicklung halte schon einige Jahre an, sagte der Vize-GdP-Chef Jörg Radek heute im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt aber sei es so, dass sich das "offensichtlich durch die Pandemie" weiter zuspitze. Anfangs seien polizeiliche Maßnahmen akzeptiert worden. Aber je länger die Pandemie mit ihren Auflagen andauere, desto weniger Verständnis gebe es: "Das schlägt auch zum Teil um in Aggression", sagte Radek mit Verweis auch auf die Ausschreitungen in Stuttgart.

08:44 Uhr | Corona-App auch in anderen Ländern möglich

Urlauber können die deutsche Corona-Warn-App nach Einschätzung von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) noch vor der Hauptreisezeit auch in einigen anderen EU-Staaten nutzen. "Wir denken, dass wir etwa Österreich, Schweiz und Italien noch vor der großen Sommer-Hauptreisezeit anbinden können, weil die ein sehr ähnliches Konzept verfolgen wie wir", sagte Braun im Bayerischen Rundfunk. Schwieriger sei die Nutzung in Frankreich, weil dort Daten zentral gespeichert wüden und nicht dezentral wie in Deutschland.

08:10 Uhr | "Wirtschaftsweise" senken ihre Prognosen

Die Corona-Krise zwingt die deutsche Wirtschaft in die Knie. Volkswirte sind sich einig: Europas größte Volkswirtschaft steuert auf die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg zu. Auch die "Wirtschaftsweisen", der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage muss seine Ende März vorgelegte Prognose nach unten korrigieren. Heute Mittag veröffentlicht das Beratergremium der Bundesregierung seine überarbeiteten Schätzungen für diese und für das kommende Jahr.

07:30 Uhr | Weitere Maßnahmen nach Corona-Ausbruch

Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit inzwischen mehr als 1.500 nachweislich infizierten Mitarbeitern zeichnen sich weitere Schritte zur Eindämmung des Infektionsherdes ab. Auch Fachleute des Robert Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind inzwischen im Kreis Gütersloh im Einsatz. Ihren "Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen", twitterte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), ohne Details zu nennen. Ein Thema der heutigen Kabinettssitzung in Düsseldorf dürfte die aktuelle Situation im Kreis Gütersloh sein, wo Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) auch einen Lockdown in der Region inzwischen für vorstellbar hält.

07:04 Uhr | Grünes Licht für Impfstoff-Tests an Menschen

Eine Tochter des chinesischen Unternehmens Chongqing Zhifei Biological Products hat von den heimischen Behörden grünes Licht erhalten, einen Impfstoff gegen das Coronavirus an Menschen zu erproben. Das Unternehmen teilte mit, der Impfstoff werde mit Anhui Zhifei Longcom Biopharmaceutical und dem Institute of Microbiology of the Chinese Academy of Sciences entwickelt.

07:00 Uhr | Sachsen: Neue Verordnung kommt

Die sächsische Landesregierung will heute nach dem Mittag weitere Lockerungen bei den Infektionsschutz-Maßnahmen verkünden. Sie sind Teil einer neuen Verordnung, die vom 30. Juni bis zum 17. Juli gelten soll. Einige Details waren bereits bekannt geworden. So sollen etwa größere Familienfeiern mit bis zu 100 Gästen unter Auflagen wieder möglich sein. Gleiches wurde für Jahrmärkte und Dorffeste erwogen. Dass es zur Aufhebung der Maskenpflicht in Geschäften kommt, ist eher unwahrscheinlich. Auch am Mindestabstand und Kontaktbeschränkungen will das Land zunächst festhalten.

06:45 Uhr | Neue Verordnung in Sachsen-Anhalt

Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt berät heute über weitere Lockerungen der Beschränkungen des öffentlichen Lebenns wegen der Coronavirus-Pandemie. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne und Wirtschaftsminister Armin Willingmann von der SPD wollen das weitere Vorgehen nach der Sitzung auf einer Pressekonferenz am Mittag darlegen. In Kraft treten sollen die Lockerungen jedoch erst mit der siebten Corona-Verordnung. Die aktuelle sechste Verordnung gilt bis 1. Juli.

06:20 Uhr | USA weiten Einreisebeschränkungen aus

US-Präsident Donald Trump will nach Angaben eines Regierungsmitglieds bestehende Visa-Beschränkungen auf Spezialisten und firmeninterne Versetzungen ausweiten.

US-Präsident Donald Trump
Trump ist derzeit im Wahlkampf: Kritiker werfen ihm vor, die Pandemie auszunutzen. Bildrechte: dpa

Bis Ende des Jahres sollen demnach weder Arbeitsvisa für Spezialisten noch solche für die Versetzung von Angestellten in einer Firma ausgestellt werden. Auch ungelernte Arbeiter sollen betroffen sein, nicht aber die ungelernten Saisonkräfte der Landwirtschaft.

Ziel sei es, die Coronavirus-Epidemie einzudämmen. Durch diese Einschränkungen würden 525.000 Arbeitsplätze für US-Bürger frei. Kritiker werfen Trump vor, die Pandemie auszunutzen, um die Einwanderung zurückzufahren.

05:56 Uhr | Jugendherbergen weiter geschlossen

In Mitteldeutschland sind viele Jugendherbergen noch immer geschlossen. Das haben Recherchen von MDR AKTUELL ergeben. In Sachsen-Anhalt haben nach Angaben des Landesverbands des Deutschen Jugendherbergswerks nur acht von 15 Herbergen wieder geöffnet. Dies werde wohl auch noch länger so bleiben. Ähnlich sieht es in Sachsen aus. Hier hieß es vom JH-Verbands, die Einrichtungen ließen sich nach der Schließung noch nicht wirtschaftlich betreiben.

04:21 | Unesco: Krise verschärft Bildungs-Ungleichheit

Mehr als 250 Millionen Kinder weltweit haben nach Angaben der Unesco keinen Zugang zu Bildung. Das geht aus dem neue Bericht der UN-Organisation hervor, der heute veröffentlicht wird. Demnach besuchten 2018 geschätzt 258 Millionen Kinder, Heranwachsende und Jugendliche keine Schule. Die größte Hürde sei Armut, und die Coronavirus-Pandemie verstärke die Ungleichheit noch.

03:08 Uhr | Mitarbeiter von Trump-Wahlteam positiv getestet

Nach dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump in Tulsa sind zwei Mitglieder seines Wahlkampfteams positiv auf das Coronavirus getestet worden. Beide hätten an der Veranstaltung teilgenommen, sagt ein Sprecher. Allerdings hätten sie Masken während der ganzen Zeit getragen. Die Gesamtzahl der positiv getesteten Mitarbeiter des Wahlkampfs in Tulsa stieg damit auf acht.

00:42 Uhr | BA rechnet mit drei Millionen Arbeitslosen

Die Bundesanstalt für Arbeit erwartet wegen der Corona-Krise im Sommer mehr als drei Millionen Arbeitslose. BA-Chef Scheele sagte der "Süddeutschen Zeitung", er hoffe, dass sich die Lage im Herbst wieder bessere. Lockerungen der Restriktionen in der Gastronomie oder Reisebranche müssten wirken, damit die Zahlen wieder sinken könnten. Auch müsse der Welthandel wieder in Gang kommen und das Konjunkturpaket der Bundesregierung wirken.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juni 2020 | 22:00 Uhr