Coronavirus 4. August: Reisewarnung für Türkei teilweise aufgehoben

Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung für mehrere türkische Regionen aufgehoben. Der Virologe Kekulé plädiert für eine umfassende Maskenpflicht an Schulen. Die Thüringer CDU-Landtagsfraktion forderte einfachere Regelungen für verkaufsoffene Sonntage. Die Debatte um Auflagen für Corona-Demos geht weiter. Alle aktuellen Entwicklungen im Ticker.

Zusammengeklappte Sonnenschirm an einem Strand in der Türkei
Am Strand von Lara in der Provinz Antalya Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Dienstag, 4. August 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus. Den Ticker am Mittwoch finden Sie hier.

22:00 Uhr | Pandemie triff 94 Prozent aller Schüler weltweit

Die Corona-Krise hat aus Sicht der Vereinten Nationen zu den größten Verwerfungen von Bildungssystemen in der Geschichte geführt. Mehr als 1,6 Milliarden Menschen in über 190 Ländern auf allen Kontinenten seien durch die Pandemie beim Lernen beeinflusst worden. Geschlossene Schulen und Lerneinrichtungen haben einem neuen UN-Bericht zufolge 94 Prozent aller weltweiten Lernenden betroffen, in Ländern mit niedrigen Einkommen sogar 99 Prozent.

18:02 Uhr | Maskenpflicht in Amsterdam und Rotterdam

Als erste niederländische Städte führen Amsterdam und Rotterdam eine Maskenpflicht ein. An belebten Straßen, auf Plätzen und Märkten muss ab Mittwoch eine Gesichtsmaske getragen werden. Wer sich nicht an die Auflage hält, dem droht eine Geldbuße von 95 Euro. Die Städte reagieren damit auf die schnell steigenden Infektionszahlen. Landesweit sind Masken bisher nur im öffentlichen Nahverkehr Pflicht. In der vergangenen Woche waren in den Niederlanden fast 2.600 Neu-Infektionen gemeldet worden, das ist fast doppelt soviel wie in der Vorwoche.

17:17 Uhr | Reisewarnung für Türkei teilweise aufgehoben

Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für die Türkei teilweise aufgehoben. Das Auswärtige Amt teilte in seinen Reisehinweisen im Internet mit, dass die formelle Warnung vor touristischen Reisen in die Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla entfällt.

Bisher zählte die Türkei zu den etwa 160 Ländern außerhalb der EU und des Schengen-Raums, für die die Reisewarnung eigentlich bis zum 31. August galt. Mit dem jetzigen Schritt macht die Bundesregierung erstmals eine Ausnahme.

16:33 Uhr | Weiter keine Tagestouristen in Mecklenburg-Vorpommern

Urlauber genießen das Sommerwetter an der Ostsee.
Warnemünde im Sommer 2020 Bildrechte: dpa

Individuelle Tagestouristen aus anderen Bundesländern dürfen auch weiterhin nicht nach Mecklenburg-Vorpommern kommen. Das teilte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nach einer Kabinettssitzung mit. Damit soll das Corona-Infektionsrisiko angesichts wieder steigender Zahlen in Deutschland niedrig gehalten werden. Das Wichtigste sei, dass jetzt der Schul- und Kitabetrieb nach den Sommerferien geordnet unter Corona-Bedingungen anlaufe, betonte Schwesig. In Mecklenburg-Vorpommern sind am Montag die Ferien zu Ende gegangen.

16:17 Uhr | Kekulé fordert Maskenpflicht an Schulen

Der Virologe Alexander Kekulé rät zu einer umfassenden Maskenpflicht an Schulen. Er sagte im Podcast von MDR AKTUELL, das sei mit Blick auf den Herbst notwendig. Dann könnten die Klassenräume nicht mehr ständig gelüftet werden. Ohne eine Maskenpflicht drohten Superspreading-Ereignisse, bei denen ein Schüler oder eine Schülerin viele andere anstecke.

Bislang sind sich die Bundesländer bei der Maskenpflicht in Schulen allerdings uneins. Kekulé sagte mit Blick auf die reguläre Öffnung der Schulen, er habe gemischte Gefühle. Einerseits freue er sich für die Schüler, dass es wieder losgehe. Andererseits gebe es keine umfassenden Testungen. Die Normalbetrieb an Schulen sei deswegen ein Experiment, das auch schief gehen könne.

15:41 Uhr | Basketballspieler wegen Corona-Demo rausgeworfen

Der Bonner Basketballverein "Telekom Baskets" hat Nationalspieler Joshiko Saibo fristlos entlassen, weil er an der Corona-Großdemonstration in Berlin teilgenommen hat. Nach Angaben des Vereins hat Saibou gegen Vorgaben seines Vertrags als Profisportler verstoßen. Der Verein erklärte, die Basketball-Bundesliga arbeite gerade akribisch an Hygienekonzepten für Spiele vor Zuschauern und für die Sportler selbst. Deshalb könne man ein permanentes Infektionsrisiko, wie es Saibou darstelle, nicht verantworten.

Am vergangenen Wochenende hatte Saibou mit seiner Freundin, der Weitspringerin Alexandra Wester, an der Protestaktion in Berlin teilgenommen. Nach der Demonstration veröffentlichte Saibou am Montag bei Instagram ein Video, das ihn ohne Mundschutz im Fitnessstudio auch neben Nationalmannschaftskollege Maodo Lo beim Training zeigte.

15:06 Uhr | DFL stellt Konzept zu Fans im Stadion auf

Die 36 Profi-Vereine der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben ein einheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr einiger Fans in die Stadien beschlossen.

Dieses umfasst ein Alkoholverbot, die vorübergehende Streichung der Kartenkontingente für Auswärtsfans und Stehplätze sowie die Einführung personalisierter Tickets zur Nachverfolgung von Infektionsketten.

14:04 Uhr | Debatte und Auflagen für Corona-Demos geht weiter

Nach der Berliner Großdemonstration gegen Corona-Vorschriften reißt die Debatte um schärfere Auflagen für Versammlungen nicht ab. Innenstaatssekretär Stephan Mayer sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung", Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung seien zwar unveränderliche Grundrechte. Allerdings gelte das nur so weit, wie die Rechte Dritter oder die öffentliche Sicherheit nicht erheblich verletzt würden. Die Landesbehörden müssten deshalb abwägen, ob man bei der Genehmigung von Versammlungen restriktiver entscheiden müsse. Ähnlich äußerte sich der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Justizministerin Christine Lambrecht erklärte hingegen im "Spiegel", sie sei dagegen, Protestveranstaltungen von vornherein zu untersagen. Am Wochenende hatten bei Corona-Demonstrationen in Berlin zahlreiche Teilnehmer gegen Infektionsschutzregeln verstoßen.

13:54 Uhr | Corona-Fall im Ferienlager Arendsee bisher Einzelfall

Nach einem Corona-Fall im Ferienlager Arendsee bei Salzwedel gibt es bisher keine weiteren Infektionen. Das erklärte die zuständige Dezernentin des Altmarkkreises Salzwedel dem MDR. Alle Tests bei den Kindern und Mitarbeitern seien negativ ausgefallen. Am Wochenende war bei einem Ferienkind das Virus nachgewiesen worden. Sechs Kinder und zwei Betreuer aus der Gruppe des infizierten Jugendlichen kamen in Quarantäne. 88 weitere Gäste, die keinen Kontakt zu dem Infizierten hatten, waren am Montag nach Hause geschickt worden.

13:14 Uhr | Thüringer CDU-Fraktion für einfache Sonntagsöffnungen

Die CDU-Landtagsfraktion in Thüringen hat eine vereinfachte Regelung für verkaufsoffene Sonntage im Freistaat gefordert. Fraktionssprecher Henkel sagte in Erfurt, wegen der Corpona-Pandemie sollte es Änderungen geben. Viele Stadtfeste und Großveranstaltungen seien abgesagt. Damit seien auch Anlässe für den Sonntagsverkauf entfallen. Die Händler in den Innenstädten und die Gastronomie seien aber dringend darauf angewiesen. Die Geschäfte seien teilweise monatelang geschlossen gewesen. Auch die IHK hatte für verkaufsoffene Sonntage bis zum Jahresende geworben.

Das Thüringer Ladenöffnungsgesetz erlaubt an höchstens vier Sonn- und Feiertagen im Jahr, aus besonderen Anlässen die Läden zu öffnen.

12:28 Uhr | Zahl der offenen Stellen sinkt um halbe Million

Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist wegen der Virus-Pandemie im Frühjahr um fast eine halbe Million gesunken. Wie das Forschungsinstitut IAB der Bundesagentur für Arbeit bekannt gab, wurden Ende Juni knapp 900.000 Job-Angebote gemeldet, das waren ein Drittel weniger als drei Monate zuvor. Weil zugleich die Arbeitslosigkeit zunahm, kam auf drei Arbeitslose nur noch eine offene Stelle. Am stärksten betroffen vom Einbruch war die Industrie. Danach folgten Arbeitnehmerüberlassungen und das Dienstleistungsgewerbe. Einen leichten Anstieg gab es hingegen in der Öffentlichen Verwaltung.

10:33 Uhr | Victoria verschärft Bußgelder bei Corona-Verstößen deutlich

Der australische Bundesstaat Victoria hat die Bußgelder für Verstöße gegen Quarantäne-Bestimmungen deutlich erhöht. Wie Victorias Ministerpräsident Daniel Andrews sagte, werden bei einem zweiten Verstoß gegen die Corona-Regeln künftig 5.000 australische Dollar (etwa 3.000 Euro) fällig. Das ist das Dreifache der bisherigen Summe. Bei schweren Verstößen müssten sich die Betroffenen sogar vor Gericht verantworten. Andrews zufolge waren zuletzt bei Kontrollen 800 Corona-Infizierte nicht zu Hause in Quarantäne angetroffen worden. Das sei jeder Vierte gewesen. Das sei absolut inakzeptabel. In Australien sind bislang knapp 19.000 Corona-Infektionen nachgewiesen worden, rund 12.000 davon im Bundesstaat Victoria.

09:52 Uhr | Wie andere Europäische Länder mit der Maskenpflicht umgehen

In Schweden sind die Infektionszahlen rückläufig, auch ohne Maskenpflicht. Wer hier eine Maske trägt – das sind vor allem ältere Menschen – gilt hier eher als verdächtig, infiziert zu sein und muss sich mit der Feindseligkeit seiner Mitmenschen herumärgern.

In Österreich sollte die Maskenpflicht eigentlich langsam zurück genommen werden, sie wurde dann aber wegen steigender Infektionszahlen wieder ausgeweitet. Wer sich nicht dran hält muss bis zu 250 Euro Strafe zahlen – Ladenbesitzer können sogar mit bis zu 30.000 Euro rechnen.

In Polen gilt zwar an vielen Orten eine Maskenpflicht, viele halten sich aber nicht mehr ernsthaft daran. Die Behörden wollen deswegen mehr Kontrollen durchführen und höhere Strafen aussprechen. Denn die Infektionszahlen sind in Polen nie richtig abgeflaut.

08:46 Uhr | Marburger Bund: Zweite Corona-Welle hat Deutschland erfasst

Deutschland ist nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund schon von einer zweiten Corona-Welle erfasst worden. Vorsitzende Susanne Johna sagte der Zeitung "Augsburger Allgemeine", man befinde sich in einer zweiten flachen Anstiegswelle. Die Krankenhäuser seien darauf vorbereitet. Anders als bei der ersten Welle sollen Johna zufolge Krankenhausbetten diesmal nicht pauschal freigehalten werden. Man wolle sich am Bedarf orientieren. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind innerhalb eines Tages 879 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Rund 8.000 Menschen sind demnach aktuell Infiziert.

07:07 Uhr | UN warnen wegen Schulschließungen vor "Katastrophe für ganze Generation"

Die Vereinten Nationen fordern die Wiedereröffnung der Schulen weltweit zur obersten Priorität zu machen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, Mitte Juli seien in rund 160 Ländern die Schulen geschlossen gewesen. Davon sei mehr als eine Milliarde Schüler betroffen.

Jetzt stehen wir vor einer Katastrophe für eine ganze Generation, durch die unermessliches menschliches Potenzial verschwendet, jahrzehntelanger Fortschritt untergraben und tief verwurzelte Ungleichheiten verschärft werden könnten.

Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

Sobald die erste Übertragung des Coronavirus vor Ort unter Kontrolle sei, müsse es höchste Priorität haben, die Schüler so sicher wie irgend möglich wieder in den Unterricht zu bringen, mahnte der UN-Generalsekretär.

06:42 Uhr | Coronavirus in Italien offenbar weiter verbreitet als bekannt

In Italien sind offenbar sechsmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert gewesen, als bislang angenommen. Das geht aus einer vom Gesundheitsministerium und dem Statistikamt Istat veröffentlichten Studie hervor. Demnach sind bei 1,5 Millionen Menschen Antikörper gegen das Virus vorhanden. Das entspreche 2,5 Prozent der italienischen Bevölkerung. Dabei wurden regional große Unterschiede festgestellt. In der Lombardei wurden bei 7,5 Prozent der Getesteten Antikörper gefunden, in Süditalien bei weniger als einem Prozent. Fast 30 Prozent der Menschen mit Antikörpern hätten keine Symptome aufgewiesen. Das Ergebnis basiere auf Tests bei knapp 65.000 Menschen.

06:33 Uhr | Lehrergewerkschaft kritisiert geplante Hygienemaßnahmen

Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung hält eine Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen für unrealistisch. Gewerkschaftsvorsitzender Udo Beckmann sagte der Zeitung "Die Welt", es werde keinen flächendeckenden, vollumfänglichen Regelschulbetrieb wie vor Corona geben. Die Politik habe etwas als realisierbar dargestellt, was selbst bei gleichbleibend niedrigem Infektionsgeschehen nicht umgesetzt werden könne. Die bisher geplanten Hygienemaßnahmen zum Schuljahresbeginn reichten nicht aus. Zur in mehreren Bundesländern geplanten Maskenpflicht sagte Beckman, diese sei schnell gefordert. Die Umsetzung liege dann wieder bei den Lehrern.

02:10 Uhr | Corona-Warn-App bald in weiteren Sprachen

Die deutsche Corona-Warn-App soll bald in weiteren fünf Sprachen zur Verfügung stehen. "Die Versionen Arabisch, Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch und Russisch sind derzeit in der Entwicklung", sagte Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) der "Rheinischen Post". Bisher gibt es die App in Deutsch, Englisch und Türkisch. Die Corona-Warn-App sei inzwischen in den App-Stores aller EU-Länder sowie der Türkei, der Schweiz und von Norwegen und Großbritannien freigegeben, sagte Bär.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. August 2020 | 06:00 Uhr